Starke Männer: Fingerhakeln in Berzbuir

Von: Bruno Elberfeld
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Auf den Mittelfinger der stärkeren Hand kommt es an. Der Schiedsrichter gibt mit dem Zeigefinger den Kampf frei.
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Das vermeintlich schwache Geschlecht versuchte sich spaßeshalber im Fingerhakeln.
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Mit großer Kraftanstrengung: Friedel Lövenich aus Pier (links) sicherte sich den Rheinischen Meistertitel im Fingerhakeln. Foto: Bruno Elberfeld

Berzbuir. Blauweiß dominierte sowohl im Festzelt als auch im Bürgerhaus in Berzbuir, denn es war bajuwarisches Wochenende. Starke Männer in Lederhosen, Frauen in Dirndln und mit entspannten Mienen schlängelten sich durch die Tischreihen. Am Sonntag des Berzbuirer Oktoberfestes präsentierten die veranstaltenden St. Anna Schützen etwas Verrücktes: die 1. Internationale Rheinische Meisterschaft im Fingerhakeln.

Gestandene Mannsbilder kämpften in zwei Gewichtsklassen - im Schwergewicht von 100 Kilogramm an aufwärts, und im Mittelgewicht - von 75 Kilogramm bis 100 Kilogramm. Da lief der Schweiß, meist mehr vor Aufregung als vor Anstrengung, denn der Vorgang Fingerhakeln dauert nur kurze Zeit.

Insgesamt 44 Männer aller Altersklassen kämpften um zwei Titel. Der älteste, Heinrich Schmitz, zählt 87 Lenze. Eine Frauenmannschaft hatte sich leider nicht gefunden. „Da war die Ausschreibung des Wettbewerbs dran schuld“, beklagte sich eine etwa 40-jährige, „denn da stand eindeutig: Starke Männer gesucht!“

In die Siegerliste eintragen konnte sich Friedel Lövenich im Mittelgewicht. Er gewann nach zähem Kampf gegen Frank Faust, der 96 Kilogramm auf die Waage brachte.

Schwergewichtsmeister wurde Ulrich Knabe. Beide Sieger erhielten aus der Hand des Schützenchefs Dietmar Hacky je einen Getränkegutschein über 50 Euro.

Verluste und Verletzungen während der spannenden Kämpfe waren leider auch zu beklagen. „Das ist kein Freizeitsport für Weicheier!“, bekannte ein Teilnehmer, der den Mittelfinger der rechten Hand im nahe gelegenen Krankenhaus nähen lassen musste.

„Ich habe den Hakelring dummerweise zu spät losgelassen“, erklärte er den Unfall nach der ärztlichen Versorgung. Der Hakelring an sich ist also nicht schuld, denn der ist ganz weich, ein Hanfring, der von weichem Leder ummantelt ist.

Auf Nachfrage war bei keinem Kampf Doping im Spiel. „Wir durften nur Bier trinken“, verriet Mittelgewichtsmeister Lövenich. „Aber das auch nur in Maßen“, ergänzte Schwergewichtler Knabe, „Betrunkene werden zum Kampf gar nicht erst zugelassen.“

Warum dieses lustige Spektakel? Auf diese Frage wusste Schützenchef Dietmar Hacky eine schlüssige Antwort: „Wir wollten das Berzbuirer Oktoberfest einfach interessanter machen. Und das ist uns, glaube ich, ganz gut gelungen.“

In Berzbuir folgt demnächst, ebenfalls von den Schützen organisiert, das Christbaumweitwerfen, zu dem die ersten Ausschreibungen schon laufen.

Im zweiten Jahr könne man das schon zu der Kategorie Tradition zählen, meinte Hacky, dem man und vielen seiner Mitstreiter ansieht, dass so ein Oktoberfest nach altbayrischer Art nur etwas für starke Männer ist, die ein Tropfen Blut nicht erschreckt.

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