Stawag-Desaster: Fast neues Pelletwerk wird nach Bayern verkauft

Von: Stephan Mohne
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Vossenack/Aachen. Diese Geschichte dürfte eines der größten Desaster in der Geschichte der Stawag sein. Jetzt ziehen die Stadtwerke Aachen einen Schlussstrich unter das, was sie einst als einen wichtigen Teil ihrer Zukunftsstrategie beworben hatten.

Das nicht einmal drei Jahre alte Holzpelletwerk in Vossenack ist verkauft worden. Käufer ist „Demmel Bioenergie” aus Ingolstadt in Bayern.

Diesen Verkauf kann man aus Stawag-Sicht unter den Titel „lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende” setzen. Denn nach DZ-Informationen macht sie damit einen riesigen Verlust. Rund 17 Millionen Euro hatte der Bau in der Voreifel gekostet, jetzt bekommt die Stawag gerade einmal eine Summe, die zwischen einer und zwei Millionen Euro liegen soll.

Gute Nachricht: Die Mitarbeiter des Werks sollen vom neuen Besitzer übernommen werden. Sollte dieser die Anlage in die Gewinnzone führen, erhält die Stawag dem Vernehmen nach eine gewisse Umsatzbeteiligung. Stawag-Sprecherin Eva Wußing wollte die Zahlen nicht bestätigen, man habe Stillschweigen über den Preis vereinbart.

Insidern zufolge ist man bei der Stawag jedenfalls heilfroh, die Anlage überhaupt los zu sein. Statt Gewinnen schrieb das Holzpelletwerk massive Verluste von mehreren hunderttausend Euro pro Jahr - eine Geldverbrennungsmaschine. Mit dem Verkauf will die Stawag jetzt aus der Verlustspirale herauskommen, die derlei neue Projekte in Bewegung gesetzt hatten - neben dem Pelletwerk entwickelte sich zunächst auch eine neue Biogasanlage zum Millionengrab.

Dubioses Grundstücksgeschäft

In Sachen Pellets verweist Eva Wußing auf den Markt: „Der Preis für Pellets ist eingebrochen, da konnten wir nicht gegensteuern.” Insgesamt habe die Stawag mit neuen Projekten noch ein Plus gemacht - insbesondere wegen guter Erträge aus der Beteiligung an einem Gaskraftwerk in Hamm.

Die Schatten, die über dem Bau des Pelletwerks lagen, wird die Stawag aber nicht so schnell los. Weiterhin ist die Staatsanwaltschaft in der Sache aktiv, wie deren Sprecher Robert Deller am Donnerstag bestätigte. Die Ermittlungen waren nach Enthüllungen unserer Zeitung eingeleitet worden. Die Stawag hatte für das Grundstück fast drei Millionen Euro an den Verkäufer bezahlt, der dann auch noch - bis man ihn wieder feuerte - zum Generalvermarkter der Pellets wurde. Kurz zuvor war die Fläche noch für wenige hunderttausend Euro zwangsversteigert worden.

Damit nicht genug: Bald stellte sich heraus, dass die Anlage auch technisch nicht das Gelbe vom Ei war. Die Pellets entsprachen nicht der am Markt gängigen Norm. Das räumte die Stawag auf Anfrage ein. Oberstaatsanwalt Deller sagte gegenüber unserer Zeitung: „Es ist nach unseren Ermittlungen richtig, dass die Anlage weder bei Qualität noch bei Quantität den ursprünglich dargestellten Erfordernissen entspricht.”

Apropos Quantität: Zuletzt stapelte sich das Rohholz in Vossenack enorm. Dem Vernehmen nach ist im Kaufpreis alleine Holz im Wert von 200.000 Euro enthalten. Die Staatsanwaltschaft prüfte darüber hinaus auch noch Hinweise zu Auffälligkeiten bei der Planung. Wie Robert Deller sagte, gehen die „sehr zeitaufwendigen Ermittlungen” in verschiedene Richtungen weiter.
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