Düren - SWD-Kommedy-Abend: Feinste Satire und destruktiver Humor

SWD-Kommedy-Abend: Feinste Satire und destruktiver Humor

Von: sj
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„Onkel Fisch“: Adrian Engels (links) und Markus Riedinger haben im „Komm“-Zentrum ihre unbändige Spielfreude ausgelebt. Foto: sj

Düren. Wer oder was zum Teufel ist eigentlich „Onkel Fisch“? Hinter diesem Namen verbirgt sich das Satiriker-Duo Adrian Engels und Markus Riedinger aus Köln. Das tiefergehende Nachschlagen im Kompendium des globalen Wissens, auch www.google.de genannt, gibt noch mehr Auskunft: „Zwei Halbirre mit Brausetabletten im Gehirn und einem sensiblen Kettensägen-Humor“.

Sie selbst ziehen es allerdings vor, diesen als „feinste Satire“ zu bezeichnen.

Ganz ehrlich: Das alles traf bei ihrem Auftritt im „Komm“-Zentrum zu. Ist hier ein Nervenarzt im Publikum!?

Deswegen war der Action-Kabarett-Soloauftritt im Rahmen der „SWD.Kommedy.Abende“ vielleicht nicht immer jedermanns Geschmack, aber in der Summe unterhaltsam und durchaus mit Tiefgang. Mal nah an der Grenze des Wahnsinns, dann scharf am Rande des guten Geschmacks vorbei, dann wieder köstlich kalauernd und scharfsinnig satirisch, mal viel zu laut, dann erschreckend leise: In der Mischung liegt die Kraft des Programms „Neues aus der Lobbythek“.

Mit einer bunten Mixtur aus Gesang, Tanz, Action und gekonnt inszenierter Improvisation sowie der beizeiten an Wahnsinn grenzenden Spielfreude schafften es Adrian Engels und Markus Riedinger zwar nicht, die Widersprüche und Gemeinsamkeiten des kulturellen und politischen Europas abschließend zu erklären, aber zumindest die letzte große Frage der Menschheit zu beantworten: Wieso heißt das Duo „Onkel Fisch“?

Na, ganz klar: Als sich die beiden gefunden hatten, war der Name „Spice Girls“ schon weg. Offen bleibt, warum der Vatikanstaat eigentlich nicht beim Eurovision Song Contest antritt. Tusch, und weiter geht’s. Scherz beiseite, es ging um eine ernste Sache: die Zukunft Europas. Zugegeben, die Stimmung war schon einmal besser.

Doch so schlecht wie in den Jahrhunderten zuvor, in denen sich alle Europäer als liebstes Hobby regelmäßig gegenseitig die Schädel einschlugen, ist sie zum Glück auch wieder nicht.

Betrachtung der Menschheitsgeschichte

Trotz ihres manchmal betont destruktiven Humors erwiesen sich „Onkel Fisch“ als konstruktive Botschafter Europas und Fackelträger des europäischen Gedankens. Dass nicht immer alles rund läuft, verschwiegen sie nicht. Ihre Botschaft: Draufkloppen hilft aber auch nicht weiter. Und wie in den Zeiten der Flüchtlingskrise populistische Bollwerke zu errichten, ist auch keine Lösung.

Bei genauer Betrachtung der Menschheitsgeschichte steht für „Onkel Fisch“ nämlich fest: „Wir Europäer sind ein traumatisiertes Flüchtlingsvolk, das sich hinter willkürlich gezogenen Grenzen verschanzt, weil es Angst hat, dass die afrikanische Verwandtschaft etwas vom Wohlstand abhaben möchte.“

Was bleibt von diesem Abend? Unter anderem eine Analyse: „Politiker, die sich nicht die Pfoten verbrennen wollen, schieben die Verantwortung nach Brüssel ab“, ist sich das Duo sicher. Es gibt auch eine Handlungsempfehlung: Nicht immer Entscheidungen aufschieben, vornehm prokrastinieren genannt, sondern mal als Europäer von der Couch der Selbstgerechten aufstehen und Farbe bekennen, sich für Europa und Demokratie einsetzen.

Das klingt gar nicht mal so nach den Brausetabletten im Gehirn, oder?

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