„Tag der Archäologie“: Die neuesten Entdeckungen bewundern

Von: ptj
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Außenstellenleiter Udo Geilenbrügge (r.) zeigt den „thronenden Jupiter“, der von Germanen im römischen Brunnen versenkt wurde. Dieses Zeugnis für einen „Bildersturm“, wie es ihn leider heute noch gibt, ist beim „Tag der Archäologie“ in Titz-Höllen zu sehen. Er wurde im Tagebau Hambach gefunden. Foto: Jagodzinska

Höllen. Ganz behutsam entfernt Restauratorin Stella Oppl die schützende Plastikfolie über einer rund 2800 Jahre alten Urne, die in einem Gräberfeld vom Übergang der Bronze- zur Eisenzeit im Block geborgen wurde.

Der erste Blick auf die Urne, der sonst im Labor getätigt wird, war Höhepunkt der Vorstellung des Programms zum 23. „Tag der Archäologie“ am Samstag, 2. Juli. Zu diesem Anlass erwartet die Besucher der Außenstelle Höllen des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege die Freipräparierung der „original verspeisten Urne“. „Das ist wie ein Überraschungsei“, weiß die Restauratorin, die zudem Fundstücke aus bereits freigelegten Urnen präsentiert. Darunter Leichenbrand von brandbestatteten Verstorbenen, Bronzesegmente, Scherben, die noch nicht zugeordnet werden können, Holzkohle. Wichtigstes Relikt sind Zähne eines Verstorbenen, anhand derer in Zusammenarbeit mit Anthropologen Geschlecht und Alter bestimmt werden können.

Zu sehen sein wird auch die neueste Entdeckung im Rahmen der „Braunkohlenrettungsarchäologie“. Es handelt sich um einen Steinbrunnen aus dem Tagebau Hambach. Sein schwerster Steinbrocken wiegt 300 Kilogramm. Der Brunnen wird für die Veranstaltung als Viertelkranz wieder errichtet. „Eine solche Konstruktion hat es im rheinischen Braunkohlenrevier bislang erst einmal gegeben“, betont Außenstellenleiter Dr. Udo Geilenbrügge. Präsentiert wird zudem die 60 Zentimeter große „typische Variante eines thronenden Jupiters“, die im Brunnen geborgen wurde.

Die Objekte sind nicht nur in künstlerischer Hinsicht wertvoll. „Wir finden hier den Bildersturm, die bewusste Zerstörung kultischer Objekte“, erklärt Professor Jürgen Kunow, Leiter des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland. Die Säule sei Zeugnis eines Germanenüberfalls und wurde „bewusst in den Brunnen geworfen“. Eine weitere Attraktion ist die hölzerne Rekonstruktion mehrerer Fluchtkammern in 3,5 Metern Tiefe, die in einem römerzeitlichen Brunnen einer Gutsanlage bei Erkelenz-Borschemich entdeckt wurden. Der Stollen konnte nur vom Inneren des Brunnenschachtes erreicht werden.

Beliebt sind auch die Pendelbusfahrten zu einer laufenden Ausgrabung unmittelbar an der Abbaukante im Tagebaugebiet. Zunächst führt die Fahrt zur Grabung an der einstigen Kapelle Vilvenich in Pier, wo untersucht wird, ob der romanische Bau auf ältere Anlagen zurückgeht. Im Anschluss steht die Ausgrabung einer hochmittelalterlichen Siedlung mit zentral angelegtem massivem Wehrturm aus sorgfältig bearbeiteten Steinen auf dem Programm, die nahe des ehemaligen Hauses Verken entdeckt wurde. Alleine für den „Tag der Archäologie“ bleibt die Burganlage nach Bekunden des Außenstellenleiters erhalten. Ab Montag fahren die Tagebaubagger wieder. Weitere Objekte, Präsentationen und experimentelle Archäologie für Kinder warten in der Höllener Außenstelle.

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