Düren - Spuren der Römer und Karolinger entdeckt

Spuren der Römer und Karolinger entdeckt

Von: Jörg Abels
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Mit den Ausgrabungen am Arnoldsweiler Weg haben die Archäologen ihre Spurensuche auf der künftigen Trasse der Ostumgehung abgeschlossen. Im letzten Abschnitt haben sie 20 römische Brandgräber mit Grabbeigaben in Krügen (kl. Bild oben) gefunden. Foto: Jörg Abels
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Mit den Ausgrabungen am Arnoldsweiler Weg haben die Archäologen ihre Spurensuche auf der künftigen Trasse der Ostumgehung abgeschlossen. Im letzten Abschnitt haben sie 20 römische Brandgräber mit Grabbeigaben in Krügen (kl. Bild oben) gefunden. Foto: Jörg Abels

Düren. Für den Laien sind es einfach nur dunkle Verfärbungen im Erdreich. Ein Experte wie Michael Schneider von der Kölner Gesellschaft für archäologische Baugrundsanierungen (ABS) erkennt auf den ersten Blick, dass sein Team auf der künftigen Trasse der Dürener Ostumgehung (B 56n) am Arnoldsweiler Weg auf Zeugen der Vergangenheit gestoßen ist, genauer gesagt auf 20 römische Brandgräber aus dem 1. bis 3. Jahrhundert nach Christus.

Überraschend kommt der Fund für die Archäologen, die seit 2015 ausgewählte Teilbereiche der Trasse der B 56n im Auftrag des Landesbetriebs Straßenbau unter die Lupe nehmen, an dieser Stelle nicht. „Lesefunde lassen darauf schließen, dass sich gut 200 Meter nördlich eine römische Dorfstelle befunden haben muss“, erklärt Schneider. Und wo gewohnt wurde, wurden in der Nähe auch die Toten bestattet.

Sieben Abschnitte

Römische Brandgräber können zum Teil mit modernen Urnenbestattungen verglichen werden, verdeutlich der Ausgrabungsleiter. „Die Römer haben den Leichnam auf einem Scheiterhaufen verbrannt. Und die Asche später entweder in eine Urne verfüllt und mit Trank- und Speisebeigaben in Keramikgefäßen in eine Grube gelegt, oder aber die Asche direkt zu den Grabbeigaben gekippt.“ Letzteres war offenbar an der Fundstelle im Dürener Norden der Fall. Für die Archäologen bedeutet das: Si­sy­phus­ar­beit. Sie müssen die oft nur wenige Zentimeter großen Funde bergen und reinigen, bevor sie an das Amt für Bodendenkmalpflege des Landschaftsverbands Rheinland übergeben werden.

Der Abschnitt am Arnoldsweiler Weg ist der letzte, den die Archäologen unter die Lupe genommen haben. Insgesamt waren es sieben auf der 6,5 Kilometer langen Neubautrasse, die aus Sicht der Experten vielversprechend waren. An fünf Stellen wurden sie denn auch fündig. So ist nun klar, dass der frühere Ort Miesheim nicht nur zwischen dem 14. und 17. Jahrhundert bewohnt war, wie aus schriftlichen Quellen überliefert, sondern bereits viel früher.

„Wir haben dort Reste von zwei Hofanlagen aus dem 11. oder 12. Jahrhundert gefunden“, berichtet Schneider. Und was für die Archäologen besonders spannend war: Sie fanden dort auch Spuren aus dem 8. bis 9. Jahrhundert. „Es waren zwar nicht viele Spuren, aber sie reichen aus, um zu sagen, dass das Areal schon zur Karolingerzeit bewohnt war“, erklärt Schneider. Das würde auch die Ortsnamensendung „-heim“ erklären, die typisch für die Karolingerzeit sei.

Siedlung aus dem 1. Jahrhundert

Im Bereich Brückenstraße/Vorbahnhof sind die Altertumsforscher auf Reste einer bisher unbekannten römische Siedlung aus dem 1. bis 2. Jahrhundert gestoßen, berichtet der Ausgrabungsleiter. Gefunden wurden Überreste von Höfen, Pferdestallungen und eine große Darre, einem Gebäude zum Trocknen von Lebensmitteln und Gebrauchsgütern.

Für eine verbesserte Quellenlage haben auch Funde am Uhledömche gesorgt, aus Sicht der Experten neben Miesheim die vielleicht wichtigste Ausgrabung auf der Trasse der Ostumgehung. Dort stießen die Archäologen auch auf Reste zweier Hofanlagen, die sich auf das 11. bis 12. Jahrhundert zurückdatieren lassen und damit Aufschluss über das Alter von Distelrath geben.

Klar ist aber auch, dass das Dürener Land auch schon sehr viel früher bewohnt war. In den Jahren 2009 und 2010 fanden Archäologen auf der neuen Trasse der A4 bei Arnoldsweiler die etwa 200 Gräber aus der Zeit von 5000 vor Christus, dazu die Überreste einer ganzen Siedlung mit Zäunen, Grundrissen von Häusern und einem Wasserbrunnen. Und auch im Bereich der heutigen Firma Neapco müssen schon zu dieser frühen Zeit Menschen sesshaft gewesen sein. „Dort haben wir gleich zu Beginn unsere Ausgrabungen Reste einer bandkeramischen Siedlung gefunden“, berichtet Schneider, die er zeitlich auch in den Bereich 5000 vor Christus einstufen würde.

Seit Dienstag sind die Ausgrabungen abgeschlossen. Was nun folgt, ist die Dokumentation der Funde.

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