Düren - Streichquartett „Quatuor Danel“ bei den Dürener Industriekonzerten

Streichquartett „Quatuor Danel“ bei den Dürener Industriekonzerten

Von: Anke Holgersson
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Das belgische Streichquartett „Quatuor Danel“ um Konzertmeister Marc Danel (links) spielt im Rahmen der Dürener Industriekonzerte im Haus der Stadt. Foto: Anke Holgersson

Düren. Die Stuhlreihen im Haus der Stadt waren am Montagabend gut gefüllt, als die in Fachkreisen hoch gelobten Musiker des belgischen Quartetts „Quatuor Danel“ im Rahmen der „Dürener Industriekonzerte“ ein spielerisch sehr anspruchsvolles Konzert mit Bravour und außerordentlicher Hingabe meisterten.

Sie begannen den Abend mit Joseph Haydns Streichquartett Nummer Fünf aus den „Sonnenquartetten“ des Opus 20 von 1772. Die Musikgeschichte erklärt den Beinamen so: Eine zeitgenössische Ausgabe der Noten zeigte eine aufgehende Sonne auf dem Titel.

Die Wahl dieses Bildes kann man so deuten, dass damit eine Art Aufbruch symbolisiert werden sollte, die die Streichquartette damals für die Musik- und Kulturgeschichte bedeuteten. Haydn nahm mit ihnen Anteil an den philosophischen und politischen Ideen seiner Zeit, den neuen Gedanken rund um die Bewegung der Aufklärung, die er in seinen Streichquartetten für die Musik umsetzte.

Aus der Zeit der Aufklärung

Vor Opus 20 von Haydn, der als „Vater des Streichquartetts“ gilt, gehörte die Hauptstimme der ersten Violine, die das Werk dominierte. Mit der Uraufführung des Opus 20 wurde aus dem Monolog ein Gespräch zwischen den Instrumenten. Haydn gab ihnen allen eine Stimme. Das Quartett Nummer 5 gilt als das emotionalste Stück der Werkgruppe. Die Auswahl passte zum Spiel von „Quatuor Danel“, deren Spezialität das gefühlsbetonte, einfühlsame Spiel ist.

Es folgte Dmitri Schostakowitschs Streichquartett Nummer acht. Schwer und düster kommt dieses Werk daher. Die Symphonie entstand 1960, der russische Komponist hatte zwei Weltkriege und die Willkür und Grausamkeit des stalinistischen Regimes erlebt, das seine Musik nicht mochte und ihm täglich mit Deportation und Tod drohte.

Die Dystopie, die der russische Komponist in Klänge goss, verstanden „Quatuor Danel“ meisterlich zu interpretieren und darzustellen. Die Seufzer in der Musik, aber auch die Inseln der Hoffnung spiegelten sich in der Mimik der Musiker wieder. Vor allem Marc Danel legte sich mit seinem ganzen Körper in die Musik, krümmte sich bei Passagen, die starkes Leid ausdrückten und richtete sich auf, wenn auch in der Musik ein Aufatmen zu hören war.

Schließlich interpretierten die vier Belgier Ludwig van Beethovens Streichquartett Opus 130 und 133 von 1826. Dieses Doppelpack kann eine ganz besondere musikgeschichtliche Bedeutung vorweisen. Das zeitgenössische Publikum Beethovens liebte das mal düster daherkommende, mal fröhliche Opus 130.

Nur der damals unverständlich wirkende letzte Satz stieß auf offene Ablehnung. Deshalb schrieb Beethoven für die Veröffentlichung ein neues, gefälligeres Ende, quasi ein „Happy End“ und veröffentlichte den Schluss separat als Nummer 133, die „große Fuge“. Letztere gilt als eine der spielerisch anspruchsvollsten Kammermusikstücke überhaupt.

Beethovens Zeitgenossen, den Musikern des Schuppanzigh-Quartetts, das sich als erstes daran versuchte, fiel die musikalische Umsetzung, die fast akrobatische Fingerfertigkeit verlangt, denkbar schwer. Worüber Beethoven, der den Kampf der Musiker sah, nach Berichten seines Freundes Karl Holz herzhaft gelacht haben soll.

Bedeutende Musiker

Das Ensemble „Quatuor Danel“ spielte das Stück mit scheinbarer Leichtigkeit. Kein Wunder also, es eines der Bedeutendsten in der internationalen Streichquartett-Szene ist. Die Musiker, die auch an der Universität Manchester lehren, haben schon wichtige Konzertsäle in Amsterdam, Paris, London, Wien, Tokio, Los Angeles und New York bespielt.

Nach ihrem Auftritt in Düren reisen sie weiter in die Niederlande, Belgien, Frankreich, England, Kanada und in die USA.

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