Spontane Hilfe, aber auch Kritik beim „Runden Tisch Flüchtlingshilfe“

Von: mvb
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Gut besucht: Etwa 150 Interessierte folgten der Einladung von Merzenichs scheidendem Bürgermeister Peter Harzheim zum Runden Tisch Flüchtlingshilfe. Foto: Marvin Bergs

Merzenich. Punkt 18 Uhr sollte die Auftaktveranstaltung für den „Runden Tisch Flüchtlingshilfe“ im Bürgerhaus Merzenich beginnen. Doch die Veranstalter hatten nicht mit dem großen Andrang der interessierten Bürger gerechnet.

Der scheidende Bürgermeister Peter Harzheim hatte auf Initiative der SPD-Ratsfraktion zu der Veranstaltung eingeladen, und die Resonanz unter den Merzenichern war groß. Das Thema Flüchtlinge und Flüchtlingshilfe mobilisiert, und so waren die 80 bereitgestellten Stühle im Bürgerhaus bereits kurz vor Veranstaltungsbeginn besetzt. „Wir hatten im Vorfeld mit 50 bis 70 Teilnehmern gerechnet, aber diese Beteiligung ist natürlich überwältigend“, kommentierte der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Michael Breuer den Umstand, dass sich schlussendlich gut 150 Menschen ins Bürgerhaus drängten.

Als die Veranstaltung endlich beginnen konnte, brachte Bürgermeister Harzheim den Grund seiner Einladung schnell auf den Punkt: „Wir sind als Gemeinde mit der Logistik und der Verwaltung, die mit der Versorgung der Flüchtlinge einhergeht, derzeit ganz klar überfordert. Es ist und bleibt eine riesige Herausforderung, die wir nur gemeinsam bewältigen können. Deshalb brauchen wir Menschen wie Sie.“

127 Flüchtlinge

Im Anschluss an die Begrüßung informierte Michael Höhn von der Gemeindeverwaltung über die gegenwärtige Lage: Waren Anfang 2015 noch 44 Flüchtlinge bzw. Asylbewerber in der Gemeinde untergebracht, seien es mittlerweile 127, Tendenz steigend. Nachdem Peter Harzheim über das kurzfristige Prozedere der Zuweisung von Flüchtlingen an die Kommunen berichtet hatte, appellierte er an die Anwesenden: „Wir suchen händeringend nach Menschen, die sich bereit erklären, den Flüchtlingen vor allem bei den alltäglichsten Dingen zu helfen.“

Was die Hilfe für Flüchtlinge über das Alltägliche hinaus bedeuten kann, schilderte Dr. Patricia Peill von der Flüchtlingshilfe Nörvenich. Diese organisiere sich bereits seit dem Frühjahr und helfe in mittlerweile gewachsenen Strukturen. Peill bot in diesem Rahmen Unterstützung bei der Organisation in der Nachbargemeinde an.

Pfarrerin Karin Heucher von der evangelischen Gemeinde kündigte die Einrichtung eines ökumenischen Asylkreises für Ende Oktober an. Anschließend beschrieb Armin Haas, Anwohner vom Beethovenring, seine Erfahrungen. Haas habe bereits ein Willkommensfest für Flüchtlinge in der Nachbarschaft ausgerichtet, das von allen Seiten sehr gut angenommen worden sei. Es sollten nun für die einzelnen Häuser Paten gefunden werden, um die Verantwortlichkeiten auf mehrere Schultern zu verteilen.

In der anschließenden Diskussion wurde neben zahlreichen spontanen Hilfsangeboten auch Kritik laut: Viele Wortmeldungen forderten von der Gemeinde eine stärkere Rolle bei der Organisation des ehrenamtlichen Engagements. Es solle eine Stelle geschaffen werden, die sich hauptamtlich mit der Koordination der Flüchtlingshilfe beschäftige.

„Ich wäre durchaus bereit, trotz ausgereiztem Stellenplan, befristet eine solche Stelle zu schaffen, möchte meinem Amtsnachfolger Georg Gelhausen in dieser Frage aber nicht vorgreifen. Ich verspreche aber, dass wir uns zeitnah zusammensetzen und versuchen, eine Lösung zu finden“, versicherte Harzheim. Gleichwohl solle bald ein Runder Tisch eingerichtet werden, an dem Vertreter der Ratsfraktionen, der Kirchen und des Jugendzentrums federführend die Organisation der Flüchtlingshilfe übernehmen.

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