Niederau - „Stirnwaffenträger“: Kuhfotografie mit Respekt und Neugierde

„Stirnwaffenträger“: Kuhfotografie mit Respekt und Neugierde

Von: Bruno Elberfeld
Letzte Aktualisierung:
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Ursula Böhmer fotografierte Kühe in ganz Europa. Foto: Böhmer/Repro: bel Foto: hmer/Repro: bel

Niederau. Fotografin Ursula Böhmer hat Kühe auf Papier gebannt. Andere Lebewesen kommen auf ihren Fotografien nicht vor. Mächtig, erhobenen Hauptes, stehen die – wie Laudator Professor Dr. Wolfgang Becker sie nannte – „Stirnwaffenträger“ ruhig da und lassen sich auf die Kommunikation mit der Fotografin ein. Die Ergebnisse dieser Kommunikation sind nun auf Schloss Burgau zu sehen.

Böhmer gewöhnt die Kuh an ihren Anblick, an ihr Dasein und nähert sich behutsam mit ihrer analogen 6x6 Kamera. Beide, Kuh und Mensch, sind neugierig aufeinander. Bis auf wenige Meter nähert die Fotografin sich den Tieren, bevor sie Fotos schießt. Meist frontal. Die Annäherung von der Seite ist schwieriger, dauert länger, weil die Kuh sehr sensibel reagiert und sich bei allzu hastigen Bewegungen davonmacht. Die von der Seite aufgenommenen Bilder zeigen Teile der Kuh, manche Rücken gleichen Faltengebirgen.

Faszinierende Friedfertigkeit

Die Kuhfotografie fing für Ursula Böhmer 1991 in Irland an. Die Begegnung mit einer Kuh – einem Wesen, das die Menschen oft nur als Stück Lende auf dem Teller interessiert – nahm sie gefangen. Mit Respekt und Neugierde hat sich Ursula Böhmer seitdem vielen Vierbeinern genähert, hat versucht, sie in ihrer Langsamkeit und ihrer Friedfertigkeit zu begreifen. Verstanden hat sie diese sprachlosen Wesen bisher nicht. Es ist auch noch unklar, ob Kühe eine Art Bewusstsein haben oder nur aus dem Augenblick heraus reagieren.

„Ich fühle mich gegenüber den Kühen ohne Schuld“, hat Böhmer einmal gesagt, „denn ich fotografiere nicht im Auftrag jener, deren Aufgabe es ist, ihre industrielle Nutzung zu begutachten.“

Doch nicht nur Kühe hat Böhmer aufgenommen, sondern auch deren Hauptnahrungsquelle, das Gras. Der Betrachter kann das Umfeld der Kühe aus unmittelbarer Nähe nachempfinden. Die verschlungenen Grashalme liegen kompakt geschichtet in verschiedenen Helligkeitsstufen, eine Performance, die von hoher künstlerischer Fähigkeit spricht.

Pit Goertz, künstlerischer Leiter von Schloss Burgau, bedankte sich bei allen Akteuren, die am Zustandekommen der Bilderschau beteiligt waren. Ein besonderer Dank galt dem Vorsitzenden des „Vereins der Freunde und Förderer von Burgau“, Willi Müller. Der Verein hat die Schau mit einer Spende unterstützt. Zu sehen sind die Fotos bis zum 1. Oktober mittwochs und samstags von 14 bis 18 Uhr, sonntags von11 bis 18 Uhr.

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