Nideggen - Spielerisch lernen, mit Handicap zu leben

Spielerisch lernen, mit Handicap zu leben

Von: Gudrun Klinkhammer
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Kinder der sechsten Klasse der Sekundarschule Kreuzau-Nideggen am Standort Nideggen erhielten einen Einblick in ein Leben mit Behinderung. Sie durften mit einem Rollstuhl fahren und zogen Brillen an, die ihnen eine außergewöhnliche Erfahrung lehrten: blind sein. Foto: Gudrun Klinkhammer

Nideggen. Horst Boltersdorf ist blind. Der 62-Jährige verlor vor sieben Jahren sein Augenlicht. Bis heute konnte nicht diagnostiziert werden, warum. Bis zu seiner Erblindung arbeitete Horst Boltersdorf als Manager im Einzelhandel. Über sein Schicksal sagt er: „Zunächst fiel ich in ein tiefes Loch und fragte mich: Was machst Du jetzt?“

Erst überlegte er, politisch aktiv zu werden und sich für Behinderte einzusetzen. Nach wenigen Monaten gab er diese Idee aufgrund seiner negativen Erfahrungen schnell wieder auf. Wesentlich vielversprechender erschien ihm das Projekt „Gips – Spielen und Lernen“, mit dem ihm ein Bekannter konfrontierte.

Gips steht für „Gehandicapten Informatie Project Scholen“. Ziel ist es, Schülern ab der sechsten Klasse eine reale Darstellung von einem Leben mit einer Behinderung anzutragen. In einem speziellen Schulungsprogramm entdecken die jungen Menschen spielerisch, was es beispielsweise heißt, blind zu sein.

Mittels spezieller Brillen wird das fehlende Augenlicht vorgetäuscht. In den vergangenen beiden Wochen kamen Schüler der sechsten Klasse der Sekundarschule Kreuzau-Nideggen am Standort Nideggen in den Genuss von „Gips“. An einem ersten Projekttag konnten sie etwa Rollstuhlfahren oder sich blind im Raum bewegen. An einem zweiten Projekttag konnten die Kinder behinderten Erwachsenen Fragen stellen. Am Ende gab es für jeden Teilnehmer ein Zertifikat.

Die Erste von 20 Schulen

Die Sekundarschule Kreuzau-Nideggen war damit die Erste von 20 Schulen im Kreisgebiet, die am Projekt teilnehmen. Finanziert werden die Einheiten aus dem Inklusionsfonds des Landes Nordrhein-Westfalen. Wie Horst Boltersdorf berichtet, kostet eine Einheit pro Klasse 195 Euro netto. Der Bruttopreis beträgt 450 Euro. Zudem sagte der Projektleiter, dass das Angebot flächendeckend etabliert werden soll, dafür aber noch Mitwirkende gesucht werden.

Boltersdorf: „Wir sind ständig auf der Suche nach Experten mit Behinderungen, die ihr Wissen und ihre Erfahrungen weitergeben möchten. Wir betrachten uns als Streetworker für Inklusion. Wir möchten aber kein Mitleid, sondern Mitfreude.“

Dem elfjährigen Pascal Krings gefiel das Programm ausgezeichnet. Er fand die Schulung praxisorientiert und „sehr interessant“. Ebenfalls begeistert äußerten sich Dieter Weber, der allgemeine Stellvertreter der Nideggener Bürgermeisterin, Schulsozialarbeiterin Monika Bernhart und Schulleiterin Andrea Volk.

Andrea Volk hatte schon Rückmeldungen erhalten: „Die Kinder und Kollegen sind dermaßen begeistert, dass wir bereits beantragt haben, Gips häufiger und in mehreren Klassen durchführen zu dürfen.“

Speziell im Kreis Düren, betont Horst Boltersdorf, wird nach Mitarbeitern gesucht.

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