Inden - Starke Schäden: Lucherberger Kirche nicht zu retten?

Starke Schäden: Lucherberger Kirche nicht zu retten?

Von: Guido Jansen
Letzte Aktualisierung:
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Nach dem Krieg offenbar ohne stabilisierende Bodenplatte wieder aufgebaut: Die Lucherberger Kirche St. Nikolaus ist aufgrund von Rissen seit dem vergangenen Jahr gesperrt. Foto: Uerlings

Inden. Die Zukunft der Pfarrkirche St. Nikolaus in Lucherberg ist ungewiss. Vermutlich wird eine der weithin sichtbaren Landmarken in der Gemeinde Inden bald verschwinden. Das Gotteshaus ist aufgrund massiver baulicher Mängel schon länger geschlossen. Die Gläubigen aus Lucherberg pilgern seit dem vergangenen Jahr in eine der drei anderen Kirchen der fusionierten Indener Pfarre St. Josef nach Lamersdorf, Frenz oder Inden/Altdorf.

Ein unabhängiges Gutachten hat ergeben, dass die Risse im Gemäuer von St. Nikolaus mutmaßlich keine Bergschäden sind. Die Kirche war am 16. November 1944 zerstört worden, dem Tag der Luftangriffe auf Jülich und Düren. Von 1948 bis 1951 wurde St. Nikolaus wieder aufgebaut.

„Die Mauern wurden damals ohne eine Bodenplatte einfach in die Erde gesetzt“, schildert der Indener Pfarrer Dr. Dominik Heringer einem möglichen Grund für die Rissbildung. „Die Bauschäden sind so groß, dass eine Sanierung für die Pfarre vermutlich nicht tragbar ist“, erklärt er weiter.

Noch nicht entschieden

Deswegen könnte St. Josef laut Heringer offen dafür sein, eine für das Gemeinwohl sinnvolle Nutzung des Grundstücks zu finden. Könnte, denn eine Entscheidung steht noch aus darüber, was passieren kann, wenn der Kirchenvorstand beschließen sollte, dass St. Nikolaus nicht saniert wird. Interesse angemeldet hat die Gemeinde Inden. Der Schulausschuss diskutierte in der vergangenen Woche darüber, wie der Raummangel in der Gemeinschaftsgrundschule Inden behoben werden könnte.

Der Abriss von St. Nikolaus, der Kauf des Grundstücks und der Bau eines zusätzlichen Schulgebäudes waren eine Möglichkeit, die die Verwaltung dem Ausschuss vorgeschlagen hatte. Das war schnell gedacht, denn der Kirchenvorstand hat den Abriss und Verkauf noch nicht beschlossen. Auch wenn genau das vorstellbar und sogar absehbar ist, wird es dauern, bis dass es so weit sein könnte. Für den Platzbedarf der Grundschule könnte das zu spät sein. Schulleiter Jens Neumann sprach im Ausschuss von zusätzlichem Platzbedarf spätestens im Sommer 2019.

Auch aufgrund der mutmaßlich schnelleren Umsetzbarkeit entschied sich der Ausschuss dafür, den Hauptstandort der Grundschule in Inden/Altdorf anzugehen. Die Grundschule ist auf diesen und den Nebenstandort in Lucherberg direkt neben St. Nikolaus aufgeteilt. Auch in Inden/Altdorf grenzt die Schule an das Grundstück der Kirche, auch hier müssen Gemeinde und Pfarre verhandeln.

Grundstück sichern

Alle Fraktionen im Schulausschuss haben betont, dass das Kirchengrundstück in Lucherberg trotz der Entscheidung für eine Erweiterung in Inden/Altdorf für die Gemeinde interessant sei. „Wir müssen uns das Grundstück bald sichern. Sonst kriegen wir keinen Zugriff mehr“, sagte Bürgermeister Jörn Langefeld. Hintergrund seiner Aussage ist das zu erwartende Wachstum der Gemeinde. Die neuen Baugebiete bringen vor allem junge Familien in die Gemeinde. „Wenn die Bevölkerung wächst, dann braucht man Kindergärten und Schulen“, sagte Lange­feld auf Nachfrage. Für einen solchen Zweck sei es sinnvoll, das Grundstück frühzeitig zu sichern. Das findet grundsätzlich die Zustimmung der Pfarre.

„Wir haben großes Interesse daran, dass an dieser Stelle etwas Sinnvolles entsteht, etwas, das dem Ort zugute kommt“, erklärte Pfarrer Heringer für den Fall eines Verkaufs. Vorstellbar sei, dass auf dem Grundstück neben einem gemeinnützigen Bau eine kleine Erinnerungskapelle entsteht, die an St. Nikolaus erinnert. „Vermögensgeschäfte würden wir nicht unterstützen“, sagte Heringer. Private Miet- oder Eigentumswohnungen kommen demnach also nicht infrage. Solche Dinge könnten laut Langefeld in einem möglichen Kaufvertrag festgelegt werden.

Das Herabsteigen gewohnt

Es sieht also so aus, als müssten sich die Kirchgänger aus Lucherberg dauerhaft darauf einrichten, in eine der drei anderen St. Josef-Gotteshäuser auszuweichen. Die größte Entfernung müssten sie dabei bis nach Frenz zurücklegen. Die Kirche dort ist ebenfalls dem Heiligen Nikolaus von Myra geweiht und rund 1,5 Kilometer entfernt. Die Lucherberger sind das Herabsteigen von ihrem Berg gewohnt. In dem Indener Ortsteil gibt es keine Gaststätte mehr und kein Geschäft.

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