Stromautobahn soll nahe Oberzier starten

Von: Jörg Abels
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Unmittelbar am Umspannwerk Obe
Unmittelbar am Umspannwerk Oberzier will Netzbetreiber Amprion eine Konverteranlage bauen, die Gleichstrom in ein unterirdisches Kabel in Richtung Belgien einspeisen soll. Foto: ja

Oberzier. „Strom kommt aus der Steckdose” heißt oft recht lapidar. In Wahrheit zieht sich ein dichtes Höchstspannungsnetz quer durch Europa, um die Versorgungssicherheit der Bevölkerung zu jeder Zeit sicherstellen zu können.

Nur zwischen Deutschland und Belgien gibt es noch keine direkte Stromverbindung. Das will die aus der RWE Transportnetz Strom GmbH hervorgegangene Firma Amprion ändern.

Mit dem belgischen Netzbetreiber Elia will Amprion eine rund 100 Kilometer lange unterirdische Stromautobahn bauen, die auf deutscher Seite ihren Ausgangspunkt in Oberzier haben soll. „Der Standort ist einer von mehreren, die zurzeit untersucht werden”, erklärt Amprion-Sprecher Dr. Andreas Preuß. Und er ist aktuell der Favorit. Das dort vorhandene und von Amprion betriebene 380.000-Volt-Umspannwerk biete optimale technische Voraussetzungen, betont Preuß.

Ein weiterer Vorteil des Standorts sei die Lage, abseits der Bebauung. Denn um die sogenannte Hochspannungsgleichstrom-Übertragungsverbindung mit einer Kapazität von 1000 Megawatt anschließen zu können, muss eine Konverteranlage errichtet werden, in etwa so groß wie das bereits bestehende Umspannwerk. Preuß spricht von einem benötigten Areal von rund 25.000 Quadratmetern.

Das Gros der Anlage, insbesondere der Teil mit den empfindlichen Konvertern, die Wechsel- in Gleichstrom umwandeln, wird aus Lärmschutzgründen komplett eingehaust. Vorgesehen ist eine Halle mit einer Grundfläche von 6000 Quadratmetern, die maximal 20 Meter hoch sein wird, erklärt Preuß. „Der Außenstehende wird danach nur noch ein Summen wahrnehmen wie bei der Umspannanlage”, versichert Preuß. Das von der EU-Kommission geförderte Gesamtprojekt verschlingt mehrere hundert Millionen Euro, allein der Bau der Konverterstation in Oberzier wird auf rund 200 Millionen Euro taxiert.

Von dort aus würde Amprion das Erdkabel entlang von Wirtschaftswegen und Gemeindestraßen Richtung Huchem-Stammeln und dann entlang der A4 nach Lichtenbusch verlegen. Neue Freileitungsmasten, von denen es zwischen Niederzier-Berg und der A4 schon genügend gibt, sind nicht geplant.

Niederziers Bürgermeister Hermann Heuser steht dem Projekt nach einer ersten Vorstellung durch Amprion-Mitarbeiter im Rathaus offen gegenüber. „Es ist ein Teil der Energiewende, die von uns allen gefordert wird”, betont Heuser. Die gegenüber dem Umspannwerk im abschüssigen Hang Richtung Rur geplante Halle wäre kaum zu sehen, erklärt Heuser. Gleichzeitig müsse aber sichergestellt sein, dass die Bevölkerung nicht zusätzlich belastet wird. Und Heuser fordert vom Netzbetreiber - sollte das Projekt in der Gemeinde realisiert werden - auch Ausgleichsmaßnhamen. Viele Details müssten noch geklärt werden.

Mit Blick auf den auch im Nachbarland diskutierten Atomausstieg will Amprion das Höchstspannungskabel ab 2017 in Betrieb nehmen, um mit dem in Deutschland bereits reichlich vorhandenenen Strom aus Wind und Sonnenkraft auch nach Belgien liefern zu können.

Vorstellung der Pläneim Bauausschuss

Vertreter der Firma Amprion werden die Pläne für die „Stromautobahn” Richtung Belgien und die Konverteranlage am Umspannwerk Oberzier am Dienstag, 13. November, im Bauauschuss der Gemeinde Niederzier vorstellen.

Die öffentliche Sitzung in der Rentei beginnt um 18 Uhr.

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