Speed-Debating im Rathaus: Schüler stellen Beamte zur Rede

Von: Stephan Johnen
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Schulsozialarbeiterin Katrin Malig (links) und Lehrerin Alexa Eckstein haben die Veranstaltung organisiert.
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Beim Speed-Dating im Dürener Rathaus wurde am Freitagmorgen eifrig diskutiert. Foto: Stephan Johnen

Düren. Reichen wenige Minuten, um sich mit dem Leiter des Jugendamtes über die Unterbringung von Flüchtlingskindern zu unterhalten? Und ist es möglich, den Masterplan Innenstadt derart komprimiert zu erklären? Zu einem Speed-Debating der besonderen Art waren am Freitag 20 Schüler des Stiftischen Gymnasiums im Dürener Rathaus.

Sie hatten Bürgermeister Paul Larue (CDU), Vertreter von Ämtern, der Polizei und des Vereins „Freifunk“ zu einem Kennenlernen, aber besonders zu einem Gedankenaustausch eingeladen. Zehn Mal sieben Minuten hatte jeder Schüler Zeit, um die im Vorfeld ausgearbeiteten Fragen zu stellen. Zehn Mal wurde an den Tischen gewechselt, zehn Mal wurde nachgefragt und nachgehakt.

„Wir haben schon Interesse an Politik“, widersprach Schülerin Julia Gülpen der gerade der jüngeren Generation gerne attestierten Politikverdrossenheit. „Doch wir wissen nicht, an wen wir unsere Fragen konkret richten können“, sagte die 15-Jährige. Diese Erfahrung hat auch Schulsoziarbeiterin Katrin Malig gemacht. In Zusammenarbeit mit Deutschlehrerin Alexa Eckstein und dem Jugendamt entstand die Idee, ein Speed-Debating mit Politikern und der Verwaltung auszuprobieren. Aufgrund der Erfahrung in der Arbeitsgemeinschaft „Jugend debattiert“ waren die Schüler handwerklich gut für die Veranstaltung am Freitagmorgen gerüstet, in ihrer Freizeit haben sie sich zusätzlich fünf Mal nachmittags getroffen, um die Fragen auszuarbeiten und sich in Themen einzuarbeiten.

„Wenn nur sieben Minuten zur Verfügung stehen, muss man sich eben gut vorbereiten“, erklärte Kathrin Rau. Das Spektrum der Fragen reichte von der Stadtentwicklung bis zur Integration von Flüchtlingen in die Gesellschaft. „Man erfährt viel über Flüchtlinge in den Medien, aber persönliche Kontakte gibt es kaum, wir haben viele Fragen“, berichtete die 16-Jährige. Im Gespräch mit Jugendamtsleiter Ansgar Kieven erfuhr sie unter anderem, welche Qualifikationen an Gastfamilien gestellt werden und wie die Familien darauf vorbereitet werden, ein Pflegekind aus einem anderen Kulturkreis aufzunehmen.

Einen Tisch weiter waren Mitschüler in das Gespräch mit Polizeibeamten vertieft. Eine Frage, die auch Jugendliche umtreibt, ist die nach der Sicherheit in Parkanlagen und auf Plätzen. Wie kann Bürgern wieder das Sicherheitsgefühl zurückgegeben werden, wie steht es um die Drogenkriminalität in der Stadt, wollten die Schüler unter anderem wissen. Viel diskutiert wurde auch mit Bürgermeister Paul Larue und Berthold Becker vom Jugendamt über das Thema Mitbestimmung/Teilhabe.

„Es bringt uns in der Verwaltung nichts, über euch zu reden“, sagte Becker. Erfreut nahmen die Schüler daher die Aussage Beckers zur Kenntnis, dass es ein Jugendcafé geben soll, an dessen Gestaltung sich Jugendliche beteiligen können. Paul Larue unterstrich, dass Politik und Verwaltung stets an der Meinung der Jugendlichen interessiert seien. Das Speed-Dating sei ein Stein in einem ganzen Mosaik.

An jeder Station protokollierte ein Schüler die Gespräche, die Ergebnisse werden kommende Woche zusammengefasst. In einem Jahr soll es ein Treffen geben, um über Fortschritte reden zu können. Das Protokoll half auch dabei, dass andere Schüler den Faden bei nicht oder nicht ausreichend beantworteten Fragen wieder aufnehmen konnten. Einigkeit herrschte bei Schülern, Organisatoren und „Debating-Partnern“, dass dieser Versuch, ins Gespräch zu kommen, geglückt ist. „Das war eine ganz neue Erfahrung“, bilanzierte Schülerin Julia Gülpen. „Ich hoffe, dass sich auch etwas bewegt.“

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