Spielanlage am Jugendstil-Kraftwerk: „Standort denkbar ungeeignet”

Von: Beate Weiler-Pranter
Letzte Aktualisierung:
Auf der grünen Wiese, nur 200
Auf der grünen Wiese, nur 200 Meter vom Jugendstil-Kraftwerk entfernt, soll demnächst eine „Spiel- und Freizeitanlage” entstehen.

Heimbach. Viele Heimbacher Bürger sind aufgebracht. Mit Flugblättern und Unterschriftenaktionen wehren sie sich gegen eine geplante „Spiel- und Freizeitanlage”, die in unmittelbarer Nähe des historischen Jugendstil-Kraftwerks entstehen soll.

Auf einer 20 617 Quadratmeter großen, privaten Grünfläche, nur 200 Meter vom historischen Kraftwerk entfernt, soll das zukünftige Freizeitprojekt realisiert werden. Im alten Baumbestand direkt neben dem Staubecken ist ein „Waldseilgarten” geplant. In luftiger Höhe - auf einem Niveau von zwei bis zu 18 Metern - sollen zwischen 40 Eichen und Hainbuchen 61 Plattformen installiert werden, die mit 60 schwingenden Brückenelemente miteinander verbunden sind.

Hauptattraktion wird eine 175 Meter lange „Luftseilbahn”. Gesichert mit Klettergurten und Karabinerhaken können die Besucher von einer noch zu bauenden, fünf Meter hohen Start-Rampe an einem Seil über die Wiese den Hang hinunter gleiten. So landen sie direkt in den Wipfeln des Kletterwaldes 15 Meter über dem Erdboden.

„Wir stellen uns nicht gegen eine Zukunftsentwicklung und begrüßen ausdrücklich die Idee zur Steigerung der Attraktivität von Heimbach für jüngere Gäste und Familien mit einem Klettergarten mit Waldseilbahn. Der geplante Standort ist aus unserer Sicht jedoch denkbar ungeeignet”, ist auf einem der Flugblätter zu lesen, die in Heimbach kursieren. Egal, ob passionierter Wanderer oder engagierter Anwohner.

Was alle Kritiker des geplanten Kletter- und Seilbahngartens verbindet, ist der Wunsch, das seit über 100 Jahren idyllisch gewachsene Ambiente rund ums Heimbacher Jugendstil-Kraftwerk mit architektonischem und landschaftlichem Ensembleschutz zu erhalten. „Vor einigen Jahren drohte die Unesco damit, den Kölner Dom als Weltkulturerbe zu streichen, falls geplante Hochhäuser den Blick auf die Kathedrale beeinträchtigen”, gibt Felix Zimmermann zu bedenken: „Und hier sollen wir nun unser Kleinod leichtfertig für Aktionstourismus opfern?”

Elementare Schätze

Es gehe um elementare Schätze, die Heimbach zu bieten hat. Da dürfe man nicht vorschnell einem Investor ein Landschaftsschutzgebiet übergeben. „Die Verantwortlichen müssen lernen, ?nein zu sagen!” Bürgermeister Bert Züll hingegen ist von dem Projekt überzeugt. „Das ist eine tolle Sache und eine zusätzliche Attraktion für Heimbach! Hier haben Kinder und Jugendliche die Chance, aktiv zu werden”, begrüßt Bert Züll die Privatinitiative. Auch die niederländischen Investoren des Ferien-Ressorts würden sich auf das Freizeit-Projekt direkt vor ihrer „Haustür” freuen. Initiatorin Yasmin Kalmuth, selbst Mutter von drei Kindern, versteht ihr Klettergarten-Konzept als große Verantwortung. „Wir möchten besonders den jungen Menschen Verständnis für Natur nahebringen und gleichzeitig das Körpergefühl schulen. Wir sehen uns als ?Gäste im Wald. Wer die Natur nicht respektiert, bekommt von uns sofort die gelbe Karte”, erklärt die 33-Jährige.

Doch viele Heimbacher bleiben skeptisch. Sie befürchten eine zusätzliche Lärmbelästigung und demnächst ein erhöhtes Verkehrsaufkommen in der Hasenfelder Kleestraße, die zum Jugendstil-Kraftwerk führt. „Mit der Ruhe auf dem idyllischen Rundwanderweg um das Staubecken ist es dann vorbei”, mutmaßt Galeristin Marita Jaeger, die im Beirat des Vereins Heimbach Tourismus tätig ist. Auch der erste Vereins-Vorsitzende Georg Wergen findet starke Worte: „Mit der zweitbesten Lösung kann man nicht zufrieden sein!”

Schließlich solle das Freizeit-Center in einem Landschaftsschutzgebiet realisiert werden. Wie seine Mitstreiter plädiert er deshalb dafür, die Kletterlandschaft in den ehemaligen Heimbacher Märchenwald zu verlegen. Hier in Schwammenauel stünde ein Areal von 14 000 Quadratmetern mit altem Baumbestand zur Verfügung. Auch die Eigentümer des früher bereits touristisch erschlossenen Terrains - Waltraud und Franz-Josef Heuken, die Betreiber der Rursee-Schifffahrt - stehen der Idee positiv gegenüber.

Und der Heimbacher Arzt Dr. Nadim Bidaoui stellt klar: „Wir sind keine Resistance-Bewegung! Wir wollen nur unsere Bedenken äußern.” Während an Stammtischen und in Vereinen kontrovers diskutiert wird, nutzen viele Bürger die Möglichkeit, sich im Rathaus selbst zu informieren. Bis einschließlich 30. März liegen die Pläne, Zeichnungen und Gutachten zur projektierten „Spiel- und Freizeitanlage” in Zimmer 14 für jeden zugänglich aus.

Der kommende Freitag ist somit für die Heimbacher ein entscheidender Tag, denn bis zu diesem Datum können mögliche Einwände sowohl gegen das von Trianel geplante, gigantische Pumpspeicherkraftwerk, als auch gegen den projektierten Kletterpark hinterlegt werden. Auch die nächste, öffentliche Sitzung des Heimbacher Stadtrates wird vermutlich auf reges Bürgerinteresse stoßen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert