SPD fordert Kürzung der Zuschüsse für das Museum

Von: Stephan Johnen
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Waffensammlung oder Museum? Die SPD-Fraktion fordert, die Zuschüsse zu kürzen, bis Teile der Ausstellung überarbeitet worden sind. Foto: sj

Vossenack. Die Kritik ist nicht neu. Das Museum „Hürtgenwald 1944 und im Frieden“, das von Ehrenamtlern aufgebaut wurde und betrieben wird, entspreche nicht den musealen Standards, es sei vielmehr eine Waffenschau. Wissenschaftler hatten das Museum unter die Lupe genommen, die Ausstellung analysiert, und im Sommer 2010 ein Gutachten an den Geschichtsverein Hürtgenwald geschickt. Ihr Fazit: Eine Neuausrichtung muss her.

Weniger Waffen, mehr Worte: Unter diesem Leitsatz hatte der Geschichtsverein 2011/2012 mit Veränderungen begonnen. Die bisherige Umstrukturierung der Ausstellung reiche aber nicht aus, findet SPD-Fraktionschef Rainer Polzenberg. Seine Fraktion fordert im Gemeinderat Konsequenzen. Die 2200 Euro, die die Gemeinde dem Verein jährlich als Betriebskostenzuschuss gewährt, sollen so lange gesperrt werden, bis die Ausstellung überarbeitet worden ist. Es mangele weiter oft an Distanz zum Gezeigten, findet Polzenberg. „Nicht alles, was gut gemeint ist, ist auch gut gemacht“, will er die Arbeit der Ehrenamtler nicht schlechtreden. Weniger Verständnis habe er aber dafür, dass die angebotene Hilfe der Wissenschaftler bislang nicht angenommen worden sei. „Wir reden über öffentliche Gelder. Da kann ein Gemeinderat verlangen, dass diese auch politisch korrekt verwendet werden“, erklärt Polzenberg. Die Gemeinde müsse auf eine Umstrukturierung des Museums bestehen.

„Eine Kürzung der Zuschüsse wird niemanden motivieren, etwas zu verändern“, lehnt CDU-Fraktionschef Dr. Reinhard Odoj den SPD-Antrag ab. „Gleichwohl muss es eine öffentliche Diskussion geben.“ Er findet, dass die Gemeinde den Verein bei dem „notwendigen Veränderungsprozess“ begleiten müsse. „Einer, der die Initiative ergreifen sollte, ist der Bürgermeister“, fordert Odoj eine klare Positionierung.

Hürtgenwalds Bürgermeister Axel Buch sieht ebenfalls Gründe, die Ausstellung zu überarbeiten, mahnt aber zu einer realistischen Einschätzung der Möglichkeiten im Verein. Schließlich gebe es keine großen Geldsummen, mit denen die Arbeit unterstützt werden könne. „Ich kann derzeit nicht feststellen, dass das Gezeigte Schaden anrichtet“, urteilt er mit Blick auf die Ausstellung. Zunächst soll im kommenden Jahr eine Sitzung mit allen Ratsvertretern im Museum stattfinden. Alle Politiker sollen auf den neuesten Stand der Arbeiten gebracht werden.

„Dokumentationsflächen wurden verändert und umstrukturiert, teils auf kosmetische aber auch inhaltliche Art“, geht Rainer Valder, Vorsitzender des Geschichtsvereins, auf die Kritik ein. Der Prozess sei noch nicht abgeschlossen. „Der Geschichtsverein verwaltet die Ausstellung im Auftrag der Gemeinde ehrenamtlich und tut dies mit großem Verantwortungsbewusstsein. Die gestaltenden Köpfe sind durchaus willens, Veränderungen durchzuführen, doch dies geht nur mit kleinen Schritten, alle Ehrenamtler müssen überzeugt und auf dem Weg mitgenommen werden“. Der Geschichtsverein sei zu konstruktiven Gesprächen bereit und bitte um tatkräftige Unterstützung. „Niemand steckt den Kopf in den Sand.“

Um sich ein Bild davon zu machen, inwieweit die Vorschläge umgesetzt worden sind, hatte Dr. Karola Fings, stellvertretende Direktorin des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln und Mitautorin des Gutachtens, das Museum nach den Umstrukturierungsarbeiten besucht. „Es hat sich etwas geändert. Aber es handelt sich meist um Kosmetik“, bedauert sie. Das Museum entspreche weiterhin nicht den Standards.

In jüngster Vergangenheit habe der Geschichtsverein nach längerer Funkstille den Kontakt zu ihr gesucht, berichtet Karola Fings. „Alles, was es zum Museum zu sagen gibt, ist allerdings gesagt worden.“ Gutachten und damit Handlungsempfehlungen liegen vor. Der Verein müsse sich über zwei Dinge im Klaren sein: „Was will der Verein mit dem Museum? Wie ist sein Verhältnis zum Nationalsozialismus?“, führt sie aus. „Erst wenn diese Fragen unmissverständlich beantwortet sind, sind weitere Gespräche sinnvoll.“ Das Angebot zur Hilfe bestehe unter diesen Voraussetzungen nach wie vor – und auch für eine Sitzung im Museum stehe sie zur Verfügung.

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