Sparkassen-Bilanz: „Wir wollen keine Internet-Bank werden“

Von: Stephan Johnen
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Zogen eine „befriedigende Bilanz“: Dr. Gregor Broschinski, Uwe Willner und Udo Zimmermann (von links). Im Hintergrund ist die mobile Sparkassen-Filiale zu sehen, die neu angeschafft worden ist. Foto: Johnen

Kreis Düren. Es wird auch für die Sparkasse Düren schwieriger, angesichts der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank Geld zu verdienen. „Wir blicken auf ein Jahr voller Herausforderungen zurück“, bilanzierte am Dienstag der Vorstandsvorsitzende Uwe Willner.

Nach dem Rekordergebnis von 14 Millionen Euro im Jahr 2014 weist die Bilanz nun einen Gewinn in Höhe von zwölf Millionen Euro aus. Was auf den ersten Blick wie ein Rückgang aussieht, erweist sich bei genauem Hingucken als leichte Steigerung. Im vorausgegangenen Jahr sorgten 3,5 Millionen Euro Steuerrückflüsse für einen einmaligen Anstieg des Ergebnisses.

Lässt man diese Summe außen vor, stieg der Gewinn von 10,5 Millionen im Jahr 2014 auf zwölf Millionen Euro im Jahr 2015. Willner und seine Vorstandskollegen, Dr. Gregor Broschinski und Udo Zimmermann,  sprachen dennoch nur von einem „befriedigenden Ergebnis“. „Es wird enger“, sagte Willner. Die gesamte Branche habe mit sinkenden Margen zu kämpfen.

„Wir mussten fünf Prozent mehr Geschäft machen, um rückläufige Erträge abzufedern“, rechnete Uwe Willner vor. Das aktuell positive Ergebnis könne nicht darüber hinwegtäuschen, dass „neben den sinkenden Zinserträgen steigende Sach- und Personalkosten weitere große Herausforderungen darstellen“.

Die Überarbeitung der Filial-struktur, die neben der Einrichtung von Selbstbedienungsfilialen auch die Schaffung neuer Beratungszentren und den Neubau einer Filiale in der „Neuen Mitte Niederzier“ vorsieht (wir berichteten), trage dem veränderten Nutzungsverhalten der Kunden Rechnung und ermögliche mehr Beratung. Dass künftig bis zu 50 Mitarbeiter weniger im Service benötigt werden, verschwieg Willner nicht.

„Es wird keine Kündigungen geben, aber wir werden etwas abspecken müssen“, sagte er. Die Zahl der Kundenberater solle dafür erhöht werden, neue Angebote wie das „Dialog-Center“ für Telefon-Banking, die mobile Filiale und der Service, sich Geld nach Hause bringen zu lassen, sollen den Kundenservice verbessern.

„Es ist ärgerlich, wenn wir einen Kunden verlieren“, sagte Willner. Die Sparkasse müsse aber auch dafür  Sorge tragen, sich für die Zukunft zu rüsten und die eigene Unabhängigkeit zu bewahren.

„Wir wollen keine Internet-Bank werden“, versicherte Uwe Willner. Dass das Internet aber eine immer größere Rolle im Leben der Sparkassen-Kunden spielt, verdeutlichte Vorstandsmitglied Dr. Gregor Broschinski. Mittlerweile sind 56 Prozent der Konten für das Online-Banking freigeschaltet.

Doch zurück zur Bilanz 2015. Die Sparkasse hat das Kreditgeschäft um 47 Millionen auf 2,695 Milliarden Euro ausgeweitet, die Einlagen der Kunden stiegen um 110 Millionen auf 2,656 Milliarden Euro. Häuslebauer und Immobilienkäufer liehen sich zusätzliche 46 Millionen Euro von der Sparkasse. Die wirtschaftliche Lage der Unternehmen in der Region sei gut, die Bereitschaft, Geld zu investieren, sei jedoch gesunken. Die Kreditvergabe an Unternehmen und Selbstständige liegt mit 1,056 Milliarden Euro auf Vorjahresniveau.

Dafür steige der Konsum bei den Privatkunden. „Es möchte niemand mehr sparen“, sagte Uwe Willner. Geld werde für Anschaffungen oder den Hausbau genutzt, oder um Schulden zu tilgen. Die zunehmende Vernachlässigung der Altersvorsorge gerade bei jungen Menschen bereitet dem Vorstandsvorsitzenden aber Sorgen.

„Was passiert in 20 bis 25 Jahren?“, wollte er wissen. Angesichts der niedrigen Zinsen sollte „an Aktien und Sachwerten kein Weg vorbeiführen“, fügte Udo Zimmermann hinzu. Schon mit kleinen Sparverträgen könne auf mittlere und lange Sicht ein kleines Vermögen aufgebaut werden.

Die Frage, welcher Teil des Gewinns in Höhe von zwölf Millionen Euro an die Stadt und den Kreis Düren als Eigentümer ausgeschüttet wird, ist noch offen. In der Vergangenheit lag die Quote bei 50 Prozent, eine Entscheidung wird in der kommenden Woche die Zweckverbandsversammlung treffen.

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