Spannungen: „Das Festival lebt von der Atmosphäre“

Letzte Aktualisierung:
12439413.jpg
Dr. Hans-Joachim Güttler blickt auf eine ereignisreiche und spannende Woche zurück. Foto: Stephan Johnen

Heimbach. Die 6000 Karten waren schnell vergriffen. Ausruhen wollen sich die Organisatoren des Kammermusikfestivals „Spannungen“ darauf aber nicht. „Angesichts eines älter werden Publikums sind wir nicht von der Pflicht entbunden, uns Gedanken über die Zukunft zu machen“, sagt Dr. Hans-Joachim Güttler, Vorsitzender des Kunstfördervereins Kreis Düren, im Gespräch mit DZ-Redakteur Stephan Johnen.

Am Sonntag ging das Festival im Heimbacher Wasserkraftwerk zu Ende, die Planungen für die 20. Auflage beginnen bald.

 

Herr Güttler, das Festival hat eine Woche lang unter anderem die Rolle von Flüchtlingen in der Musik aufgezeigt. In Ihrer Eröffnungsrede haben Sie betont, dass eine Gesellschaft angesichts der heutigen Flüchtlingsströme nicht nur zusehen darf, sondern Stellung beziehen muss. Wird das Musik-Festival nun politisch?

Güttler: Es ist eine Gratwanderung. Nicht nur in der Musik haben wir erlebt, wie wichtig es ist, dass verfolgte Künstler in anderen Ländern eine neue Heimat und Schutz gefunden haben. Wenn ich die Bilder von hasserfüllten Gesichtern sehe und Menschen höre, die Gewaltparolen gegen Flüchtlinge skandieren, mache ich mir zunehmend Sorgen. Alle Künstler bei „Spannungen“ möchten ein Zeichen setzen, wie wichtig es ist, Menschen, die aus welchen Gründen auch immer fliehen mussten, eine Heimat zu geben. Ich möchte, dass so etwas in Deutschland möglich bleibt. Wir sind kein politisches Festival, wollen aber eine klare Positionierung nicht verschweigen.

Während der Festival-Woche wurde über den „Brexit“ abgestimmt. Wie haben Sie das Ergebnis aufgenommen?

Güttler: Nach Jahrhunderten kriegerischer Auseinandersetzungen hat das Zusammenwachsen Europas in den vergangenen Jahrzehnten Frieden gebracht. Anstatt sich auseinander zu leben, sollten wir die Völkerverständigung vertiefen.

Die Frage, welche Auswirkungen der „Brexit“ auf die Wirtschaft hat, ist offen. Machen Sie sich Sorgen um die Finanzierung des Festivals?

Güttler: Nein. Die Verträge bis 2019 sind fix, auch darüber hinaus bin ich nicht beunruhigt. Uns ist bewusst, dass Energieunternehmen wie RWE nicht erst seit dieser Woche eine schwierige Phase durchlaufen. Es gelingt uns, neue Sponsoren zu gewinnen. Viele unserer treuen Unterstützer bauen ihr Engagement sogar aus.

Würde „Spannungen“ ohne das Wasserkraftwerk funktionieren?

Güttler: Nein. Aber ich bin überzeugt, dass RWE sich auch bewusst ist, welche Rolle dieses Festival spielt – und was das für das Image des Unternehmens bedeutet.

„Spannungen“ wird im kommenden Jahr 20. Wann wird es den Zuhörern langweilig?

Güttler: Ich sehe kein nachlassendes Interesse. Der ungebrochene Zuspruch entbindet uns aber nicht von der Verpflichtung, uns angesichts eines älter werdenden Publikums Gedanken über die Zukunft zu machen. Wir versuchen ständig, neue Zuhörer zu gewinnen.

Wie kann dies gelingen?

Güttler: Durch kontinuierliche Veränderung. Bei den Zusatzkonzerten laden wir schon heute ein ganzes Kammerorchester ein. Lars Vogt steht dann nicht als Pianist und Künstlerischer Leiter auf der Bühne, sondern als Dirigent. Wir könnten sicher noch andere Orchester, die gut zu „Spannungen“ passen, einladen. Denkbar ist auch, dass wir verstärkt auf ein bestimmtes Motto setzen und dieses in unterschiedlicher Art und Weise beleuchten.

Welcher Schritt ist undenkbar?

Güttler: Renommierte Ensembles wie auf einer Perlenschnur angereiht einladen, die morgen anreisen, spielen und nachts abreisen. Das widerspricht dem Charakter von „Spannungen“. Das Festival lebt von den gemeinsamen, öffentlichen Proben, der Atmosphäre.

Es ist wie Urlaub für Künstler, an dem Zuhörer teilhaben können?

Güttler: Es ist schon schwere Arbeit. Nennen wir es einen Arbeitsurlaub.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert