Düren - „Stunksitzung”: Bissig, spöttisch und messerscharf

„Stunksitzung”: Bissig, spöttisch und messerscharf

Von: Stephan Vallata
Letzte Aktualisierung:
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Lässt sich nicht nass machen: Das Ensemble der Stunksitzung tritt am Montag im Haus der Stadt auf. Foto: Ansgar van Treek

Düren. Karneval kann auch anders sein. Bissig, spöttisch, messerscharf, vielleicht sogar mal ein bisschen gemein gegenüber denen „da oben”. Warum auch nicht? Wie gelebtes Brauchtum fernab bierseliger Gemütlichkeit, reflexartiger Schunkelei und schaler Humorersatzstoffe funktioniert, demonstriert die Stunksitzung im Kölner E-Werk jedes Jahr aufs Neue. Es darf gelacht werden. Und meistens gibt es allen Grund dazu. Gott sei Dank.

Die „Unplugged”-Version der kabarettistischen Nummernrevue ist am Montag um 20 Uhr zu Gast im Haus der Stadt - auf Einladung des Komm-Kulturzentrums. Karten sind an den Abendkasse erhältlich.

Zu sehen ist das Beste aus 26 Jahren Stunksitzung mit ehemaligen sowie aktiven Ensemblemitgliedern. Mit dabei sind Martina Klinke, Angelika Pohlert, Ruth Schiffer, Didi Jünemann, Tom Simon, Bruno Schmitz, Uzan Hakan, Christian Rzepka und Rainer Riebsamen. Musikalisch geben Purple Schulz und Josef Piek den Ton an.

Wider den „Wellness-Wahn”

Mit dem alternativen Karnevalssitzung bewegen sich die die professionellen Spaßmacher bewusst außerhalb des Festkomitees. „Das war früher ganz fürchterlich und ist mittlerweile nicht viel besser”, weiß Stunk-Urgestein Didi Jünemann aus leidiger Erfahrung. „Angst vor heißen Eisen gibt es keine”, lenkt der Kabarettist die Aufmerksamkeit auf Themen mit einem durchaus pikanten Inhalt.

So wird zum Beispiel ein Sketch aufgeführt, der zwei Selbstmordattentäter in der Berliner Oper zeigt - bei der Aufführung des in die Kritik geratenen Inszenierung „Idomeneo”, weil darin Religionsstifter Mohammed enthauptet wurde. Auch mit den Missbrauchsfällen innerhalb der katholischen Kirche setzen sich die alternativen Karnevalisten auseinander. Die Nummer sei bereits einige Jahre alt und damals ihrer Zeit weit voraus gewesen, findet Jünemann und bekräftigt: „Man darf den Leuten schon mal auf die Hühneraugen treten.”

Jünemann selbst, seit 20 Jahren kongenialer Partner von Jürgen Becker bei der „Frühstückspause!” auf WDR 2, wird in seiner Rolle als Bademeister gegen den allerorten ausbrechenden „Wellness-Wahn” zu Felde ziehen. Ehemals Chef im Hallenbad („kalt, siffig, verchlort”), muss er sich neuerdings als „Creative Swim- and Bademaster” und „Personal Health Agent” verdingen. Und den ganzen lieben langen Tag dabei zugucken, „wie diese dämliche Spaßrutsche einen Kevin nach dem anderen ausspuckt”. Kein leichtes Los. Zumal ihm Reminiszenzen an die gute alte Zeit straucheln lassen: „Früher ging es nicht darum, etwas zu erleben, sondern das Schwimmen zu überleben.” Den Grund für die hohe Empfindlichkeit vieler Zeitgenossen im Zeichen der Krise hat Jünemann bereits verortet: „Da flennen doch alle gleich. Und warum? Weil wir alle nur noch im warmen Wasser baden.”
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