Spargel und Erdbeeren ertrinken

Von: Jörg Abels
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Die Gummistiefel waren für Spargel-Landwirt Heiner Lövenich in den vergangenen Wochen unverzichtbar. Foto: Abels
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Franziskus-Kirche Vossenack

Düren. „Mai kühl und nass, füllt dem Bauern Scheun‘ und Fass“, lautet eine alte Bauernregel. Und was ist, wenn dann auch noch der Juni extrem feucht ist? „Dann droht Pilzbefall“, erklärt Kreislandwirt Erich Gussen. „Natürlich haben unsere Böden im Mai dringend Wasser benötigt“, betont der Experte. Aber gleich so viel?

Was anfangs gut für das Wachstum von Zuckerrüben, Kartoffeln und Getreide war, wird allmählich zu einem großen Problem. Man könne zwar etwas gegen den Pilzbefall unternehmen, nur koste jede Behandlung natürlich Geld. „Wir brauchen jetzt dringend Sonne, damit das Kraftwerk Pflanze richtig arbeiten kann“, erklärt Gussen. Wie sich der nasse Frühsommer auf die Getreide- und Zuckerrübenernte auswirken wird, könne man aber noch nicht sagen, betont er.

Ganz anders sieht das bei Spargelbauer Heiner Lövenich aus. Kurz vor dem Abschluss der Saison, die traditionell am Johannistag, dem 24. Juni, endet, spricht der Gürzenicher von erheblichen Einbußen. „Im Vergleich zu einer Durchschnittsspargelernte hatten wir witterungsbedingt in den vergangenen Wochen etwa 10 bis 15 Prozent weniger Ertrag“, betont Lövenich. Ende März habe man auf den mit Mini-Tunneln abgedeckten Feldern zwar bereits die ersten Stangen stechen können, beim Freilandspargel aber sei im April so gut wie nichts passiert. Erst Ende April/Anfang Mai kam der erste Freilandspargel auf den Markt. „Die frühen Feiertage sind quasi an uns vorbeigegangen.“

Und dann kam der Regen: „Wir haben auf den Feldern zeitweise knöchel-, ja sogar knietief im Wasser gestanden“, berichtet der Landwirt. „Das mag der Spargel überhaupt nicht.“ Dazu sei eine gedämpfte Nachfrage gekommen: Weil sich kein richtiges Frühlings- und Frühsommerwetter einstellen wollte, hätten viele auch weniger Appetit auf Spargel gehabt.

Die Saison jetzt einfach um ein paar Tage zu verlängern, kommt für Heiner Lövenich im Übrigen nicht in Frage. „Die Spargelpflanzen brauchen jetzt ihr Wachstum, um Kraft zu sammeln für das kommende Jahr. Wenn ich jetzt länger ernte, würde ich der Pflanze nur schaden.“ Noch ein paar Tage ist das weiße Gold auf dem Markt erhältlich. Lövenich geht davon aus, dass er Mitte der kommenden Woche die letzten bis zum Wochenende gestochenen Stangen sortiert und im Verkauf hat.

Hält sich das Minus beim Spargel noch geradeso im Rahmen, so ist es bei der Erdbeere, der zweiten klassischen Frühjahrsfeldfrucht, extrem. Lövenich, der auch Erdbeeren anbaut, spricht von einem „Trauerspiel“. „Weil es ja nicht nur nass, sondern auch warm war, sind die Früchte weiter gereift und wurden dann vom Starkregen kaputt geschlagen“, erklärt der Landwirt. Er geht davon aus, dass auch im Raum Düren deutlich mehr als die Hälfte der Erdbeerernte in den vergangenen Wochen dem Wetter zum Opfer gefallen ist.

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