Staukarte

Spezialkräfte zerstören neuen Tunnel der Braunkohlegegner

Von: Sarah Maria Berners und Marlon Gego
Letzte Aktualisierung:
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Der Eingang in das Tunnelsystem liegt in einer alten Kiesgrube bei Morschenich, die schon seit vielen Jahrzehnten nicht mehr genutzt wird. Foto: Freiwillige Feuerwehr Merzenich
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Am Montagnachmittag war der Einsatz beendet. Der Tunnel wurde zerstört und drei Baumhäuser der Aktivisten entfernt. Foto: Feuerwehr
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Der Eingang in das Tunnelsystem liegt in einer alten Kiesgrube bei Morschenich, die schon seit vielen Jahrzehnten nicht mehr genutzt wird. Foto: Freiwillige Feuerwehr Merzenich
Hambacher Forst
Spezialkräfte der Polizei haben den unterirdischen Gang am Montagmorgen genau unter die Lupe genommen. Foto: Berners
Hambacher Forst
Spezialkräfte der Polizei haben den unterirdischen Gang am Montagmorgen genau unter die Lupe genommen. Foto: Berners
Hanbacher Forst Tunnel
Spezialkräfte haben den unterirdischen Gang am Montagmorgen genau unter die Lupe genommen. Foto: Berners

Merzenich. Dass die Polizei am Montag wieder im Hambacher Forst war, beschreibt eher die Normalität als die Ausnahme, aber am Montag war das Polizeiaufgebot besonders groß. Ein Jäger hatte nahe des Aktivistencamps in Merzenich-Morschenich in einer stillgelegten Kiesgrube einen Stollen entdeckt, den wahrscheinlich die Aktivisten in den vergangenen Wochen oder Monaten dort gegraben haben.

Die Polizei umstellte die Aktivisten am Montag in ihrem Camp und begann, die Böschung, in die der Stollen gegraben war, schrittweise abzutragen oder zu verfüllen.

Es ist nicht der erste Stollen, der den Behörden zu schaffen macht, schon im November 2012 hatte ein Aktivist die Polizei vier Tage lang beschäftigt. Er hatte sich in einem selbst gegrabenen Tunnelsystem im Hambacher Forst verschanzt, um die Rodung des Waldes zu verhindern. Während die übrigen Besetzer am ersten Tag der Räumung schnell von den Bäumen geholt worden waren, machte vor allem der in verschiedenen Medien „Maulwurf“ genannte junge Mann deutschlandweit Schlagzeilen.

„Unfassbar und befremdlich“

Nach Informationen unserer Zeitung sollen Aktivisten den neuen Tunnel in der Kiesgrube gegraben haben, um den Bau eines sogenannten Sümpfungsbrunnens in der Nähe der Kiesgrube behindern zu können. Mit den Arbeiten am Brunnen soll in Kürze begonnen werden. RWE betreibt viele dieser Sümpfungsbrunnen im Rheinischen Revier, mit ihrer Hilfe wird der Pegel des Grundwassers kontrolliert. RWE wollte am Montag auf Anfrage unserer Zeitung keine Stellung dazu beziehen, das Problem sei ja erledigt.

Das Camp der selbst ernannten Klimaaktivisten am Ortsrand von Morschenich, die seit Jahren mit Besetzungen von sich Reden machen, ist von der alten Kiesgrube nur wenige Hundert Meter entfernt, ebenso in Sichtweite sind die immer näher rückenden Bagger des Tagebaus. Das Gebiet, in dem der neue Tunnel liegt, wird Ende kommenden Jahres Teil des Tagebaus werden.

Am Montag bestimmten Polizeiautos, Reiterstaffeln und patrouillierende Polizisten das Bild rund um den Tagebau, denn nicht nur der Tunnel wurde entfernt. Der Landesbetrieb Wald und Holz entfernte darüber hinaus im Hambacher Forst drei Baumhäuser, die die Aktivisten gebaut hatten. Der Landesbetrieb sprach von „Verkehrssicherungspflicht“, die Aktivisten und ihre Sympathisanten von einer „unnötigen Provokation“.

Antje Grothus, Sprecherin der Tagebaugegner „Buirer für Buir“, erklärte gegenüber unserer Zeitung, der Großeinsatz am Montag sei „unfassbar und befremdlich“, da verschiedene Initiativen und die Aktivisten „gerade an einem Friedensplan für den Hambacher Forst“ arbeiten würden. Ein Teil des Problems könnte allerdings sein, dass nicht jeder von diesem Friedensplan weiß.

Ein von den Dürener Grünen Ende Januar vorgeschlagenes Schlichtungsverfahren, wie es zum Beispiel bei Stuttgart 21 eingesetzt wurde, war von den Aktivisten abgelehnt worden. In einer Mitteilung auf ihrer Homepage hieß es, das Aktivistencamp habe „eine offene Struktur, in der Menschen eigenverantwortlich agieren und ein Konsens bezüglich Aktionen daher nicht erreicht werden“ könne. Es sei nicht sichergestellt, dass eventuell erreichte Kompromisse „von allen Aktivisten respektiert und eingehalten würden“, sagte ein Sprecher der Aktivisten noch Montagnachmittag gegenüber unserer Zeitung.

Dass nun intern über einen Friedensplan diskutiert werde, sei ihm völlig neu, sagte am Montag RWE-Sprecher Guido Steffen. Allerdings konnte Steffen seine Enttäuschung für die weitgehende Ablehnung eines Schlichtungsverfahrens im Kreis der Aktivisten kaum verbergen. „Wenn die Bedingung für eine Schlichtung oder einen Friedensplan ist, dass RWE umgehend seine Tagebaue schließen soll, wie aus dem Kreis der Aktivisten verlautet, hat das mit einem Kompromiss nichts zu tun und ist keine Verhandlungsgrundlage“, sagte Steffen. RWE macht also weiter wie bisher, was bedeutet: Keine Ruhe für den Hambacher Forst .

Nach Informationen unserer Zeitung steht eine Mehrheit der Aktivisten einem Schlichtungsverfahren positiv gegenüber. Das Problem ist eine kleine Gruppe militanter Aktivisten, die offenbar lieber weiterkämpfen, bis der Hambacher Forst endgültig verschwunden ist, als auf diplomatischem Weg um den Erhalt wenigstens eines Rests des Waldes zu verhandeln.

Die Merzenicher Gemeindeverwaltung konnte auf Friedenspläne oder Schlichtungen am Montag allerdings keine Rücksicht nehmen. Sie hatte die Polizei um Hilfe gebeten und auch die Grubenwehr eingeschaltet. Ihr Ziel: Der neue Tunnel muss weg. Aus Sicht der Gemeinde stellt der illegale Stollen eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit dar, da beispielsweise jederzeit spielende Kinder gefährdet werden könnten. Die Aktion sollte noch bis in den Abend hinein dauern.

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