Spurensuche in der Nachkriegszeit: „Lebendiges Düren”

Von: Stephan Johnen
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Die Spurensuche von DZ und Sta
Die Spurensuche von DZ und Stadtmuseum geht weiter. Wer kann etwas zu diesem Bild vom Dürener Wirteltorplatz sagen? Repros: Stadtmuseum Foto: vom Dürener Wirteltorplatz sagen? Repros: Stadtmuseum

Düren. Die jüngste Spurensuche führte in das Düren Ende der 1950er Jahre zurück. In eine Stadt, in der die Wunden des vor kaum 15 Jahren beendeten Krieges noch immer deutlich zu sehen und im kollektiven Bewusstsein ebenso tief verankert waren.

Eine Stadt, die sich nach einstiger, nun vergangener Größe und Schönheit neu finden und definieren musste. Dazu ergriffen die Dürener gerne jede sich bietende Gelegenheit. So reiste beispielsweise Fräulein Liselotte Böttcher aus Hannover an die Rur und organisierte eine Ausstellung „Lebendiges Düren”.

Das Plakat zur Ausstellung war auch unser Suchbild. „Es war eine jener Veranstaltungen, deren publizistisches Begleitfeuer in merkwürdigem Kontrast zum tatsächlich Gebotenen stand. Und doch war man in jenen Jahren dankbar für alles, was Abwechslung versprach”, fasst Bernd Hahne vom Stadtmuseum die Ergebnisse der Spurensuche zusammen.

Auf dem Gelände der mittlerweile - zum Leidwesen vieler Dürener - endgültig beseitigten Ruine des einstigen Stadttheaters waren acht Zelthallen mit 6000 Quadratmetern Fläche aufgebaut, in denen die zehntägige „große Herbstausstellung” eine Leistungsschau des Dürener Einzelhandels präsentieren wollte. Das war, gelinde gesagt, etwas übertrieben, denn zu den rund 60 Ausstellern zählten nicht nur eine Reihe von Organisationen wie die Kreisbauernschaft und der DRK-Kreisverband, sondern auch etliche auswärtige Firmen aus Köln und sogar Berlin.

Auch die „interessanten Sonderschauen” waren von ähnlicher Klasse wie die „Tiere aus dem Kölner Zoo”, die sich im Wesentlichen aus exotischen Vögeln und Blaumaul-Meerkatzen zusammensetzten. Eine unbestrittene Attraktion (an die sich auch bestimmt noch viele Leser erinnern) war allerdings eine jener faszinierenden Wasserorgeln, die zu meist klassischer Musik bunt beleuchtete Fontänen tanzen ließen.

Leserin Margret Schneider erinnert sich an das Skelett eines Riesen-Wals, eine Bestätigung dafür gab es aber von anderen Zeitzeugen nicht. Ihre Mutter jedenfalls hatte an der Kasse einer ähnlichen Veranstaltung auf dem Hoeschplatz gesessen, die damals von der Stadt organisiert worden sei.

Dem Dürener Einzelhandelsverband, der die „ideelle” Trägerschaft übernommen hatte, und den Offiziellen der Stadt bot die Eröffnung dieser Ausstellung die Möglichkeit, etwas für das Selbstbewusstsein der Stadt zu tun. So sollte der Name „Lebendiges Düren” nach den Worten des Einzelhandelsvorsitzenden Carl Giebfried-Nietzard ein Symbol für den außerordentlichen Aufschwung sein, den Düren in den vergangenen Jahren genommen habe.

„Gerade Dürens Kaufmannschaft habe großen Anteil an diesem Wiederaufbau, der die Stadt wieder zu einem Zentrum für das weite Hinterland gemacht habe”, zitierte die Dürener Zeitung. Und Oberbürgermeister Spies ergänzte, der Dürener Einzelhandel könne, „größer und leistungsfähiger denn je geworden, heute jeden Vergleich mit den Großstädten der Nachbarschaft aushalten.”

Diese Messe sei geeignet, den Namen Dürens, das mit seinen industriellen Erzeugnissen schon wieder Weltruf genieße, auch mit dem Angebot seiner Handelsleute in weiter Runde bekannt zu machen.

Von Werbung verstand auch jener Mann etwas, der auf unserem letzten Suchbild oben auf der Leiter stand: Josef Effertz, 1936 zum Werbefachmann geprüft, betrieb nach Krieg und Gefangenschaft in der Alten Jülicher Straße 59 ein „Kunstatelier/Werbemalerei”, in dem er unter anderem für zahlreiche Geschäfte und Firmen Plakate, Geschäftspapiere und Prospekte entwarf und zeichnete.

Seine Tochter Helga und ihr Mann Heinz Becker jedenfalls hatten ihn sofort erkannt und konnten einiges über ihn und sein Leben erzählen. Nach seiner Ausbildung zum „Plakat- und Reklamemaler” arbeitete er einige Jahre in Dürener Unternehmen, ehe der Krieg auch ihn zu den Waffen zwang.

In Italien geriet er dann in amerikanische Gefangenschaft, aus einem Lager in der Nähe von Neapel sind noch Briefe erhalten, die er an seine Frau und die beiden Kinder in der Evakuierung schickte. Nach seiner Rückkehr baute er sich das eigene Unternehmen auf und hatte in einer Zeit, in der es noch keine Computer und kein Internet gab, gut zu tun. Proben seiner Kunst lassen sich auf jenem Wagen erkennen, der, mit einem Nikolaus auf dem Bock, um die Weihnachtszeit durch die Stadt fuhr.

Wie so viele seiner Zunft nutzte er sein Talent auch zu künstlerischen Arbeiten wie etwa Grafiken, Aquarellen oder Porträtgemälden, von denen noch einige vorhanden sind. „Der 1969 verstorbene Josef Effertz wäre es wert - wie etwa auch Jean Schmitz oder Ernst Ohst -, dass man sich ernsthaft um den künstlerischen wie gewerblichen Nachlass bemüht”, ist Bernd Hahne überzeugt.

Die Spurensuche geht weiter: Unser heutiges Suchbild zeigt den Wirteltorplatz aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg. Wer kann etwas zum Zeitpunkt der Aufnahme sagen? Was bedeuten beispielsweise die Schilder mit den drei Punkten an dem Mast?
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