Stadtmuseum: „Wir stoßen mittlerweile an die Grenzen“

Von: Stephan Johnen
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Anne Krings, Hans-Peter Höner und Bernd Hahne (v.l..) stellten die Pläne des Stadtmuseums vor. Foto: Johnen

Düren. Etwa 6000 Besucher haben sich im vergangenen Jahr im Dürener Stadtmuseum über die Geschichte der Stadt informiert. Die Zahl steigt, auch immer mehr Schulen entdecken das Museum, das von einem Verein getragen wird, als außerschulischen Lernort. Die Politik beschäftigt sich derzeit mit der Frage, ob die Stadt das Gebäude von der Sparkasse kaufen soll.

Die Immobilie kostet etwa 80.000 Euro, ein Gutachter geht davon aus, dass für die Sanierung weitere 550.000 Euro nötig sind, die maximal auf fünf Jahre verteilt werden können. Betroffen sind beispielsweise die Elektroinstallation, das Lüftungssystem und eine Abdichtung der Kellerwände. Parallel hat der Trägerverein bei der Stadt Düren einen Antrag auf Bezuschussung von Personal- und Sachkosten in Höhe von jährlich 125.000 Euro gestellt.

Gesicherte Verhältnisse

„Die Parallelität ist etwas unglücklich“, sagt Bernd Hahne, der Vorsitzende des Trägervereins. „Es ist nicht unser Wunsch gewesen, das Gebäude zu kaufen und zu sanieren“, betont er im Gespräch mit unserer Zeitung.

Aber um als Verein überhaupt Zuschüsse für einen Umbau, der Museumszwecken gerecht wird, von Stiftungen oder vom Landschaftsverband Rheinland beantragen zu können, müsste das Mietverhältnis mindestens 15, besser 20 Jahre lang gesichert sein. Der Vorschlag der Stadt, die Immobilie zu erwerben, sei daher aus Sicht des Vereins zu begrüßen. Die Arbeit könne gesichert werden – und auch der Standort.

„Wenn wir dem Standort keine Bedeutung zumessen würden, hätten wir das Projekt Glashütte weiter verfolgt“, sagt Bernd Hahne. „Ein Stadtmuseum gehört in die Innenstadt“, ist Vorstandsmitglied Hans-Peter Höner überzeugt. Die Erfahrung zeige, dass es auch für die Schulen wichtig sei, das Museum ohne Transportmittel, also zu Fuß, erreichen zu können.

Die Gründung des Museums im Jahr 2009 ist auf eine bürgerschaftliche Initiative zurückzuführen. Ehrenamtler haben das Museum aufgebaut, sie bereiten seitdem die Ausstellungen vor und übernehmen die Führungen, sie leisten im Hintergrund viel Recherche- und Fleißarbeit, erläutert Bernd Hahne.

Mit der Kunsthistorikerin Anne Krings unterstützt seit einem Jahr erstmals eine fest angestellte Ganztagskraft das Team. Eine Stiftung finanziert diese Stelle noch bis zum Herbst 2016. „Wir waren selbst überrascht, wie schnell sich alles entwickelt hat“, blickt Hahne auf die vergangenen Jahre zurück.

Um die Arbeit auf eine professionellere Basis stellen zu können und die Ehrenamtler besser begleiten zu können, sei die Beschäftigung von zwei Fachkräften wünschenswert. In der beantragten Summe sind auch Mittel für Fortbildungen, Transportkosten, Büromittel, Hausmeistertätigkeiten und Gebäudereinigung inbegriffen.

„Nahezu unsere komplette Ausstattung haben wir entweder selbst gebaut oder umgebaut oder aus Spenden akquiriert“, bilanziert Bernd Hahne. Die Tischvitrinen seien beispielsweise umgebaute alte Schultische. Die Computer des Stadtmuseums dürften mittlerweile selbst als museumsreif gelten.

Das Museum erhält jedes Jahr eine Spende der Sparkasse, von der die Miete bezahlt wird. Es bleiben für die laufende Arbeit rund 6000 Euro übrig. Die gleiche Summe kommt aus Mitgliedsbeiträgen zusammen, 3000 bis 4000 Euro werden im Jahr von Besuchern oder Unterstützern gespendet.

„Wir stoßen mittlerweile an die Grenzen dessen, was ehrenamtlich zu leisten ist“, sagt Bernd Hahne. Allein die Inventarisierung aller gespendeten Objekte, Dokumente und Fotos stelle die Ehrenamtler vor „weitere drei bis fünf Jahre Arbeit“. „Parallel dazu müssen Ausstellungen vorbereitet werden“, erläutert Anne Krings.

Derzeit arbeitet das Team daran, das Begleitbuch zur Ausstellung über den Ersten Weltkrieg zu erstellen. Parallel wird die Ausstellung zur Stadtgeschichte vom Ende des Ersten Weltkriegs bis zur Mitte der 1920er Jahre vorbereitet.

Aus aktuellem Anlass, 200 Jahre Preußen im Rheinland, hatte das Team 2015 noch eine Preußen-Ausstellung auf die Beine gestellt, die bis Mitte Mai im Museum zu sehen ist. Auch über dieses Kapitel der Stadtgeschichte soll ein kleines Buch erscheinen. Im Hintergrund laufen Überlegungen, wie die Dauerausstellung aussehen kann, die in diesem Jahr fertig sein soll.

Flucht und Migration

„Damit es den Besuchern nicht langweilig wird, wollen wir immer wieder auch Sonderausstellungen konzipieren“, betont Bernd Hahne. Geplant ist eine Schau zum Thema Migration und Zuwanderung. Das Museum hat sich bei der Kulturstiftung des Bundes um eine Förderung beworben. „Migration und Zuwanderung waren schon vor Jahrhunderten ein Thema in Düren. Dieses Kapitel ist allerdings noch nicht untersucht worden“, umreißt Anne Krings eine der Aufgaben der Zukunft.

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