Studie: Jeder vierte Beschäftigte arbeitet in einer Risikobranche

Von: Jörg Abels
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Arbeitsagenturchef Harald Küst hat analysiert: 26 Prozent aller beschäftigten im Kreis arbeiten in kriselnden Risikobranchen. Foto: Abels

Kreis Düren. Auf den ersten Blick scheint der Kreis Düren mit einem blauen Auge durch die Wirtschaftskrise zu schliddern.

Zwar stieg die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Jahresdurchschnitt 2008 (10239 Arbeitslose) zuletzt im August auf 11176 an, doch stagniert die Arbeitslosenquote seit April bei 8,5 Prozent. Aber der schöne Schein trügt.

Der Jobabbau in der Industrie und in anderen Branchen konnte nur durch den den Einsatz arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen gedämpft werden. Das ist das Ergebnis einer umfangreichen Studie der Arbeitsagentur Düren zur aktuellen Beschäftigungssituation. „Die Entlastung durch die Instrumente Kurzarbeit und Qualifizierung beläuft sich allein im Kreis Düren auf rund 2500 Personen”, erklärt Harald Küst, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit in Düren.

Ob dieser Effekt von Dauer ist, muss zumindest bezweifelt werden. Küst kündigt an, die Zahl der arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen (Weiterbildung etc.) ab Januar schon allein aus Budgetgründen reduzieren zu müssen - nicht drastisch, aber bis zu einem Drittel. Ein Rotstift, der bundesweit in allen Arbeitsagenturen angesetzt werden muss.

Gleichzeitig geht der Dürener Agenturchef davon aus, dass allein durch den Strukturwandel im kommenden Jahr rund 1500 der kreisweit insgesamt 74.000 sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze verloren gehen. Und dazu kommen noch die Auswirkungen der Krise, sollte der Aufschwung trotz der ersten verhaltenen Anzeichen ausbleiben oder sich verspäten.

Die Risikoanalyse der Arbeitsagentur hat ergeben, dass mehr als 26 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Kreis Düren in Branchen arbeiten, die besonders massiv von der Krise betroffen sind.

In der höchsten Job-Risiko-Klasse befinden sich neben den früheren Beschäftigungsmotoren Automobilzulieferer, Maschinenbau sowie Chemie-, Papier und Zeitarbeit auch Kfz-Handel sowie die Logistikbranche. Über 14.000 Menschen arbeiteten vor der Krise in diesen Wirtschaftszweigen und allein die Zeitarbeitsbranche hat bereits fast 1000 Beschäftigte verloren, unterstreicht Küst.

Mehr als 2200 hängen zudem am seidenen Faden der Kurzarbeit. Allerdings - und auch das hat die Studie ergeben - bewegt sich der Kreis Düren in punkto Krisenrisiko im Landes- und Bundesdurchschnitt.

Ein Lichtstreif: Der Kreis Düren punktet auch mit Beschäftigungsmotoren, die überdurchschnittliche Beschäftigungschancen bieten. Küst verweist auf das Gesundheitswesen, den Bereich sozialer Dienstleistungen, auf Forschung und Entwicklung. Große Chancen sieht er vor allem durch den sich stetig weiterentwickelnden Forschungsstandort Jülich. Politik und Wirtschaftsförderung seien gleichermaßen gefordert, diese Potenziale auszuschöpfen.

„Auch die Gesundheitswirtschaft profitiert eher von der Krise”, verweist Küst darauf, dass der Kreis in diesem Bereich mit 5200 Arbeitnehmern und einem Anteil von acht Prozent an allen Beschäftigten NRW-weit gut aufgestellt ist.

Und auch bei den sozialen Dienstleistungen verzeichnet die Agentur-Studie Zuwächse. Hier erwarten die Arbeitgeber in den nächsten drei Jahren einen weiter steigenden Bedarf, mehr als die Hälfte befürchtet personelle Engpässe.
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