Stadtentwässerung: Zeitreise ins Kanalbau-Jahr 1897

Von: bugi
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Drei bis vier der Kanalelemente des tonnenschweren Kastenprofils verlegen die Arbeiter in der Malteserstraße am Tag. Foto: bugi

Düren. Im Normalfall haben die Mitarbeiter des Eigenbetriebs Stadtentwässerung sehr vereinfacht ausgedrückt nur ein Ziel: Regen- und Schmutzwasser soll möglichst schnell zur Kläranlage geführt werden. Das ist beim Projekt in der Malteserstraße nicht viel anders.

Besonders ist nur, dass der alte Kanal, der jetzt erneuert wird, bereits 1897 erbaut wurde. Nicht nur für Christian Klump von der Stadtentwässerung Düren ist das eine Besonderheit: „Ich finde das total spannend, weil es da um alte Handwerkskunst geht und man einen Blick dafür bekommt, wie früher mit sehr bescheidenen Mitteln hochwertige Arbeit geleistet wurde, die heute noch funktioniert.“

Für 1,28 Millionen Euro wird der Regenwasserkanal in diesem Abschnitt erneuert. Das neue unterirdische Regenklärbecken ist bereits fertiggestellt, erläutert Tiefbauamtsleiter Heiner Wingels. Ende 2015 wird es in Betrieb gehen und das Regenwasser aus einem 58 Hektar großen Bereich der Stadt Düren nicht nur aufnehmen, sondern vor Einleitung in den Mühlenteich reinigen. Das Regenklärbecken hat ein Volumen von 360 Kubikmetern.

Der neue Kanal stellt dabei auch eine Investition in die künftige wirtschaftliche Entwicklung der Stadt dar. Wingels: „Hier im Bereich rund um die alte Glashütte und die ehemalige Zuckerfabrik wird es künftig brummen. Das Gelände kann dann auch an diesen Kanal angeschlossen werden.“

Zwölf Tonnen wiegt so ein Kanalteilstück, das in der Malteserstraße derzeit verbuddelt wird. Drei bis vier Elemente schaffen die Bauarbeiter am Tag. Handarbeit ist immer noch gefragt, schließlich müssen die drei Meter breiten Kastenprofile aus Stahlbeton an die richtige Stelle gelotst und dann von Hand per Seilzug angezogen werden.

Die Handwerkskunst vor 118 Jahren war da dann doch simpler, aber unglaublich effektiv – und vor allem letztlich anders als erwartet. Klump hatte damit gerechnet, einen gemauerten und dann verputzten Kanal vorzufinden, immerhin glaubte man bei Kanalüberprüfungen heruntergefallene Klinkersteine entdeckt zu haben, die den Kanal an einigen Stellen verstopften.

Bei den Arbeiten stellte sich dann aber heraus, dass die Zeitreise ins Jahr 1897 zu einem sehr fragilen Stützgewölbe aus Beton mit reichlich Rurkieseln führte. „So wie der Kanal da jetzt liegt, ist er sehr stabil“, sagt Klump. Das ist deshalb gut zu wissen, weil er eben nicht nur in der Malteserstraße liegt, sondern ebenfalls in der viel befahrenen Veldener Straße.

Auf rund vier weitere erhaltene Kilometer schätzen die Mitarbeiter der Stadtentwässerung diesen alten Kanal. Aber: Als Stütze für den Kanal dient vor allem das umliegende Erdreich. „Wenn ich da mal seitlich dran muss, zerbröselt der Kanal“, haben Klump und Wingels jetzt in Erfahrung gebracht. Das spricht nicht für die Sanierung des alten Kanals, sondern eher für eine Erneuerung.

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