Düren/Wenau - Sportvereine können steigende Beiträge nicht stemmen

Sportvereine können steigende Beiträge nicht stemmen

Von: Tobias Röber und Franz Sistemich
Letzte Aktualisierung:
Muss Evivo bald auf zwei gute
Muss Evivo bald auf zwei gute Spieler verzichten? Wenn die Beiträge an die Verwaltungsberufsgenossenschaft wie geplant steigen, droht genau das.

Düren/Wenau. Rainer Bartz und Michael Overhage schütteln in diesen Tagen häufig den Kopf. Das liegt aber nicht (nur) an den durchwachsenen Leistungen ihrer Mannschaften.

Bartz, Vorsitzender von Jugendsport Wenau, und Overhage, Team-Manager von Evivo Düren, liegt vielmehr ein anderes Thema sehr schwer im Magen: die Beiträge, die an die Verwaltungsberufsgenossenschaft (VBG) gezahlt werden müssen.

Worum geht es dabei? Jeder Verein zahlt für seine Spieler und sonstigen Angestellten Beiträge an die VBG. Nach einem Beschluss der VBG-Vertreterversammlung aus dem Jahr 2010 sollen die Beiträge bis zum Jahr 2015 um über 100 Prozent steigen. Die VBG, die vom Bundesarbeitsministerium beaufsichtigt wird, begründet diese Maßnahme mit den drastisch gestiegenen Unfallzahlen und somit den Kosten. In der Vertreterversammlung sind unter anderem der Deutsche Olympische Sportbund und der DFB vertreten. Diese Erhöhungen gelten im Übrigen nicht für die ersten drei Fußballligen. Im Gegenteil: Für diese Spielklassen sinkt der Beitragssatz sogar.

Im Beitragssystem der VBG gibt es drei sogenannte Gefahrtarifklassen: eine für die Fußballer in den drei Bundesligen (Gruppe 16.1), eine weitere für alle übrigen bezahlten Sportler (16.2) und noch eine für die übrigen Versicherten im Sportunternehmen/-verein (16.3). Letzterer Tarif gilt etwa für Hausmeister, Verwaltungsangestellte und Mitarbeiter in der vereinseigenen Gastronomie.

Für viele Vereine sind die geplanten Beitragserhöhungen eine Katastrophe. Evivo Düren als Volleyball-Bundesligist und Jugendsport Wenau als Fußball-Landesligist spielen rein gefahrklassentechnisch in derselben Liga.

Was auf die Vereine zukommt, lässt sich am Beispiel Jugendsport Wenau verdeutlichen. Bis zum Jahr 2009 zahlte der Verein für seine sämtlichen „Angestellten”, also alle Spieler, Trainer und Bedienstete in der Gastronomie „Steilpass” 271,28 Euro an die VBG. Seit 2009 sind für die Spieler über 4500 Euro fällig, dazu kommen rund 500 Euro für die sonstigen Bediensteten (Trainer, „Steilpass”-Angestellte). Nach jetzigem Stand sind 2015 aber über 10.000 Euro fällig. Eine Summe, die der Jugendsport nicht aufbringen kann und auch nicht will.

Und bei Evivo Düren? Beim Erstligisten würde der Beitrag auf ein Vielfaches dessen steigen, was der Landesligist bezahlen muss.

Michael Overhage drückt es wie folgt aus: „Die Steigerung, das sind zwei sehr gute Spieler auf unserem Niveau, die wir dann nicht mehr bezahlen können. Dann können wir den Laden zumachen.” Ähnliches sagen übrigens auch Vertreter der „großen” Vereine. Jürgen Hauke, Geschäftsführer der Volleyballer des Branchenprimus und Serienmeisters VfB Friedrichshafen, sagt zu dem Thema: „Man muss eines ganz klar betonen: Wenn es uns nicht gelingt, diese Zahlungen auf ein vernünftiges und tragbares Maß zu reduzieren, dann werden wir in Zukunft große Probleme haben, in Friedrichshafen weiter auf hohem Niveau Volleyball zu spielen.” Einig sind sich die Volleyball-Verantwortlichen in einem weiteren Punkt, den Michael Overhage so beschreibt: „Alles pro Fußball. Das ist eine Frechheit sondergleichen.”

Kampflos nehmen die Vertreter einiger Sportarten die Beitragserhöhungen keineswegs hin. Die Handball-, Eishockey-, Basketball- und Volleyball-Liga klagen. In erster Instanz wurde die Klage abgewiesen. „Notfalls gehen die Verbände aber bis zum Bundessozialgericht”, kündigte Rüdiger Hein, Rechtsanwalt im Hauptberuf und Geschäftsführer von Evivo Düren, entschlossenen Widerstand an. Aufschiebende Wirkung haben die rechtlichen Schritte aber nicht. Bezahlen müssen die Klubs, allerdings legen sie immer wieder Widerspruch ein, um in Falle des Falles doch von einem positiven Richterspruch profitieren zu können.

Natürlich profitieren Vereine dann und wann von der VBG. Evivo zuletzt etwa bei den Verletzungen von Mittelblocker Stefan Hübner oder aktuell bei Außenangreifer Tim Elsner, der noch bis zum Saisonende ausfällt. Sechs Wochen lang muss der Verein das Gehalt des Spielers zahlen, danach springt die VBG ein.

Jugendsport Wenau hat dagegen noch nie die VBG in Anspruch genommen und nimmt die Forderungen der Berufsgenossenschaft auch nicht schicksalsergeben hin. Gegen den Beitragsbescheid 2009 legte der Vorsitzende Widerspruch ein. Der wurde abgeschmettert. Darauf antwortete Rainer Bartz in deutlichen Worten: „Aus meiner Sicht haben Sie unseren Einspruch mit einer das Ehrenamt verachtenden Arroganz abgelehnt. Sie sind in keiner Weise auf unsere Argumente eingegangen. Darin sehe ich eine gewisse Hilf- oder Lustlosigkeit Ihrerseits.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert