Sperrzone Drehfunkfeuer: Rat und Verwaltung „zum Warten verdammt“

Von: Dietmar Engels
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Nörvenich. So ratlos wie vor der Sitzung ließen die eingeladenen Fachleute am Dienstagabend die Mitglieder des Bauausschusses der Gemeinde zurück. In der Expertenanhörung sollte die Frage geklärt werden, ob auf dem Gebiet der Fliegerhorstgemeinde Windkraftanlagen von über 100 Metern Gesmthöhe errichtet werden können. Ergebnis: Man weiß es (noch) nicht.

Dr. Timo Czech von der CDU fasste die Referate und Diskussionen so zusammen: „Wir sind zum Warten verurteilt.“ Zu den Experten, die im Bauausschuss sprachen, gehörte Ministerialrat Dahlke vom Landesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz. Er ließ keinen Zweifel daran, dass er die von der Deutschen Flugsicherung verfügten neuen Regelungen für weit überzogen hält.

Am Militärflugplatz in Nörvenich wird ein so genanntes Drehfunkfeuer betrieben. Das hilft dem zivilen und militärischen Flugverkehr bei der Navigation. Bis vor kurzem war es erlaubt, hohe Bauwerke wie moderne Windkraftanlagen zu errichten, wenn sie mindestens drei Kilometer vom Drehfunkfeuer entfernt sind. Diese Zone ist zur Überraschung (nicht nur) der Verantwortlichen in der Gemeinde Nörvenich auf satte 15 Kilometer erweitert worden. Bleibt es bei dieser neuen Vorschrift, dann kann nirgendwo in der Fliegerhorstkommune ein hohes Windrad errichtet werden.

Der Ministerialrat berichtete, dass landes- und sogar bundesweit Prozesse gegen die verfügte deutliche Ausweitung der Sperrzone geführt würden. Auch seien etliche Gutachten in Auftrag gegeben worden, die klären sollen, ob und in welchem Umfang hohe Windräder tatsächlich das Drehfunkfeuer-System beeinträchtigen.

„Sehr dünne Grundlage“

Die vorläufige Bilanz des hohen Ministerialbeamten: „Bisher sind die Annahmen der Deutschen Flugsicherung von Wissenschaftlern nicht bestätigt worden. Das Ganze scheint auf einer sehr dünnen naturwissenschaftlichen Grundlage zu stehen. Ich hoffe, dass die verschärften Regelungen wenigstens zum Teil wieder zurück genommen werden“.

Im gleichen Sinne äußerte sich Professor Diplom-Ingenieur Dölecke, der von der Dürener REA GmbH als möglichem Investor zu der Anhörung eingeladen worden war. Der Professor hat selbst 16 Jahre bei der Deutschen Flugsicherung gearbeitet, als diese noch staatlich war. Dölecke, der etlichen Beschwerdeführern bei ihrem Kampf gegen die neuen Bestimmungen beratend zur Seite steht, meinte, die 15-Kilometer-Grenze werde wieder fallen: „Auf drei Kilometer wird sie ganz sicher nicht zurückgenommen. Aber ich denke, dass ein Kompromiss gefunden wird.“

Die Gemeinde Nörvenich steckt in einem Dilemma: Für die vorbereitenden Planungen zur Ausweisung von Konzentrationszonen für Windkraftanlagen hat sie bereits etwa 30.000 Euro ausgegeben. Weitere 20.000 Euro sind noch einzukalkulieren. Das Geld wäre in den Sand gesetzt, wenn es bei den besagten 15 Kilometern bliebe. Andererseits: Wenn die Gemeinde keine Konzentrationsflächen ausweist und die umstrittene neue Regelung ganz oder teilweise zurück genommen wird, dann muss jeder Antrag auf Errichtung eines Windrades für sich alleine geprüft werden. Das könnte zu einem gewissen „Wildwuchs“ führen, an dem niemandem gelegen sein kann.

Die für den Luftverkehr zuständigen Behörden und Dienststellen wollen sich demnächst erklären, wie es weiter gehen soll. Bis dahin gilt Dr. Czechs Einschätzung: „Wir sind zum Warten verdammt.“

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