Stattliche Sumo-Ringer und verspielte Affen

Von: Stephan Vallata
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„Ich mache vor allem das, was mir Spaß macht”, sagt Kunsthandwerkerin Marlen Schulze. Sie gehört zu den 50 Ausstellern, die auf dem 35. Töpfermarkt ihr Können zeigen. Foto: Stephan Vallata

Höhr-Grenzhausen/Langerwehe. Demnächst gibt die Gemeinde Langerwehe wieder den Ton an. Um ganz genau zu sein: Sie tut dies am ersten Adventswochenende (28./29. November) mit dem 35. Töpfermarkt im und rund um das Töpfereimuseum. Zurecht, davon sind Museumsleiterin Dr. Kirsten Ulrike Maaß und ihr Team fest überzeugt.

Denn schließlich hat das alte Töpferdorf eine lange Tradition in Sachen Ton. Gute Töpfer gibt es aber auch anderswo. Mehr als 50 Aussteller aus dem In- und Ausland sind dabei. Wir stellen in loser Folge einige Kunsthandwerker aus der Westerwaldgemeinde Höhr-Grenzhausen im so genannten „Kannenbäckerland” vor, die auch zum Töpfermarkt kommen werden.

Dort, wo einst die Merkelbach-Manufaktur heimisch war und viele Handwerker Keramikwaren produzierten, hat jetzt die Individualität Einzug gehalten - in Form des Künstlerinnen-Kollektivs „Ceramix”. Deren fester Bestandteil ist Marlen Schulze.

Wer die alte Fabrikhalle mit den stillgelegten Brennöfen betritt, begibt sich damit auch in eine etwas „verruchte Gesellschaft”. Auf einem Schild neben der Eingangtür steht geschrieben: „Schlampige Damen necken in schrillen Farben, Gaukler spiegeln Lebenslust und Lebenslast, Häuserfassaden bröckeln vor lauter Neugierde”. So, so. Hier ist der Einfallsreichtum zuhause.

„Ich mache vor allem das, was mir Spaß macht”, sagt die 31-jährige Kunsthandwerkerin, die eigentlich aus Magdeburg stammt, aber mittlerweile im Westerwald heimisch geworden ist, nachdem sie in Höhr-Grenzhausen die Fachschule für Keramiktechnik und -gestaltung besucht hat.

Figürliche Plastiken

Spaß macht es ihr zum Beispiel, Tongefäße mit feinen Aktzeichnungen zu veredeln, stattliche Sumo-Ringer im Kampf Mann gegen Mann zu zeigen oder zwei verspielte Affen in einem Getrieberad herumturnen zu lassen - ein Szenario, das ein klein wenig an Charlie Chaplins filmische Fortschrittskritik „Modern Times” erinnert.

Figürliche Plastiken haben es ihr neben der Gestaltung von Geschirr am meisten angetan. Motive dürfen da durchaus auch schon mal etwas surrealistisch wirken. „Im Prinzip gibt man die Lebensfreude, die man empfindet, an andere weiter”, erklärt Marlen Schulze.

Der Ton als Leitmedium für positive Energie, zum Teil auf der Drehscheibe geformt, dann glasiert und im Ofen gebacken. Ein Klumpen Erde wird zum Kunstwerk. So einfach ist das. Platz für die Kunst des negativen Denkens gibt es nicht.

Ein Spruch an einer Wand der Werkhalle mahnt: „Krise kann ein sehr produktiver Zustand sein, wenn man den Beigeschmack von Katastrophe nimmt.” Eine Portion Optimismus kann ja nie schaden.
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