Spannende Begegnung, die in Erinnerung bleiben wird

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Der afghanische Autor Taqi Akhlaqi besuchte den Leistungskurs Deutsch (Q2) am Stiftischen Gymnasium.

Düren. Den Zoo von Kabul, der Hauptstadt Afghanistans, besuche er regelmäßig, sagt Taqi Akhlaqi. Er lebt und arbeitet zurzeit als Stipendiat im Heinrich-Böll-Haus in Langenbroich. So sei auch die Idee entstanden, die Kurzgeschichte „Der Wolf im Zoo von Kabul“ zu schreiben, die das Problem von Identität umkreist.

Kurz bevor sein viermonatiger Aufenthalt in Deutschland endet, ergab sich für den Schriftsteller aus Afghanistan die Gelegenheit, zwei Oberstufenkurse am Stiftischen Gymnasium zu besuchen. Dr. Achim Jaeger hatte den Autor gemeinsam mit Stefan Knodel (Düren Kultur) in einen Leistungskurs Deutsch und einen Grundkurs Deutsch eingeladen, um mit den jungen Leuten ins Gespräch zu kommen.

Es war eine spannende Begegnung, die allen Beteiligten in guter Erinnerung bleiben wird. Stefan Knodel führte zu Beginn der Gesprächsrunden in die Arbeit des Heinrich-Böll-Hauses in Langenbroich ein. Im Dialog mit den Schülern, die sich von Akhlaqis Kurzgeschichte beeindruckt zeigten, wurden schnell unterschiedliche Themen angesprochen: Textbezüge zu Franz Kafkas „Verwandlung“ konnten entdeckt werden, ebenso kamen die Weltliteratur, Phänomene der Mehrsprachigkeit und Alltagserfahrungen in Afghanistan und Deutschland zur Sprache. Besonders beeindruckt zeigte sich Taqi Akhlaqi, der in Afghanistan bereits mehrere Bände mit Kurzgeschichten publiziert hat, von den Zügen in Deutschland, denn solche gebe es in seiner Heimat nicht. Das Land sei ein vom Krieg geprägtes Land, Elektrizität gebe es nur fünf bis sechs Stunden pro Tag.

„Deutschland gab mir Halt“, meinte der Autor mit Bezug auf ein Gedicht von Bertold Brecht („Die Liebenden“), das er auswendig rezitierte. Im Goethe-Institut in Kabul hatte Taqi Akhlaqi begonnen, Deutsch zu lernen. Seine Leidenschaft für die Literatur habe den Wunsch geweckt, Texte von Friedrich Nietzsche im Original zu lesen. Thomas Mann, Bertold Brecht, Stefan Zweig, Robert Musil und Heinrich Böll nennt er als wichtige deutschsprachige Autoren. Sich selbst bezeichnete er als „merkwürdigen Afghanen“, der sich mit Literatur, Philosophie und Geschichte beschäftigt und seine eigene Geschichte in seine Texte einfließen lässt. So habe er auch etwas von dem Wolf im Zoo von Kabul, der sich frage, wer und was er sei.

Denn aufgewachsen und zur Schule gegangen ist Taqi Akhlaqi im Iran, seit vierzehn Jahren lebt er in Afghanistan und fühlt sich ein wenig wie ein Ausländer im eigenen Land. In Deutschland, das er zum ersten Mal besucht, fühle er sich wohl, sagt er. Vor allen Dingen habe er ungestört an seinem ersten Roman arbeiten können, der „hoffentlich bald“ ins Deutsche übersetzt werde, weil auch das Heinrich-Böll-Haus eine Rolle darin spielt.

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