Vettweiß - Stolpersteine: Diskussionen in Vettweiß

Stolpersteine: Diskussionen in Vettweiß

Von: sj
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In Vettweiß wird darüber diskutiert, ob wie in Düren Stolpersteine zum Gedenken an jüdische Opfer der NS-Zeit verlegt werden sollen. Unser Bild zeigt Steine in der Dürener Gutenbergstraße. Foto: Ingo Latotzki

Vettweiß. Etwa 42.500 Stolpersteine hat der Künstler Gunter Demnig verlegt. Die von Hand gegossenen Betonsteine erinnern das Schicksal von Menschen, die während der NS-Zeit deportiert, vertrieben oder in den Selbstmord getrieben wurden. Sie markieren zugleich den letzten, freiwillig gewählten Wohnort.

Auf Messingplatten werden die Namen und Daten der Menschen eingeschlagen. Identität und Schicksal sind – soweit bekannt – ablesbar. Pläne, auch in Vettweiß Stolpersteine zu verlegen, sind nicht unumstritten. Die Initiativgruppe rund um den Vettweißer Jugendbeauftragten Harald Krug und den Vorsitzendende des Vereins „VettCult“, Bernd Blümmert, hatte deswegen zu einer Infoveranstaltung in die Bürgerbegegnungsstätte eingeladen.

Zum Hintergrund: Jugendliche und der Verein hatten vorgeschlagen, in Vettweiß, Kelz, Lüxheim, Gladbach und Müddersheim Stolpersteine zu verlegen, um damit dem Schicksal der jüdischen Mitbürger zu gedenken. Angedacht sind etwa 15 Steine, für die es auch Sponsoren gibt. Wie im Vorfeld der Beratungen im Schulausschuss wurden auch Freitag in einer kontroversen Diskussion Bedenken geäußert. Die Frage stand im Raum, ob es eine würdige Form des Gedenkens sei, mit den Füßen auf den Namen ermordeter Juden „herumzutreten“. Auch sei nicht geklärt, wie Angehörige dazu stehen – und Hausbesitzer.

„Um den Namen lesen zu können, muss man sich herunterbeugen. Für Demnig ist das eine Verbeugung“, erklärte Bernd Blümmert. In den Konzentrationslagern seien Menschen „nur Nummern“ gewesen. „Die Gedenksteine geben den Menschen ihre Identität zurück“, findet Blümmert. Ohne Erlaubnis der Hausbesitzer solle kein Stein verlegt werden.

Für Dr. Barbara Becker-Jákli vom NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln sind Stolpersteine das größte „dezentrale Denkmal“, das an das Schicksal der NS-Opfer erinnert. Zudem liegen die Steine dort, „wo man heute selber lebt“. Die Auseinandersetzung mit den Steinen sei so auch von einer persönlichen Betroffenheit geprägt. Anlässlich der Verlegung habe es ganze Familientreffen von Überlebenden gegeben, berichtete sie. Die Angehörigen reisten aus Amerika und Israel an. Davon berichtete auch Hubert Perschke. Der Großvater floh 1939 vor den Nazis, doch nicht alle Verwandten konnten entkommen.

Als in Köln Stolpersteine für getötete Familienmitglieder verlegt werden sollten, hatte Perschkes Familie keine Einwände. Über die Verlegung der Stolpersteine entstand der Kontakt zu seinen Cousinen in Israel. „Es war das erste Mal, das sie nach Deutschland gekommen sind“, berichtete er. Weitere Treffen folgten. „Die Stolpersteine werden weltweit wahrgenommen“, fügte Barbara Becker-Jákli hinzu. „Stolpersteine sind ein unschätzbares Instrument der Vermittlung“, findet Bernd Hahne, Vorsitzender der Dürener Geschichtswerkstatt. Er berichtete, welche Auswirkungen die Verlegung von 61 Steinen in der Kreisstadt hatte. Wer in Form von Schulprojekten und bei Führungen „mit dem Kopf und dem Herzen“ über einen Stein stolpere, erfahre, dass ein Stolperstein mehr ist als ein abstraktes Objekt. Er sei für viele Menschen der Einsteig in die Auseinandersetzung mit der Geschichte.“

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