Streit um Erdbeerhof Levenig geht in die nächste Runde

Von: Franz Sistemich
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Blick zwischen Blüten auf ein
Blick zwischen Blüten auf eine Unterkunft für Erntehelfer: Bewohner von Pingsheim sind über den Obsthof Levenig übnerhaupt nicht glücklich und sehen als Lösung nur eine Auslagerung. Foto: Sistemich

Pingsheim. 1977 sei eine Aussiedlung möglich gewesen, sagt Bernhard Levenig. Aber jetzt nicht mehr: „Ich habe in den vergangenen 20 Jahren vier Millionen Euro investiert”, fährt der Erdbeerbauer aus Pingsheim fort. Praktisch mitten im kleinen Nörvenicher Ortsteil liegt sein Betrieb.

So mancher Bewohner des Dorfes würde das Gehöft aber viel lieber vor den Toren des Dorfes liegen sehen. Zu ihnen gehört Rita Jülich: „Der Hof hat eine Größe erreicht, dass er aus dem Ort ausgelagert werden muss”, ist ihre feste Überzeugung. Sie hat vor kurzem 89 Unterschriften in ihrem Wohnort gesammelt und sie mit einem offenen Brief an den Kreis Düren geschickt.

Auslöser waren drei Bauanträge Levenigs: Sechs Wohncontainer und eine WC-Containeranlage sowie einen Quarantänestation-Container will er auf seinem großen Grundstück zwischen Klompstraße und Feld zur Dauernutzung aufstellen. Ferner 41 Wohn- und fünf Sozialcontainer sowie 20 Pkw-Stellplätze für die Zeit der Erdbeersaison. Und schließlich will er die Genehmigung für sechs Gewächshäuser für die Pflanzenaufsicht. Nörvenichs Hauptausschuss stimmte den Anträgen zu. Der Kreis Düren hat auch keine Bedenken, schließlich ist der Obsthof ein privilegierter Betrieb.

Die nächste Erdbeerzeit naht. Und damit findet der Streit zwischen dem Obstbauern und Bürgern von Pingsheim seine Fortsetzung. Die Kritiker ärgern sich über den Lärm, der von Sprintern oder großen Lastwagen, aber auch den Erntehelfern Levenigs ausgeht. „Das ist schon eine Zumutung”, befindet sie, die in Hör- und Sichtweite des Obsthofes wohnt. Das Grundstück ihres Sohnes auf der anderen Straßenseite grenz direkt an einem Gebäude des Obsthofes, in der auch Personen untergebracht sind, die vor allem in der Erdbeerernte eingesetzt sind. Mehrere hundert Polen, Rumänen und Bulgaren beschäftigt Bernhard Levenig in der Saison.

„Um vier Uhr morgens geht es los. 500 Menschen radeln dann laut palavernd durch den Ort zu den Erdbeerfeldern”, schildert Rita Jülich. Weil die Erdbeeren zu den Geschäften gebracht werden müssen, fahren frühmorgens vornehmlich Kleinlaster den Erdbeerhof an. Sie müssen beladen werden. Täglich. Abends müssen die Anwohner mit Lärm leben, wenn sich die Erntehelfer nach getaner Arbeit unterhalten und grillen, wie Rita Jülich sagt, die sich auch darüber beklagt, dass Autos der Erntehelfer oft stundenlang an einer Bushaltestelle geparkt würden. So gibt es im Endeffekt für sie und andere Pingsheimer nur eine Lösung: Auslagern.

„Es ist eine verfahrene Situation”, meint Bernhard Levenig. Ende der 70er Jahre, als er seinen Mastbetrieb („Wir hatten unter anderem 1000 Schweine.”) abschaffte, sich (vornehmlich) auf Erdbeeren umstellte, ahnte keiner , dass der Obsthof eines Tages an Abnehmer in ganz Europa liefern werde. Zu Kompromissen sei er bereit, sagt Levenig. So würden seine Erntehelfer nachts über eine rückwärtige Tür das Gelände verlassen.

„Wir können uns aber nicht in Luft auslösen.” 1977 sei die Auslagerung an der Gemeinde gescheitert. „Jetzt haben wir so viel investiert, dass es nicht mehr geht.” Und so ist die nächste Runde des Streits eingeläutet.
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