Düren - Stromausfall inklusive: Dürener Schiedsrichter arbeitet in Wladiwostok

Stromausfall inklusive: Dürener Schiedsrichter arbeitet in Wladiwostok

Von: Carsten Rose
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Das Foto zeigt eine Szene aus dem Badminton-Viertelfinale bei Olympia 2016 in Rio. Foto: imago/Xinhua
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Olympia – bei dem Wort beginnt Michael Pütz an zu träumen. Der Dürener würde bei dem größten Sportereignis der Welt gerne mal „schiedsen“, also als Schiedsrichter arbeiten. Foto: Dejan Jures

Düren. Gedanklich ist Michael Pütz schon beim Feierabendbier, das Spiel so gut wie entschieden. Doch dann: Stromausfall. Die Lampen in der Sporthalle aus Sowjetzeiten brauchen gut eine Viertelstunde, um wieder ordentlich zu leuchten.

Eigentlich sollte das bei einem Badminton-Turnier dieser Kategorie nie passieren, erzählt der 30-Jährige im Nachhinein. Aber so ist das eben am Rande der Welt – in Wladiwostok, dem russischen Tor zu Asien.

Dort ist der Dürener Schiedsrichter eine Woche im Einsatz gewesen, bei einem Wettbewerb der dritten von fünf Kategorien, bei dem an die 80 Spieler und Spielerinnen um 65.000 Dollar Preisgeld gekämpft haben. Pütz bekam zwar ein Vier-Sterne-Hotel gestellt und eine Feier mit Spielern und Funktionären („Nicht üblich“).

Aber von einer üppigen Bezahlung für 26 Einsätze bei dem Profi-Turnier kann Pütz als einer der wenigen Ehrenamtler nur träumen. Ebenso von Olympia, dem Kategorie-Eins-Turnier schlechthin. Wenn – und man muss dieses Wort wirklich betonen –, ja wenn alles rund läuft, dann könnte es 2024 vielleicht sogar soweit sein, sagt er. Ein Traum eben.

Der Einsatz in Wladiwostok rund 8300 Kilometer östlich von seiner Heimatstadt Düren war für den in Köln tätigen Zollbeamten zumindest ein Tippelschritt auf dem Weg dorthin; mit 30 sei er im besten Schiri-Alter, mit 55 wäre auf höchster Ebene Schluss. „Von den Referenzen her konnte der Grand Prix in Russland nicht besser laufen“, erzählt Pütz.

Zwei Endspieleinsätze

Denn: Der Dürener war bei zwei Finals im Einsatz. Einmal als leitender Schiedsrichter im Herrendoppel und einmal als Aufschlagrichter beim Frauen-Einzel. „In zwei Endspielen eingesetzt zu werden, ist nicht üblich bei dieser Turnierkategorie“, erklärt Pütz. Ihm kam zugute, dass das Turnier nicht nur von der Spieler-, sondern auch von der Schiedsrichteranzahl dünn besetzt war (die Visa-Angelegenheiten sind nicht einfach, zudem liefen parallel und kurz zuvor wichtige Turniere in Nordamerika).

Da Pütz abgesehen von einem Finnen – ein Freund von ihm – der einzige europäische Unparteiische war, er anscheinend auch einen guten Eindruck hinterlassen hatte (und im Gegensatz zu manchem russischen Schiri Englisch konnte!), und ein heimisches Doppel auf dem Feld stand, galt er fürs Finale quasi als gesetzt. Und Endspiele machen sich gut in den Referenzen.

Nicht nur für die Vita, auch für den Badminton-Fan sei ein Herren-Doppel-Finale das Beste eines Turniers, meint Pütz. „Die Männer spielen schneller als die Frauen. Dort werden viele lange Bälle gespielt, bis quasi ein Team irgendwann müde ist.“

Schiedsrichter beim Badminton brauchen ein gutes Auge, logisch. Damit ist aber nicht mal gemeint, dass er wie ein Adler darauf achten muss, ob der Ball im Aus gelandet ist, dafür hat er viele Assistenten. Pütz muss bei größeren Turnieren auch auf das Verhalten der Spieler achten und im Zweifelsfall auch mal eine Rote Karte zeigen (bedeutet einen Punkt für den Gegner).

„Je professioneller die Turniere werden, desto mehr Tricks kennen die Spieler. Zum Beispiel zerstören manche absichtlich die Bälle, wenn er ihnen zu langsam ist, und sie wollen, dass ich ihn auswechsele“, erzählt er, denn die Regel ist, dass sowohl Gegenspieler und Schiedsrichter einen Ball inspizieren, wenn ein Akteur diesen beanstandet. Abgesehen davon sei Badminton ein fairer Sport, es werde nicht viel lamentiert, sagt Pütz – dazu fehlt zum Beispiel der Körperkontakt.

Die nächsten Einsätze führen ihn im Oktober nach Saarbrücken und nahe Amsterdam, zwei Turniere, die ein Muss für jede Schiri-Vita seien. Ab September „schiedst“ der Sohn von Rolf Pütz, Macher und Vorsitzender des 1. BC Düren, wieder in Deutschlands höchster Liga. Endlich, sagt der Spieler des Dürener Bezirksligisten. Denn lange durfte er nicht, weil der BC ja selbst noch dort spielte.

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