Stationäres Hospiz am St. Augustinus jetzt mit 13 Betten

Von: Katrin Fuhrmann
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Sie gehen offen mit dem Sterben um: Renardo Schiffer (v.l.), kaufmännischer Direktor am St.-Augustinus-Krankenhaus, Ute Nebel, Sozialarbeiterin, Geschäftsführer Gábor Szük und Gabi Prescher, Pflegedienstleitung. Foto: Katrin Fuhrmann
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An dem Herz werden Schmetterlinge mit den Namen der Gäste angebracht. Foto: Katrin Fuhrmann

Düren. An einem großen geflochtenen Herz hängen viele, kleine bunte Schmetterlinge aus Holz, die mit einer Schleife befestigt sind. Jedes Herz hat eine Gravur mit Name, Geburtsdatum und Todestag jedes Gastes, der hier für eine Zeit zu Besuch war.

Niemand war gerne hier, aber alle haben sich letztlich ganz bewusst dafür entschieden, hier, die letzten Monate, manchmal nur Wochen ihres Lebens zu verbringen. Die Rede ist vom Hospiz am St.-Augustinus-Krankenhaus Düren-Lendersdorf.

Menschen, die unheilbar krank sind und nur noch eine begrenzte Lebenserwartung haben, können in das Hospiz einziehen – alleine oder gemeinsam mit ihrer Familie. Im vergangenen Jahr haben sich mehr als 150 sterbende Menschen dazu entschieden, die noch zu lebende Zeit im Hospiz zu verbringen.

Wie zu Hause fühlen

Weil der Bedarf steigt, hat das Hospiz seine Bettenanzahl erhöht. Seit Anfang Februar verfügt das Hospiz nun über 13 Zimmer. „Jeder Gast kann sein Zimmer selbst gestalten. Er darf Fotos und Bilder aufhängen, die Fensterbank dekorieren und kleine Schränke und Tische mitbringen“, erzählt Sozialarbeiterin Ute Nebel. Sie könnten auch waschen und kochen. Man solle sich schließlich wohl fühlen – wie zu Hause.

Menschen, die den Weg ins Hospiz suchen, wissen, dass sie nur noch wenige Tage, Wochen, manchmal vielleicht Monate, zu leben haben. Häufig geht dem Aufenthalt eine lange Leidensphase voraus. Die Familien sind erschöpft. Der Gast auch. Die Schmerzen bleiben, können im Hospiz aber gelindert werden, durch verschiedene Therapien, wie Massage und Entspannungsübungen.

„Die ersten Tage im Hospiz sind für den Gast und auch für die Angehörigen sehr schwer“, sagt Gabi Prescher, Pflegedienstleitung. Aber an die Situation gewöhne sich letztlich jeder schnell – eine Wahl und ein Zurück gibt es schließlich nicht.

Den Hochzeitstag vorverlegen

„Wir arbeiten in einem hoch emotionalen Bereich. Da geht es um Gefühle, Hass, Trauer und Verzweiflung“, erzählt Nebel. Sie ergänzt: „Hier wird viel geweint, aber auch gelacht und vor allem gelebt“, sagt sie. Der Gast entscheide selbst, ob er an Angeboten wie gemeinsames Frühstücken, Lesungen und Konzerten teilnehme möchte oder, ob er lieber alleine mit seiner Familie bleibt.

Natürlich wird im Hospiz auch gefeiert. Manchmal, da käme es vor, dass Gäste ihren Geburts- oder Hochzeitstag vorverlegen möchten, weil sie Angst haben, vor dem eigentlichen Tag schon gestorben zu sein. „Das ist gar kein Problem. Wir feiern gerne und viel“, sagt Nebel. Viele Gäste blühen vor ihrem Tod noch einmal richtig auf. Manche ziehen sich zurück. Ein schmaler Grat zwischen Hoffnung und Verzweifelung. Dennoch betont Nebel immer wieder: „Hier wird gelebt“. Jeder entscheide selbst, wie er gehen möchte.

„Hier wird gelebt“

Neben dem geflochtenen Herz am Eingang steht übrigens eine Kerze, die wird immer dann angezündet wird, wenn jemand gestorben ist. Sobald der Verstorbene vom Beerdigungsinstitut abgeholt wurde, pustet eine Hospizmitarbeiterin die Kerze aus. Der Schmetterling wird dann zu all den anderen in das große geflochtene Holzherz gehängt.

„Aber der Tod bei vielen ein Tabuthema“, sagt Renardo Schiffer, kaufmännischer Direktor des St.-Augustinus-Krankenhauses. Niemand spreche gerne über den Tod, das weiß auch das Hospizteam. Umso offener gehen die Gäste und das Hospiz damit um. Schulklassen und auch Kindergärten werden immer wieder eingeladen. Sie nehmen das Angebot gerne an.

Wenn sich die große Flügeltür des Hospizes öffnet, weht ein Duft von Orangen und frischen Brötchen durch die Luft. Bunte Bilder hängen an den Wänden. Ein leises Lachen ist aus verschiedenen Zimmern zu hören. In einem großen Aufenthaltsraum stehen ein Aquarium und ein bunter Strandkorb. Es ist warm und gemütlich – „hier wird gelebt“.

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