Standing Ovations für die „Capella Villa Duria“

Von: bel
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Johannes Esser (l.), Chöre, Orchester und Solisten genossen den enthusiastischen Applaus. Foto: bel

Düren. Darüber zu sinnieren, dass die Musik von Johann Sebastian Bach perfekt ist, ist müßig. Die Besucher, Laien und Experten in der Dürener Marienkirche waren sich dessen bewusst.

Dass es der „Cappella Villa Duria“ unter der Leitung von Johannes Esser aber gelungen ist, eines der grandiosen Werke Bachs, die Matthäus-Passion, so zu interpretieren, dass das zurückhaltende Dürener Publikum die Aufführung am Schluss mit Standing Ovations bedachte, muss Gründe haben. Denn nicht aller Tage kommt es vor, dass erwachsene Männer die eine oder andere Träne verdrücken müssen und sich nicht dabei schämen.

„Die Matthäus-Passion“, hatte der künstlerische Leiter dieses Dürener Konzertforums, Johannes Esser, im Vorfeld geschwärmt, „ist einfach genial komponiert. Sie ist einzigartig in der Musikgeschichte.“ Die Besucher der voll besetzten Marienkirche stimmten diesem Statement nach der Aufführung bedingungslos zu.

Die Musik Bachs zum Lob Gottes stellte sich ihrem Auftrag gemäß hintenan, wollte nicht dominieren, sondern begleitete die Worte des Evangelisten Matthäus, die von den letzten Tage Jesu in Jerusalem berichten. Die Matthäus-Passion, zum dritten Mal von der Cappella Villa Duria aufgeführt, ist so in Szene gesetzt, dass bei Musikern und Publikum kein Leerlauf entsteht. Die Chöre fungierten in einer Doppelrolle. Sie verkörperten die Stimmen der Jünger, die Stimmen der Wutbürger – was einige Nachdenkliche an aktuelle Szenen auf den Plätzen der globalisierten Welt erinnerte – und in beschwichtigenden Chorälen die Vermittler zwischen Himmel und Erde. Und dann immer wieder explosionsartig die „Stimme des Volkes“: Was geht uns das an?

Die Solistinnen und Solisten schlüpften mit ihren variablen Stimmen in die Rollen der Protagonisten des Evangeliums. Dazu gehörten neben dem perfekt getroffenen Ton die empathische Umsetzung mit der Modulation der Stimmen, die knapp bemessene Gestik und Mimik. Die Instrumente kamen konzentriert und überzeugend daher, voller Gefühl, melancholisch. Besonders erwähnenswert das Basso Continuo, dem es oblag, dramatisch-lebensbedrohliches Geschehen zu untermalen.

An der Spitze dieser Aufführung stand Johannes Esser, ein Dirigent, der an diesem Abend harmonisch zusammenfügte, was zusammengehört, der ein Stück der eigenen Identität an Sänger und Instrumentalisten abgab.

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