Stammzellen-Spende: Erstes Treffen ist wie ein Wiedersehen

Von: Sarah Maria Berners
Letzte Aktualisierung:
Andreas Esser (r.) aus Vettwei
Andreas Esser (r.) aus Vettweiß spendete vor sechs Jahren Stammzellen für den an Leukämie erkrankten Jacob aus South Carolina. Der heute Achtjährige gilt als geheilt, Spender und Empfänger trafen sich in den USA.

Vettweiß/Charleston. Mit Tränen in den Augen steht Wendy Rickman in einer Flughafenhalle in South Carolina (USA). Der achtjährige Jacob hüpft neben ihr auf und ab und wackelt mit den Armen, wie Kinder es eben tun, wenn sie aufgeregt und voll Vorfreude sind.

„Das ist ein Wunder”, sagt Wendy Rickman. Endlich kann sie den Mann in die Arme schließen, der ihrem Sohn das Leben gerettet hat. Als Andreas Esser die Ankunftshalle erreicht, drückt sie ihn fest an sich und flüstert mit tränenerstickter Stimme: „Danke, Danke, Danke”. Dann nimmt Andreas Esser Jacob in die Arme. Es wirkt wie ein Wiedersehen. Dabei kennen sich die beiden bisher nur aus E-Mails und vom Telefon. Aber das Band, das sie verbindet, ist dick.

Der Vettweißer Andreas Esser hat für Jacob Stammzellen gespendet. Vor sechs Jahren war das. Damals war Jacob zwei Jahre alt. Andreas Esser hatte sich erst ein halbes Jahr zuvor typisieren lassen. Bei einer Aktion für einen Jungen, von der er während des Wehrdienstes erfuhr. Dann kam der Anruf. „Von zehn Millionen Spendern in den USA war keiner der richtige”, sagt Esser. „Bei mir passte es hundertprozentig.” Also zögerte der „Angel Stranger” - der fremde Engel - wie Jacob ihn nennt, nicht lange. In Dresden entnahmen die Ärzte dem jungen Mann unter Vollnarkose einen Liter Knochenmark-Blut-Gemisch aus dem Beckenkamm. „Ich durfte eine Woche nicht schwer heben, hatte Rückenschmerzen. Das war es aber auch”, schildert der 28-Jährige.

Auf der anderen Seite des Atlantiks wartete Familie Rickman sehnsüchtig auf die lebenswichtige Lieferung. Als Jacob nur wenige Monate alt war, ging es ihm immer schlechter. Es dauerte eine Weile, bis die Ärzte die Ursache fanden. Zunächst vermuteten die Mediziner, Jacob könnte an Allergien leiden. Es begann eine mehrmonatige Odyssee durch Arztpraxen und Krankenhäuser. Ein Arzt in Seattle stellte dann die traurige Diagnose: Jacob leidet an Ipex, einer sehr seltenen Variante der Leukämie. „Nur etwa 50 Kinder sind weltweit davon betroffen”, erklärt Esser.

„Unsere einzige Chance war eine Stammzellenspende”, sagt Jacobs Mutter dem US-amerikanischen Fernsehen, das die Ankunft von Andreas Andreas Esser und seiner Freundin Jessica Weber gefilmt hat. „Er hat mir mein Leben gerettet”, erzählt Jacob vor laufender Kamera. „Ich wäre fast gestorben.” Jetzt, sechs Jahre nach der Stammzellenspende, geht es ihm gut.

Schon kurz nach der Spende hat es anonymen Kontakt gegeben. „Die Familie wollte sich bedanken. Und ich wollte wissen, ob meine Spende geholfen hat”, erzählt Andreas Esser. Sie hat. Zwei Jahre später wagten beide den Schritt aus der Anonymität, nutzten E-Mails, Facebook und das Telefon.

Jacob nennt Andreas seinen „big brother from another mother”, seinen großen Bruder von einer anderen Mutter. Und nach der Spende hat Jacob auch die Blutgruppe seines Retters angenommen. „Es war überwältigend, die Familie jetzt kennenzulernen. Wir waren einander sofort sehr vertraut”, beschreibt Andreas Esser das erste persönliche Treffen.

Zwei Wochen waren er und seine Freundin in Charleston. Die Rickmans haben Partys für sie geschmissen, Jacob hat ihnen seine Lieblingsplätze in South Carolina gezeigt.

Die Rickmans haben zum Dank ein rührendes Fotoalbum für den Besucher gebastelt. „Jacob ist ein lebhaftes, fröhliches Kind”, erzählt Andreas Esser. „Und er gilt als geheilt.” Nächstes Jahr wollen die Rickmans den „Angel stranger” in Vettweiß besuchen. Es ist eine Freundschaft fürs Leben entstanden.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert