Stadtarchiv: Mit Japanpapier und Proteinleim gegen den Verfall

Von: Tobias Röber
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Archivleiter Helmut Krebs, Restaurator Matthias Frankenstein und Bürgermeister Paul Larue (v.l.). Foto: Röber

Düren. Bei so manchem Dokument hat der Betrachter das Gefühl, als löse es sich schon beim bloßen Anschauen auf. Und in der Tat: Im Stadt- und Kreisarchiv besteht noch dringender Bedarf der Restaurierung von Archivalien. Dank Fördermitteln in Höhe von 13.000 Euro kommt das Archiv jetzt wieder ein gutes Stück voran.

Bei der Koordinierungsstelle für den Erhalt des schriftlichen Kulturguts hatte das Dürener Archiv Fördermittel beantragt und auch erhalten. Rund 3000 Dokumente können dank der finanziellen Unterstützung (Das Archiv steuert einen Eigenanteil in höhe von 2000 Euro bei) bearbeitet werden, schätzt das Team um Archivleiter Helmut Krebs.

Matthias Frankenstein ist schon länger als Restaurator für das Archiv in Düren tätig, und er hat auch jetzt wieder Dokumente wie alte Prozessakten aus dem 16. bis 18. Jahrhundert restauriert. Das geschieht je nach Dokument auf unterschiedliche Art und Weise. Mal verwendet der Restaurator dünnes Japanpapier, bei einem anderen entscheidet er sich für eine „Bügeltechnik”, die ursprünglich aus den Niederlanden stammt. Mal wählt er Stärkekleber, mal Proteinleime. Frankenstein, dessen Vater bereits für das Dürener Archiv tätig war, nennt einen Ehrenkodex der Restauratoren: „Jeder Eingriff muss auch wieder rückgängig gemacht werden können.”

Helmut Krebs kommt derweil auf die Prozessakten zurück. „Auch, wenn man es nicht glaubt: Aber früher wurden viel mehr Prozesse geführt als heute”, sagt der Leiter des Archivs.

Neben diesen Prozessakten, in denen es manchmal nur um banale dinge wie Beleidigungen geht, können Krebs und Frankenstein viele weitere spannende Schriftstücke zeigen. Etwa das Rentenverzeichnis der armen Menschen aus Düren oder die Handschrift eines Dürener Goldschmieds aus dem 18. Jahrhundert.

Die Koordinierungsstelle für den Erhalt des schriftlichen Kulturguts wurde im August 2011 bei der Stiftung Preußischer Kulturbesitz eingerichtet. Jährlich stehen 500.000 Euro aus dem Haushalt des Kulturstaatsministers zur Verfügung. Helmut Krebs hofft, dass das Dürener Archiv erneut von diesem Geld profitieren kann.

Bestände stark gelitten

Das hofft auch Bürgermeister Paul Larue: „Gerade in einer Stadt wie Düren ist ein Archiv sehr wichtig. Die Stadt wurde gleich dreimal stark zerstört. Dabei haben die Bestände des Archivs stark gelitten. Umso wertvoller sind die älteren Dokumente.”
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