Düren - Sprachgewalt beeindruckt in der Stifteria

Sprachgewalt beeindruckt in der Stifteria

Von: Bruno Elberfeld
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Prof. Raoul Schrott (l.) sorgte mit Dr. Achim Jaeger für einen höchst spannenden Abend im Stiftischen Gymnasium. Foto: Elberfeld

Düren. Schauen Literatur-Begeisterte in die Biografie des renommierten Schriftstellers und Dichters Prof. Raoul Schrott, erwartet der eine oder andere einen zierlichen, feingliedrigen Menschen. In der direkten Begegnung mit Raoul Schrott sahen sich die Gäste – zumindest die, die den berühmten Schriftsteller nicht kannten – in der Mensa des Stiftischen Gymnasiums Düren überrascht.

Raoul Schrott, im dienlichen Räuberzivil, entpuppte sich als dynamischer Mensch mit dem Herzen an dem rechten Fleck. Freundlich, mit gewinnender Ausstrahlung, erzählte er sprachgewaltig von seinen abenteuerlichen Reisen rund um die altgriechische Mythologie, die griechischen Dichter wie Homer und Hesiod, erklärte den hellenischen Götterhimmel, stieg mit seinen Zuhörern in die Unterwelt, wo er am Eingang Höllenhund Kerberos mit seiner Rute wedeln lässt.

Vor Jahren schon hatte der Schriftsteller aus Österreich mit der Übersetzung des Gilgamesch-Epos ins heutige Deutsch Aufmerksamkeit erregt. Ilias und Odyssee von Homer liegen ebenfalls in aktuellen Übersetzungen vor.

Bild verworfen

Für einige Altphilologen und Geschichtslehrer wurden Vortrag, Lesung und Gespräch in der Stifteria etwas verwirrend. Hatten sie doch während ihrer Schulzeit gelernt und vielleicht auch später verkündet, dass sich die griechische Kultur und der griechische Götterhimmel allein in Griechenland entwickelt hätten.

In seinen Forschungen über Griechenland und seine antike Kultur verwirft Raoul Schrott dieses Bild. Er weist nach, dass die Griechen in allen Bereichen Anleihen bei den orientalischen Nachbarn gemacht haben: Mesopotamien, Reich der Hethiter, Ägypten, Phönizien. Sprache und Schriftzeichen wurden übernommen, Sagen und Legenden adaptiert, religiöse Rituale nachgemacht und im eigenen Lebensbereich zum Dogma erhoben.

Raoul Schrott schwelgte in seinen Anekdoten, stellte Vergleiche antiker Liebeslyrik mit Liebesergüssen in zeitgenössischen Gazetten in Deutschland und anderswo an. Den Dichter Hesiod, der etwa um 700 vor Christus seine Theogonie verfasst hat, entdeckte Schrott für sich nach intensiver Recherche auf der griechischen Insel Euböa. Hier entstanden, neuester Forschung gemäß, die Schriften Hesiods. In der Theogonie beschreibt der griechische Dichter das Reich der Weltenherrscher: die Götter der Welt, die von den Titanen abgelöst werden und schließlich den wohl bekanntesten Götterhimmel mit Zeus und seiner Familie auf dem Olymp.

Raoul Schrott beleuchtet intensiv die Musen alias Berufsgöttinnen, deren Anzahl nicht eindeutig feststeht. „Muse, nenn‘ mir den Mann!“ Anfang der Odyssee, ähnlicher Anfang wie bei der Ilias, in der ebenfalls eine Muse angesprochen wird. Raoul Schrott weist nach, dass es sich bei diesen Dichtungen - wie bei der Theogonie – um religiöse Verse handelt. Die Verseschmiede zelebrierten mit ihren Werken ein Ritual. Den vielen Besuchern in der Stifteria des Stiftischen Gymnasiums widerfuhr mal wieder ein spannender Abend – dank der Mithilfe des Fördervereins der Schule und der Bürgerstiftung Düren. Organisiert worden war die Lesung von Studiendirektor Dr. Achim Jaeger.

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