Düren - Spurensuche: Die Eigenheiten des Dürener Karnevals

Spurensuche: Die Eigenheiten des Dürener Karnevals

Von: Sandra Kinkel
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Der Karnevalszug am Orchideensonntag ist nur eine Eigenheit des Dürener Karnevals. Darüber hinaus gibt es unter anderem noch Wurmritter, Domherren und „Holzpoeze Jonge“. Foto: Sandra Kinkel
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Rolf Peter Hohn kennt sich mit der Geschichte des Dürener Karnevals bestens aus. Foto: Sandra Kinkel

Düren. Was sind eigentlich Wurmritter? Und warum küren die „Löstigen Ost-Dürener“ jedes Jahr einen Domherren? Und wie kommt es, dass an der Rur eine Karnevalsgesellschaft nach einem Holztor benannt ist? Passend zum Karnevalswochenende haben die „DN“ sich einmal auf Spurensuche begeben und Eigenheiten des Dürener Karnevals gesucht – und auch gefunden.

„Der Dürener Karneval hat durchaus eine eigene Identität“, sagt Rolf Peter Hohn. Der 68-Jährige muss es wissen. 40 Jahre lang war er Präsidiumsmitglied des Regionalverbandes Dürener Karneval, davon 22 Jahre sogar dessen Präsident. Heute ist der gebürtige Dürener Vizepräsident des Bundes Deutscher Karneval.

Nach dem Holztor benannt

Besonders die Namen der Karnevalsgesellschaften, sagt Hohn, hätten sehr häufig einen direkten Bezug zu Stadt oder Stadtteil. „Nehmen Sie nur die ‚Holzpoeze Jonge‘. Die sind nach dem Dürener Holztor benannt, das früher im Westen der Stadt stand. Also da, wo sich die ‚Holzpoeze‘ auch gegründet haben.“ Und auch der Name des Tores ist schnell erklärt. Hohn: „Durch das Holztor wurde das Brennholz aus der Eifel in die Stadt gebracht.“

Bei den „Holzpoeze Jonge“ gibt es aber noch eine andere Besonderheit. Jedes Jahr werden dort verdiente Karnevalisten zu „Wurmrittern“ gekürt. Und das kommt so: 1827 wurde in Düren die sogenannte „Wurmmessergilde“ gegründet. Die damaligen Initiatoren knüpften an ein historisch verbrieftes Ereignis in der frühen Dürener Stadtgeschichte an. Im Jahr 1459 soll in Düren das vermutlich letzte Ritterturnier stattgefunden haben. Dabei besiegte Ritter Engelbert Nyt van Birgel einen hochmütigen spanischen Edelmann. Der Lokalmatador hat dem Spanier „de Wurm gesähnt“, wie man damals zu sagen pflegte.

„Gesähnt“ bedeutete geschnitten, und unter dem Begriff „Wurm“ ist eine charakteristische Unart wie etwa der Hochmut zu verstehen. An dieses Ereignis knüpften also im Jahr 1827 etliche Dürener Honoratioren an und gründeten besagte Gilde. Erster „Wurmmeister“ war der berühmte Heimatdichter Joseph van der Giese. „Heute“, erklärt Rolf Peter Hohn, der vor einigen Jahren selbst in die Reihe der Wurmritter aufgenommen wurde, „ist es immer noch Aufgabe der Wurmritter, alle sinnlichen und geistigen Würmer zu schneiden, die der Geselligkeit schaden. So steht es in den Statuten.“

Dass jedes Jahr in der jecken Zeit an der Rur zudem ein „Närrischer Domherr“ gekürt wird, hat nichts damit zu tun, dass Düren früher Bischofsstadt und die Annakirche damals der Dürener Dom war. Aber mit einer Kirche hängt die Ehrung der KG „Löstige Ost-Dürener“ schon zusammen. Rolf Peter Hohn: „Nämlich mit dem kleinen ‚Ühledömche‘ in Distelrath. Sie ist der Namensgeber für die Domherren.“

Die Rölsdorfer Karnevalsgesellschaft „Kick ens“ kürt indes regelmäßig Schutzmänner. Hohn: „Es gab einen Schutzmann, der im Stadtteil unterwegs war. Der Sage nach soll der immer ein Streichholz angezündet haben, um zu gucken, welche Streiche die Jugendlichen wieder im Schilde führen.“

Auch der Name der traditionsreichen Karnevalsgesellschaft „Südinsulaner“, die 1952, also bereits wenige Jahre nach Kriegsende, gegründet wurde, hat viel mit der Stadtgeschichte zu tun. Nein, der Dürener Süden ist damals keine von Wasser umgebene Insel gewesen. „Nach dem Krieg“, erklärt Rolf Peter Hohn, „war dieser Teil der Stadt durch die vielen Kriegstrümmer ausgegrenzt. Es war schwierig nach Düren-Süd zu kommen. So ist das Bild mit der Insel entstanden.“ Und eben auch der Name der Karnevalsgesellschaft.

Rosenmontag und Veilchendienstag – diese beiden Bezeichnungen für die beiden letzten närrischen Tage vor Aschermittwoch sind unstrittig und überall im Rheinland gleich. Was den Karnevalssonntag angeht, scheiden sich die Geister. Oder die Blumen. In Aachen, Köln und Düsseldorf spricht man von Tulpensonntag, in Düren geben die Orchideen diesem Tag den Namen. Warum das so ist, ist nicht eindeutig überliefert. In Düren erreicht das karnevalistische Treiben an diesem Tag seinen Höhepunkt. Bekanntermaßen findet dann der große Dürener Karnevalszug statt.

In den 60er Jahren, hat Axel Steiger, Präsident der KG „Südinsulaner“ und Verfasser eines karnevalistischen ABCs, herausgefunden, sollen die Verantwortlichen vom „festordnenden Ausschuss“, der heute Festkomitee heißt, gedacht haben, dass der Rosenmontagszug etwas mit Rosen zu tun habe. Das wollte der ehemalige Präsident des Ausschusses noch mit einer wertvolleren Blume toppen, deswegen hat er den Sonntag nach Orchideen benannt. Blöd nur, dass Rosenmontag von „rasender Montag“ kommt. Und die Tulpen viel besser zu den Veilchen passen. Beides sind Frühlingsblumen und erinnern daran, dass der Karneval auch das Ende des Winters einläutet.

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