St. Anna hieß fast 1100 Jahre lang St. Martin

Von: Guido Jansen
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Wann wurde aus Martin Anna? Eine spannende Frage, auch für Ludger Dowe vom Stadtmuseum.
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St. Anna oder St. Martin? Das Modell im Stadtmuseum, das Josef Windthagen nach der Wenzel Hollar-Zeichnung aus dem Jahr 1634 angefertig hat, zeigt die Dürener Innenstadt und in ihrer Mitte das große Gotteshaus, das offiziell noch St. Martin hieß. Im Volksmund war aber damals schon von St. Anna die Rede. Foto: Jansen

Düren. St. Anna hieß den größten Teil der Dürener Geschichte über St. Martin. Über 1000 Jahre war der Heilige Martin der offizielle Schutzpatron der Dürener. Der Akt der Neu-Taufe hat über 350 Jahre gedauert. Taufpate war der Dürener Volksmund.

Als das wichtigste Gotteshaus der Stadt im Jahr 1868 dann auch offiziell in St. Anna umbenannt wurde, war das nur noch ein kleiner, formaler Akt. Die Dürener hatten sich da schon längst entschieden.

Auf die Frage, wann die Verwandlung von St. Martin in St. Anna abgeschlossen war, gibt es heute keine abschließende Antwort mehr. „Das ist ganz schwer zu rekonstruieren“, sagt Ludger Dowe, Mitarbeiter im Dürener Stadtmuseum, in dem viel Wissen über die Geschichte der Stadt gesammelt ist. Zwei wichtige Zeitpunkte sind bekannt: der der endgültigen Umbenennung und der Beginn des Anna-Kultes.

Das auslösende Ereignis für die Umbenennung ist allseits bekannt: Es war das Jahr 1501, als der Steinmetz Leonhard aus Kornelimünster die Annareliquie nach Düren gebracht hat, nachdem er sie zuvor in Mainz gestohlen hatte. Schnell wurde Düren zu einem Ziel für Pilger. Und viele Menschen haben der Kirche ihr Erbe vermacht. Wie eine gewisse Agnes Buck aus Derichsweiler, von der der Kirchenhistoriker Erwin Gatz in seinem 1972 erschienenen Buch „St. Anna in Düren“ schreibt, dass jene Agnes Buck am 8. April 1523 in ihrem Testament explizit die Annakirche erwähnt. Der Anna-Boom setzte also sehr früh ein, quasi unmittelbar nachdem Leonhard sein Diebesgut in Düren hinterlassen hatte.

Lange Martins-Tradition

Trotzdem hieß die einzige Pfarre innerhalb der Dürener Stadtmauern weiter St. Martin. Denn die Stelle, auf der auch der Neubau der Annakirche heute steht, war schon lange dem Heiligen Martin geweiht. Bereits zu Zeiten von Pippin, dem Vater von Karl dem Großen, hat es höchstwahrscheinlich genau dort eine Martinskapelle gegeben. Sie dürfte zu der Pfalz gehört haben, die für das Jahr 774 erstmals schriftlich erwähnt wird. St. Peter und St. Martin sind zwei typische Namen, die ein Hinweis darauf sein können, dass Pfarren alt sind. Im frühen Mittelalter waren sie die gefragtesten Schutzheiligen für eine Kirche. St. Peter in Vettweiß-Gladbach ist ein Beispiel.

Wann genau aus Martin Anna geworden ist – darauf gibt es vermutlich keine konkrete Antwort. „Es muss davon ausgegangen werden, dass die Umbenennung der alten Martinskirche in Annakirche nicht zu einem bestimmten Datum, sondern tatsächlich auf evolutionärem Wege und durch den Volksmund vonstattengegangen ist“, sagt der Historiker Dr. Horst Wallraff, der im Stadt- und Kreisarchiv auf Quellensuche gegangen ist. Und weil der Volksmund Taufpate war, ist es laut Wallraff schwer, niedergeschriebene Beweise für die Namensänderung zu finden.

„Genannt S. Annae“

Bis auf einen. Und der beweist erneut, dass es keinen endgültigen Hinweis gibt. Auf der bekannten Zeichnung von Wenzel Hollar aus dem Jahr 1634, die Düren mit seinen Stadtmauern, Toren, dem Franziskanerkloster und eben einer großen zentralen Kirche zeigt, steht in der Erklärung für eben jene große Kirche in der Mitte zu lesen: „Die Hauptkirch S. Martini, genandt S. Annae.“

Nach dem Eintreffen der Relique sorgten aber vermutlich auch die vielen Pilger für den Namenswechsel. Sie kamen nach Düren auf der Suche nach der Heiligen Anna, der Großmutter Jesu. Das brachte Geld in die Kasse der Pfarre, die Kirche selbst wurde deshalb mehrfach ausgebaut, um repräsentativer zu wirken. „Die Höhe der Kirche schreitet rasch voran und auch der Turm erhebt sich (…) in die Höhe, da ein naher Steinbruch Natursteine in Menge liefert. Und da (…) geschah es nicht zu Unrecht, wenn beide, Kirche und Turm, unter dem Titel und mit dem Namen eben dieser Heiligen allgemein vom Volke so benannt wurden. Ein solcher Vorgang ist für die alten Zeiten nichts Ungewöhnliches (…)“, heißt es in einem Aufsatz von Josef Maier aus dem Jahr 1971 in den Dürener Geschichtsblättern. Auch das veränderte Aussehen der Kirche dürfte also dazu beigetragen haben, dass der Volksmund das Gotteshaus umgetauft hat.

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