Spontane Entscheidung: „Us em Levve“ direkt in den Rat

Von: Stephan Johnen
Letzte Aktualisierung:
7913996.jpg
Erfolg beim ersten Anlauf: Ulf Breuer (rechts im Bild die Bergsteiner Sagengestalt Sürthgens Mossel) sitzt als einziger Einzelbewerber im Rat der Gemeinde Hürtgenwald. Foto: Stephan Johnen

Bergstein. Zunächst war es ein Bauchgefühl, eine spontane Entscheidung auf dem heimischen Sofa. „Ich kandidiere!“, sagte sich Ulf Breuer aus Bergstein. Und je mehr er darüber nachdachte, desto besser fand er die Idee.

Doch anders als Komiker Hape Kerkeling in seiner Paraderolle als Lokaljournalist Horst Schlämmer wollte Breuer nicht Bundeskanzler werden. Es erschien ihm anfangs schon Herausforderung genug, sein Heimatdorf im Gemeinderat zu vertreten. Schließlich hat Breuer kein Parteibuch. Er ging bei der Kommunalwahl als Einzelbewerber ins Rennen – setzte sich aber in seinem Wahlbezirk klar gegen alle anderen Kandidaten durch.

„Ich hatte nie mit diesem Ergebnis gerechnet“, sagt der 37-Jährige, der als Instandhaltungstechniker bei Metsä Tissue in Obermaubach arbeitet. Er habe zwar viel Zuspruch bekommen, während er mit Zetteln von Tür zu Tür ging und seinen Ein-Personen-Wahlkampf betrieb.

„Aber das heißt ja nicht, dass man auch gewählt wird“, sagt Breuer und lacht. Der 37-Jährige ist das, was im Rheinland gern als „Jung us em Levve“ bezeichnet wird. Er ist Mitglied der Alten Herren des Sportvereins, Mitglied im Heimatverein, wenn im Dorf gefeiert wird, ist er dabei.

Gremienarbeit ist ihm nicht unbekannt. Neben langjähriger Betriebsratsarbeit ist er Sprecher des Wirtschaftsausschusses bei Metsä. Eine Legislaturperiode war er auch stellvertretender sachkundiger Bürger in der CDU-Fraktion.

„Der Fraktionszwang macht es für mich sehr schwierig, mich an eine Partei zu binden“, sagt er. Er wollte auch keiner Partei beitreten. Es gehe nicht um „Parteiprinzipien“, er sehe seine Aufgabe darin, „Ansprechpartner, Vertreter und Vermittler“ für seine Mitbürger sein.

„Politiker neigen dazu, bei schwierigen Themen und strittigen Fragen erst einmal abzutauchen und abzuwarten, in welche Richtung die öffentliche Meinung geht, um dann zu entscheiden“, findet er. Die Diskussion rund um die Windkraftkonzentrationsflächen auf dem Gemeindegebiet sei ein Beispiel dafür.

Er habe sich dazu entschlossen, sich politisch einzubringen, „weil mir Gerechtigkeit am Herzen liegt“. Aufgabe eines Politikers müsse es sein, die knappen Mittel, die der Gemeinde aktuell zur Verfügung stehen, „gerecht zu verteilen“.

Die Bürger seien schon „über Maßen“ belastet worden. Auf der anderen Seite möchte er keine Versprechen abgeben, die nicht einzuhalten sind. „Politik muss den Bürgern auch sagen, wenn etwas nicht geht. Wenn Standards abgesenkt werden müssen. Auch davon hängt die Glaubwürdigkeit ab.“

„Ich glaube nicht, dass es im Gemeinderat Koalitionen geben muss“, ist Breuer ein Verfechter des Ausdiskutierens aller Themen. „Austausch bildet die Grundlage aller Entscheidungen“, sagt er. Seine einzelne Stimme mag zunächst kein allzu großes politisches Gewicht im Gemeinderat haben, aber Breuer möchte sich zu Wort melden, mitreden.

Es sei an der Zeit, die „alten Strukturen“ in den Räten aufzubrechen und mehr Meinungen zuzulassen, mehr Kompromisse abseits der Parteiräson zu schließen. „Die Wähler wollen nicht mehr, dass eine absolute Mehrheit alles durchdrückt“, sagt er. Das Interesse für unabhängige Wählergemeinschaften liege darin begründet. „Dafür haben wir auch im Hürtgenwald noch politisch Platz“, sagt Ulf Breuer.

Der neue Rat tagt erstmals am 26. Juni. Die Themen, die sich Ulf Breuer für die kommenden sechs Jahre auf die Fahnen geschrieben hat, sind die Entwicklung Bergsteins und die Haushaltspolitik. „Ich möchte daran mitarbeiten, dass Bergstein für ältere Generationen eine lebenswerte Heimat bleibt und mein Heimatdorf weiterhin attraktiv für junge Familien ist.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert