Strom, Sicherheit, Logistik: Leser blicken hinter Kulissen der Annakirmes

Von: Jörg Abels
Letzte Aktualisierung:
15079573.jpg
Dürens Schaustellerchef Bert Cremer hatte wieder einen informativen Blick hinter die Kulissen der Annakirmes organisiert. Für die Leser ging es unter den „Breakdance“, in die Stromzentrale und die „Führungsstelle“ . Achterbahnbetreiber Lutz Vorlop und Gastronom Bruno Dreßen standen Rede und Antwort. Und die Zuckerwatte musste sich selbst erdreht werden. Foto: Jörg Abels
15079577.jpg
Dürens Schaustellerchef Bert Cremer hatte wieder einen informativen Blick hinter die Kulissen der Annakirmes organisiert. Für die Leser ging es unter den „Breakdance“, in die Stromzentrale und die „Führungsstelle“ . Achterbahnbetreiber Lutz Vorlop und Gastronom Bruno Dreßen standen Rede und Antwort. Und die Zuckerwatte musste sich selbst erdreht werden. Foto: Jörg Abels
15079545.jpg
Dürens Schaustellerchef Bert Cremer hatte wieder einen informativen Blick hinter die Kulissen der Annakirmes organisiert. Für die Leser ging es unter den „Breakdance“, in die Stromzentrale und die „Führungsstelle“ . Achterbahnbetreiber Lutz Vorlop und Gastronom Bruno Dreßen standen Rede und Antwort. Und die Zuckerwatte musste sich selbst erdreht werden. Foto: Jörg Abels
15079549.jpg
Dürens Schaustellerchef Bert Cremer hatte wieder einen informativen Blick hinter die Kulissen der Annakirmes organisiert. Für die Leser ging es unter den „Breakdance“, in die Stromzentrale und die „Führungsstelle“ . Achterbahnbetreiber Lutz Vorlop und Gastronom Bruno Dreßen standen Rede und Antwort. Und die Zuckerwatte musste sich selbst erdreht werden. Foto: Jörg Abels
15079565.jpg
Dürens Schaustellerchef Bert Cremer hatte wieder einen informativen Blick hinter die Kulissen der Annakirmes organisiert. Für die Leser ging es unter den „Breakdance“, in die Stromzentrale und die „Führungsstelle“ . Achterbahnbetreiber Lutz Vorlop und Gastronom Bruno Dreßen standen Rede und Antwort. Und die Zuckerwatte musste sich selbst erdreht werden. Foto: Jörg Abels

Düren. Versteckt hinter dem Festzelt, auf dem Gelände der Landwirtschaftsschule, liegt die „Afüst“, die sogenannte Abschnittsführungsstelle. Michael Maas vom DRK gewährt den Teilnehmern der DZ-Sommertour an diesem Vormittag einen der seltenen Einblicke in die Schaltzentrale der Annakirmes, wo alle Rettungseinsätze auf dem Platz koordiniert werden.

In der „Afüst“ treffen sich täglich Vertreter von Stadt, Polizei, Feuerwehr, DRK, THW und Sicherheitsdienst und besprechen die Lage und die vergangenen 24 Stunden. „Auch wenn der Deutsche Wetterdienst zum Beispiel eine Unwetterwarnung herausgibt, wird in der ,Afüst‘ entschieden, ob der Platz eventuell geräumt werden muss“, erklärt Dürens Schaustellerchef Bert Cremer. An diesem Tag ist alles ruhig. Weniger Meter entfernt in der Stromschaltzentrale der Kirmes verfolgt Netzmeister Oliver Perz von der Stadtwerke-Tochter Leitungspartner ähnlich entspannt das Geschehen.

Die von ihm und seinem Team im Vorfeld geplante Stromversorgung der mehr als 150 Schausteller funktioniert reibungslos. „Die Annakirmes“, erklärt Perz, „verbraucht an neun Tagen etwa so viel Strom wie 80 Drei-Personen-Haushalte im ganzen Jahr“. Größte Verbraucher sind traditionell die rasanten Rundfahrgeschäfte. Die Leistung, die wir hier zur Verfügung stellen, würde ausreichen, um 26.000 LED-Fernseher oder 2600 Staubsauger gleichzeitig zu betreiben“, verdeutlicht er anschaulich.

An diesem Vormittag stehen aber nicht nur Sicherheit und Strom im Mittelpunkt. Die Leser erleben die Annakirmes von oben aus dem Riesenrad, klettern unter den „Breakdance“, wo Chefin Claudia Dreher-Vespermann die Technik des rasanten Rundfahrgeschäftes erklärt, und erfahren ganz nebenbei von Bert Cremer und seinen Kollegen immer wieder interessante Details zum größten Volksfest an der Rur.

Achterbahn-Betreiber Lutz Vorlop zum Beispiel erklärt, dass sein „Rock & Roller Coaster“ aus über 300 Tonnen Stahl besteht, acht Chaisen auf Deutschlands größter mobilen Achterbahn mit Einzelwagen gleichzeitig unterwegs sein können und im Notfall von zehn Bremsen gestoppt werden. Damit es soweit erst gar nicht kommt, lässt Vorlop die komplette Bahn, jeden Bolzen, jeden Splint, jedes Fahrzeug, täglich vor Öffnung der Kasse inspizieren.

„Erst nach einer Probefahrt dürfen die Besucher einsteigen. Höre ich ein falsches Geräusch wird sofort gehandelt.“ Auf Vorlop und sein Team wartet im Übrigen mit Ende der Annakirmes ein logistischer Kraftakt. Binnen vier Tagen muss er das Geschäft ab- und im 600 Kilometer entfernten Straubing wieder aufgebaut haben.

Ähnlich große Distanzen legt „Polyp“-Betreiber Enrico Friedrich zurück. „Wir kamen aus Ulm und fahren weiter nach Kamenz bei Dresden“. Das macht mal eben über 1100 Kilometer mit drei Transportern. Trotzdem lohnt sich der Abstecher nach Düren für ihn, was für die Qualität der Annakirmes spricht.

Thorsten Kaiser erklärt den Lesern am Autoscooter seines Chefs Hans-Otto Grass, dass die Geschwindigkeit über die Spannung geregelt wird und der Verschleiß an den Wagen während der neuntägigen Veranstaltung immens sei, Toni Schleifer wartet an seiner nostalgischen „Fahrt ins Paradies“ aus dem Jahr 1939 mit der Information auf, dass er derzeit versucht, die nahezu originalgetreu erhaltene Kirmesrarität unter Denkmalschutz stellen zu lassen.

Bei seinem Nachbarn Bruno Dreßen stehen Bier, Wurst & Co. im Mittelpunkt. Er erklärt, dass er seine Bestellungen nachts bis 4 Uhr an seinen Duisburger Metzger schicken muss, um jeden Tag pünktlich bis 10 Uhr frische Ware zu erhalten. Danach dürfen Lieferanten den Platz nicht mehr befahren, ab 11 Uhr strömen schließlich die ersten Besucher.

Dreßen weist in puncto Bierpreis auch auf einen Aspekt hin, der neben dem Standgeld und den Lohnkosten seines 40-köpfigen Teams oft vergessen wird: Der Glasschwund. Während der Annakirmes gehen allein in seinem Bierdorf bis zu 3000 Pilstulpen zu Bruch oder verschwinden. Stückpreis: 1,80 Euro. Aber auf billigere Gläser zu setzen, kommt für ihn nicht infrage.

Vier Stunden hinter den Kulissen der Annakirmes vergehen wie im Fluge, zumal die Teilnehmer wie bei Mandelbrenner Dieter Adam nicht nur probieren, sondern auch selbst Hand anlegen dürfen – beim Drehen eines Crèpes zum Beispiel und am schnellsten Geschäft der Kirmes, der Zuckerwattemaschine mit 2000 Umdrehungen pro Minute. Zum Vergleich: Die „Fahrt ins Paradies“ ist auf neun Umdrehungen gedrosselt, könnte, auch elf schaffen, erklärt Toni Schleifer. Natürlich darf auch das eine oder andere Fahrgeschäft getestet werden.

Und ach ja: In der Revue der Illusionen muss selbst unser Leser Addy Clemens beim Anblick der schwebenden „Madam Magneta“ passen. „Ich war zwar Physiklehrer, aber dafür habe auch ich keine Erklärung.“ Der Schwebetrick aber bleibt an diesem Vormittag das einzige kleine Geheimnis, das nicht gelüftet wird.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert