„Symfos“: Den eigenen Lebensweg begreifbar machen

Von: Sandra Kinkel
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Den eigenen Lebensweg begreifbar machen: In einer Tagungswoche lernen Sozialarbeiter aus Düren, Österreich, Spanien, Italien und Irland die „Symfos“-Methode kennen, um sie in ihren Ländern anzuwenden. Foto: Sandra Kinkel
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Zusammenarbeit ist ein wichtiger Faktor bei dem Projekt. Foto: Kinkel
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So kann das Endprojekt schließlich aussehen. Foto: Kinkel

Nideggen. Lucy Niederhausen sitzt vor einem großen Blatt Papier mit sieben Kreisen. Der mittlere Kreis steht für ihr Lebensziel. Lucy träumt davon, einmal als Lehrerin zu arbeiten. Deswegen hat sie für diesen Kreis als Symbol ein Amulett ausgesucht, das für die Schülerin Ruhe und Bildung ausstrahlt.

Die anderen Kreise symbolisieren Lucy Niederhausens Gesundheit, ihre Wohnsituation, die Unterstützung, die sie von Freunden und Familie bekommt, ihre Ausbildung, Erfahrungen und Arbeitserfahrungen – also alles Dinge, die helfen oder auch verhindern können, dass Lucy ihren großen Traum erfüllen kann. Mit Hilfe von Symbolen lässt die Realschülerin ein Bild entstehen, damit sie klarer erkennen kann, welche Art von Unterstützung sie braucht, um Lehrerin werden zu können.

„Symfos – Symbols for Success“ heißt die Methode, mit der die 17-jährige Realschülerin arbeitet, und die in dieser Woche Thema einer Tagungswoche auf Burg Nideggen ist. Das Sozialwerk Dürener Christen beteiligt sich an einem europäischen Projekt, um „Symfos“ bekannter zu machen. 13 Sozialpädagogen und -arbeiter aus Deutschland, Österreich, Irland, Spanien und Italien sind in die Eifel gekommen, um die neue Methode der Symbolarbeit zu erlernen.

Für das „Sozialwerk Dürener Christen“ ist es das dritte Projekt, bei dem multi-national gearbeitet wird. „Europa“, erklärt Stefan Henke (43), pädagogischer Mitarbeiter beim Sozialwerk und ausgebildeter Symboltrainer, „steht vor großen Herausforderungen, die sich unter anderem aus Wirtschaftskrisen und hohen Jugendarbeitslosenquoten in vielen Ländern ergeben“.

Zugang zur Sprache

„Symfos“, so Henke weiter, wolle eben solche jungen Menschen unterstützen, die Schwierigkeiten haben, ihren eigenen Weg innerhalb des Bildungssystems und des Arbeitsmarktes zu finden, beziehungsweise ihre Zukunft zu planen.

„Traditionelle Beratungsmethoden“, sagt der Fachmann, „richten sich sehr häufig an Jugendliche mit guten Schreib- und Lesekompetenzen. Es gibt auch viele benachteiligte junge Menschen, die nur sehr schwer einen Zugang zu Sprache finden. Und damit meine ich nicht nur Leute mit Migrationshintergrund. Denen kann ‚Symfos‘ helfen.“

Die Jugendlichen würden eine zusätzliche Sprache an die Hand bekommen, nämlich die Sprache der Symbole. Henke: „Die jungen Leute können Dinge fühlen, sie regelrecht begreifen.“

„Symfos“ arbeitet mit drei verschiedenen Ansätzen, nämlich der „Lebensstraße“, „Inseln der Gefühle“ und „Inneren Bildern“. Solche Inseln hat auch Lucy Niederhausen auf ihrem Bild. Sie weiß genau, welche Schwierigkeiten es auf ihrem Weg, Lehrerin zu werden, geben könnte. „Ich habe eine rheumatische Erkrankung“, sagt sie. „Das kann Probleme machen. Außerdem brauche ich die Qualifikation für die gymnasiale Oberstufe und setze mich selbst oft unter Druck. Das ist mir durch das Erstellen des Bildes noch einmal sehr bewusst geworden. Man sieht die Dinge auf einmal viel klarer.“

Die fünf Projektpartner des Sozialwerks arbeiten zwar alle im Bereich Berufs- und Perspektivenbildung, trotzdem jedoch in ganz unterschiedlichen Umfeldern. Ann McCluskey kommt beispielsweise aus dem irischen Dublin und arbeitet dort in einem absoluten sozialen Brennpunkt. „Unsere Klienten sind zwischen 18 und 65 Jahre alt“, erzählt sie. „Wir versuchen, sie wieder in Arbeit zu bringen.“ „Symfos“ sei ein neues Modell, das ihr sehr praktikabel erscheinen würde, ergänzt die Irin. „Es hilft den Menschen, ihre Schwierigkeiten besser verbalisieren zu können.“ Durch die Symbolarbeit würden bei den Betroffenen andere Kanäle angesprochen. „Man ist viel schneller auf einer emotionalen Ebene. Das kann hilfreich sein.“

Britta Roszinszky, die beim Sozialwerk Dürener Christen das Projekt „Jugend stärken im Quartier“ betreut, geht sogar noch einen Schritt weiter. „Durch ‚Symfos‘ kommen die Jugendlichen selbst in Aktion. Sie müssen etwas machen.“

Viele der jungen Leute hätten weitaus mehr als ein Problem. „Das wird deutlich, wenn man ein Bild mit Symbolen vor sich sieht. Das eigene Leben ist plötzlich viel konkreter. Und es finden sich auch leichter Lösungsmöglichkeiten.“ Lucy Niederhausen ergänzt: „Mit Hilfe des Bildes und den Symbolen erkennt man plötzlich viel klarer, was man braucht.“

Drei Beratungen

Ziel des europaweiten Projektes ist es, die neue Methode in den Teilnehmerländern zu vertiefen. Nach der Ausbildungswoche in Nideggen haben alle zwölf Teilnehmer die Aufgabe, innerhalb der nächsten vier Wochen, drei Beratungen mit der „Symfos“-Methode durchzuführen. Im Oktober wird in Malaga eine weitere Trainerschulung stattfinden, im kommenden Jahr sind Treffen in Irland und Italien geplant. Henke: „Insgesamt ist das Projekt auf zweieinhalb Jahre angelegt. Wir wollen die Teilnehmer so fundiert ausbilden, dass sie „Symfos“ in ihren Ländern und ihren Einrichtungen weitergeben können.“

Für Günter Kirschbaum, Geschäftsführer des Sozialwerks Dürener Christen, ist auch der internationale Austausch der Sozialarbeiter ein großer Vorteil der Projektwoche in Nideggen. „Es ist deutlich geworden, dass es innerhalb Europas große Unterschiede im Bereich Sozialpädagogik und Sozialarbeit gibt.“ In Dublin sei man in der Brennpunktarbeit sehr weit, in Spanien gäbe es dagegen kein professionalisiertes System. „Hier ist es für die Kollegen sehr schwierig, überhaupt Strukturen aufzubauen.“ Und den Projekten in Italien würde häufig die staatliche Unterstützung fehlen.

Kirschbaum: „‚Symfos‘ soll auch dazu beitragen, europaweit einheitliche Arbeitsweisen aufzubauen. Und natürlich tauschen sich die Kollegen bei so einer Woche wie hier in Nideggen auch über ihre berufliche Praxis aus.“

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