Stadtmuseum: Rückblick auf Hunger und Leid an Dürens Heimatfront

Von: Fred Schröder
Letzte Aktualisierung:
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Originale Dokumente und ein Vergleich, warum Zeppeline und deutsche Flugzeuge aus Duralumin im Ersten Weltkrieg so gut fliegen konnten: Stadtführerin Christel Kreutzer zeigt Duralumin als Silhouette eines Flugzeuges. Foto: Fred Schröder

Düren. Nicht mehr viele der älteren Dürener dürften sich noch Zeitzeugen nennen, aber die Not während und nach dem Ersten Weltkrieg ist doch noch gegenwärtig. Und wer erinnert oder informiert werden möchte, dem ist ein Besuch des Stadtmuseums wärmstens zu empfehlen.

 „Heimatfront – Düren und der Erste Weltkrieg 1914-1918“ ist die Ausstellung überschrieben, die Bürgermeister Paul Larue am Sonntag im Beisein zahlreicher Besucher eröffnete. Fernab jeder Kriegsverherrlichung haben die Verantwortlichen im Stadtmuseum Dokumente zusammengetragen, die die Kriegs- und Nachkriegszeit in zahlreichen Facetten zeigt.

Da sind zunächst einmal die persönlichen Erfahrungsberichte mehr oder minder prominenter Dürener. Der Familie Breinig aus Rölsdorf ebenso wie die von Dr. jur. Helmuth Schüll (1882 bis 1915), Alfred Hoesch (1896 bis 1989) oder Hans Guder (1898 bis 1979). „Wir sind den Familien dankbar, die uns Dokumente oder Postkarten als Leihgaben zur Verfügung stellten“, so Christel Kreutzer. So ist das Original-Tagebuch zu sehen, das Dr. Schüll bis zu seinem Tod im Feld schrieb. An das größere Dürener Reservelazarett erinnert eine Ausstellungsecke und Modelle eines Schützengrabens sind ebenso zu sehen, wie Lektüre. „Es ist erstaunlich, in welch großer Zahl Schützengraben-Zeitungen erschienen“, weiß Josef Winthagen zu berichten.

Breiten Raum nehmen Leiden und Entbehrungen der Zivilbevölke-rung ein. Ende 1918 war in Deutschland von 800.000 Hungertoten die Rede. An der „Heimatfront“ wurde ein fast aussichtsloser Kampf gegen den Hunger gekämpft. Ein „Kriegskochbuch“ sollte dabei helfen, wie aus wenig mehr gemacht werden kann. Und wer will, der konnte am Eröffnungstag der Ausstellung „Graupenauer-Brot“ oder „Muckefuck“ probieren.

Authentisch auch der Geschmack jener Zeit aus einer seltsamen Feldküche: Aus Munitionskisten wurden Mini-Feldküchen gebastelt. Eine ist im Stadtmuseum noch voll in Betrieb. „Staat und Gesellschaft veränderten sich in den vier Kriegsjahren grundlegend und ganz anders, als sich die Propagandisten gedacht hatten“, so Bernd Hahne, der Vorsitzende des Vereins Stadtmuseum in seiner Einführung.

„Wir haben viele Aspekte noch nicht aufarbeiten können“, bedauert Bernd Hahne und freut sich über die Resonanz, die die Ausstellung bereits am Eröffnungstag fand.

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