Streit friedlich lösen: Training an der Grundschule St. Bonifatius

Von: Sarah Maria Berners
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„Halt, ich will nicht, dass Du mich schubst“: Die „Stopp-Regel“ ist eine von 20 Strategien, mit denen Kinder Konflikte bewältigen sollen. Sibylle Wanders bringt sie den Grundschülern bei. Foto: smb

Düren. Schubsen, Zwicken, leichtes Boxen, vielleicht ein Schimpfwort rufen. Solche Dinge passieren. Auch an Grundschulen. Nicht jeder Konflikt ist automatisch eine Katastrophe. Aber Konflikte können sich weiterentwickeln. Hin zu Mobbing, Ausgrenzung und körperlicher Schikane. Damit schon Kinder lernen, Konflikte zu lösen und mit ihnen umzugehen, gibt es das Projekt „Gewaltfrei Lernen“.

Damit soll das soziale Klima an Schulen und in Kitas verbessert werden. „Und das ist eine wichtige Voraussetzung für erfolgreiche Bildung“, erklärt Sibylle Wanders. Die Diplom-Sportpädagogin hat mit dem Programm nun Station an der Grundschule St. Bonifatius gemacht, auch die Grüngürtelschule hat sie bereits besucht.

Mit den Kindern aus der ersten Klasse steht Sibylle Wanders in der kleinen Turnhalle, um die „Stopp-Regel“ zu üben. Das Konflikt-Training ist kein theoretischer Unterricht. Es sind Übungen, bei denen sich die Kinder bewegen und auch mal laut sein dürfen. „Mit Bewegungsspielen lernen Kinder auch besser Mathe und Deutsch. Bewegung ist gut für die Konzentrationsfähigkeit.“

Mit festem Stand stehen die Kinder auf dem Boden. Energisch strecken sie die „Stopp-Hand“ nach vorne und rufen. „Nein, Sibylle. Schubs mich nicht!“ Und sie lernen, dass sie den „Bohrerblick“ anwenden sollen, wenn jemand sie zankt. „Es ist wichtig, dass Kinder selbstbewusst auftreten“, erklärt die Pädagogin. Statt auf eine Beleidigung mit geballten Fäusten zu reagieren, sollten sie dem Gegenüber lieber gelassen die kalte Schulter zeigen. „Elefantenhaut“ nennen das die Kinder.

Und natürlich ist auch das „Petzen“ ein Thema in der Konfliktschulung. „An dieser Schule sollen die Kinder bei kleinem Ärger wie einem Schubsen oder Zwicken zunächst versuchen, die Situation selbst zu lösen“, beschreibt Sibylle Wanders. Dazu sollen sie zweimal die Stopp-Regel anwenden. Wenn der Konflikt dann nicht gelöst ist, sollen sie verdeutlichen, dass sie nun zu einer Aufsichtsperson gehen.

„Petze, Petze, Du bist eine Petze“, ist ein Ausruf, der dann fast immer fällt. „Wenn jemand das zu Euch sagt, dann könnt ihr ruhig sagen: Du hast ja nur Angst, dass du jetzt Ärger bekommst.“ Bei größeren Konflikten, zum Beispiel wenn ein Kind geschlagen wird, soll aber sofort Hilfe geholt werden.

Konflikte nehmen zu

„Ich bin seit vielen Jahren Lehrer und stelle fest, dass die Konflikte an Schulen insgesamt zunehmen“, sagt Schulleiter Jan Dirk Schimmel. Daher sei es wichtig, dass die Kinder ein Rüstzeug zur Konfliktbewältigung an die Hand bekommen (siehe „Zwei Fragen an“). Der Schuleiter ist überzeugt, dass diese Schulung auch nachhaltig wirkt und die Schüler das Gelernte auch anwenden können. Aber er weiß auch: „Natürlich werden sich damit nicht alle Konflikte von selbst lösen.“ Kontinuierliches Üben und Wiederholen im Unterricht seien wichtig.

Daher besteht das Programm in jeder Klasse aus drei Unterrichtstagen, die auf drei Wochen verteilt werden. Außerdem beinhaltet es eine Lehrerfortbildung und einen Elternabend. Unterstützt wurde das Projekt von der Sparda Bank und dem Lions-Club Düren Rurstadt.

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