Kreis Düren - Sport ist Mord? Die Polizei sieht das anders

Sport ist Mord? Die Polizei sieht das anders

Von: Stephan Johnen
Letzte Aktualisierung:
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Polizisten im Sattel? Die Kreispolizeibehörde Düren verfügt zwar über keine Fahrradstaffel, aber ein kräftiger Tritt in die Pedale ist durchaus im Sinne der Behördenführung - und Teil des Foto: dapd

Kreis Düren. Polizisten sollen die Uniform ausfüllen. Aber bitte nicht mehr, als das Schnittmuster es hergibt. Schließlich ist die sogenannte „Gesundhaltung” eine Dienstpflicht der Beamten. Wer jedoch die einschlägigen Blaulicht-Serien im Fernsehen verfolgt, weiß: Gesetzeshüter im fortgeschrittenen Alter tragen dort zu Grün oder Blau beizeiten etwas Bauch.

Ein Klischee? „Es greift ein wenig zu kurz, bei diesem Thema von dicken Polizisten zu sprechen”, beantwortet Polizeidirektor Thomas Dammers die Frage, was sich hinter dem neuen „Gesundheitsmanagement” der Kreispolizeibehörde verbirgt. Die Behörde möchte ihren Mitarbeitern vielmehr Hilfestellung leisten, um fit zu bleiben.

Oder fitter zu werden.„Ich halte nichts davon, an einem Problem zu schrauben. Es soll erst gar kein Problem entstehen”, beschreibt Thomas Dammers den Gesundheitszustand seiner Beamten und Mitarbeiter. „Die meisten sind fit, der Krankenstand ist äußerst günstig”, bilanziert der Polizeidirektor. Warum also ein Gesundheitsmanagement einrichten?

Der demographische Wandel macht auch vor der Polizei nicht halt. Das hat Auswirkungen auf den Dienstalltag. „Wir müssen uns darauf einstellen, dass auch Kollegen über 50 im Wach- und Wechseldienst bleiben”, sagt Dammers. Mit all den dazu gehörenden gesundheitlichen Anforderungen und Belastungen. Schließlich sei der Polizist im Streifenwagen stets als erster zur Stelle: bei einer Ruhestörung ebenso wie bei einer Geiselnahme. Nur wer heute weiß, wie er richtig trainiert, ist auch in Zukunft noch fit - und uneingeschränkt einsatzbereit.

„Wir müssen alle Kollegen bei ihrem derzeitigen körperlichen Stand abholen”, sagt Dammers. Die Polizei setze dabei „weniger auf Zwang und mehr auf Überzeugung”. „Wir wollen dem Willen im Einzelfall einen kleinen Schubs geben”, formuliert es Dammers. Sanktionen, die beispielsweise in den USA verhängt werden können, gebe es nicht. Bereits heute gebe es ein breites Sportangebot für die Polizisten im Kreis Düren. Teils in der Betriebssportgemeinschaft, teils in Vereinen. Dammers möchte dieses ausbauen, weitere Angebote mit Kooperationspartnern wie dem Kreissportbund schaffen und auch Ernährungsberatungen anbieten.

Damit Sport kein Mord wird, sollen gezielte Schulungen die richtigen Bewegungsabläufe vermitteln. „Fitness gehört zum Polizeiberuf dazu”, betont Dammers. Derzeit lote die Behörde aus, Rahmenverträge mit Sportstudios zu schließen. Ideal sei allerdings ein eigenes Studio in der Polizeibehörde. „Da wird rund um die Uhr im Dienst sind, bietet es sich an, rund um die Uhr trainieren zu können.”

Mehr zeitliche Flexibilität steht im Vordergrund eines zweiten Projektes der Polizei. „Wir haben keine vernünftigen Arbeitszeitmodelle für Mütter”, bilanziert Dammers. Die Frauenquote in der Polizei erreiche beinahe 50 Prozent, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei im Schichtdienst jedoch nicht leicht. „Viele Kolleginnen bleiben der Arbeit länger entzogen, als es eigentlich sein sollte”, sagt Dammers.

Eine mögliche Lösung könnte die Einrichtung von Heimarbeitsplätzen sein. Anzeigen können beispielsweise an einem Heimarbeitsplatz verfasst werden, Eltern im Polizeidienst könnten auch zu Stoßzeiten im Früh- und Spätdienst stundenweise einspringen. Positiver Nebeneffekt: Beamte im Wach- und Wechseldienst, denen administrative Tätigkeiten von Kollegen abgenommen werden, zeigen mehr Präsenz auf der Straße.
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