Düren - Sturzprävention: Im Alltag leichter die Balance halten

Sturzprävention: Im Alltag leichter die Balance halten

Von: Stephan Johnen
Letzte Aktualisierung:
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Gruppenarbeit: 26 Bewohner nehmen regelmäßig an den Übungsstunden mit Ergotherapeutin Rebekka Engelmeier (r.) teil. Foto: Stephan Johnen

Düren. Eine kleine Unachtsamkeit, eine Schwindelattacke oder schlicht das falsche Schuhwerk, das im Fall der Fälle keinen Halt bietet: Jeder Mensch hat wohl selbst schon einmal schmerzhaft erfahren, wie schnell er sich unbeabsichtigt dem Boden nähern kann.

Während Jüngere einen Sturz leichter abfangen, gelingt dies Älteren nicht mehr so gut. „Mit zunehmendem Alter oder mit Handicaps wird es schwieriger, den Körper in Balance zu halten oder ihn bei Verlust des Gleichgewichts wieder in Balance zu bringen“, erklärt Miriam Becker, Pflegedienstleiterin der Seniorenwohnanlage Am Holzbendenpark. Mit zunehmenden Alter steige auch das Verletzungsrisiko. „Ein Sturz kann das Aus für die Mobilität und für die Selbstständigkeit bedeuten“, weiß Miriam Becker.

„Ich fühle mich viel sicherer“

Damit es erst gar nicht zu einem Sturz kommt, hat die Seniorenwohnanlage in Kooperation mit der Ergotherapiepraxis von Esther Kreutzer ein Prophylaxe-Programm entwickelt. 26 der 54 Bewohner nehmen einmal in der Woche an einem besonderen Training teil. „Ziel ist es, die Muskeln aufzubauen, die Körperhaltung zu optimieren und die Gelenkigkeit zu verbessern“, umreißt Ergotherapeutin Rebekka Engelmeier das Konzept. 45 Minuten lang wird trainiert.

Manche Teilnehmer wie Trude Hermanns setzen das Training an weiteren Tagen prompt fort. „Ich fühle mich viel sicherer“, sagt die 90-Jährige, die sich nach einem Sturz den Knöchel gebrochen hatte und sich auch mit Hilfe des Trainings Schritt für Schritt wieder an ihre alte Mobilität heranarbeitet. „Ich bin Optimistin und blicke nach vorne“, sagt sie.

Statistisch betrachtet ist die Sturzgefahr gerade in Seniorenwohnheimen hoch. „Etwa ein Drittel der über 65-Jährigen stürzt mindestens einmal pro Jahr. In Risikogruppen wie den Bewohnern von Alten- und Pflegeheimen liegt die jährliche Sturzrate sogar bei mehr als 50 Prozent“, heißt es in einer Krankenkassen-Untersuchung, die sich mit dem Thema Sturzprophylaxe beschäftigt.

„Wir beschäftigen uns prinzipiell von morgens bis abends mit dem Thema“, sagt Pflegedienstleiterin Miriam Becker – von der Auswahl des Schuhwerks bis zur Handhabung des Rollators. „Doch dieser ergotherapeutische Ansatz geht weit darüber hinaus“, erklärt sie. Ein Muskelaufbautraining sei zudem nur dann sinnvoll, wenn es von Fachkräften angeleitet wird. „Dieser Aspekt ist nicht Teil unserer Ausbildung“, sagt die Pflegedienstleiterin. Daher rühre die Zusammenarbeit mit der Ergotherapiepraxis.

„Wir wollen den Menschen auch wieder mehr Selbstbewusstsein geben“, spricht Ergotherapeutin Esther Kreutzer einen weiteren Aspekt des Programms an. Ein Sturz könne oftmals auch soziale Isolation bedeuten, wenn sich Menschen aus Angst, erneut zu stürzen, erst gar nicht mehr auf den Weg zu einer Veranstaltung, zu einem Spaziergang oder zu einem Treffen begeben und sich einigeln. „Das gemeinsame Üben in der Gruppe wirkt motivierend und nimmt Ängste“, hat Therapeutin Rebekka Engelmeier beobachtet. Physisch wie psychisch könne die Lebensqualität verbessert werden.

Doch auch mit Blick auf die Kosten sei eine Prophylaxe sinnvoll, betont Miriam Becker. Gesundheitsökonomen hätten prognostiziert, dass angesichts einer zunehmenden Zahl der Hochbetagten die Kosten allein für Hüftfrakturen bis 2050 auf sieben Milliarden Euro ansteigen. Während solche Präventionsangebote in anderen Ländern längst eine Pflichtaufgabe seien, werde die Übung bei uns von den Kostenträgern oft noch als Kür betrachtet.

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