Sorgen Pflanzenschutzmittel für Bienensterben?

Von: Stephan Johnen und Sarah Maria Berners
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Die Rolle von Pflanzenschutzmitteln beim weltweiten Bienensterben ist umstritten. Um die Insekten zu schützen, hat die EU den Einsatz von drei Nervengiften verboten. Foto: Stephan Johnen

Kreis Düren. Sind sogenannte Neonicotinoide für das weltweite Bienensterben mit verantwortlich? Die Rolle der Pflanzenschutzmittel ist umstritten, die Nervengifte stehen im Verdacht, den Orientierungssinn der Bienen zu stören.

Die EU hat sich dazu entschlossen, ab 1. Dezember den Einsatz von drei Mitteln für den Anbau von Mais, Sonnenblumen, Raps und Baumwolle zunächst für zwei Jahre zu verbieten. Was sagen Landwirte und Imker zu dieser Entscheidung? Die DZ hat sich umgehört.

„Diese Entscheidung hätte schon viel früher getroffen werden müssen“, sagt Imker Walter Schmidt aus Buir, der viele Völker im Dürener Raum hat. Schmidt erinnert damit daran, dass Deutschland einen derartigen Beschluss bereits einmal verhindert hatte. „Die europäischen Imker waren sehr verärgert darüber“, sagt Schmidt. Er selbst geht davon aus, dass das „hochtoxische Nervengift“ ihn in den vergangenen zwei Jahren 30 Prozent seiner Bestände gekostet hat. „Winterverluste hatte ich kaum zu beklagen, und die Schäden aufgrund von Milben erkennt man gut“, schildert der Imker. Aber seine Kästen seien einfach leer gewesen. Und das führt er auf die Neonicotinoide zurück.

Den Landwirten macht Schmidt keine Vorwürfe. Sie müssten ihren Betrieb unterhalten und das Saatgut verwenden, das angeboten werde. Vorwürfe macht der Imker den Produzenten der Stoffe und deren Aktionären, für die statt der Umwelt der Profit im Fokus stehe. Schmidt verdeutlicht, dass Landwirte und Imker wechselseitig für einander wichtig seien und sich gemeinsam positionieren sollten: Was den Bienen schade, könne auch anderen Tieren und letztlich dem Menschen schaden. Weit genug geht dem Imker und vielen seiner Kollegen der Beschluss nicht. „Wir kritisieren, dass das Verbot erst ab Dezember gilt. Bis dahin ist weiteres Saatgut ausgebracht.“

„Auch für uns Landwirte stehen die Bienen vorne an. Wir brauchen sie für die Bestäubung“, sagt Erich Gussen, Vorsitzender der Kreisbauernschaft. Die neue Regelung sei allerdings ein „europaweiter Rundumschlag“ und aus seiner Sicht für Deutschland nicht notwendig gewesen. Der Einsatz der umstrittenen Neonicotinoide sei bei uns schließlich bereits sehr restriktiv geregelt, der Einsatz bei Mais seit Jahren verboten gewesen. „In unserer Region geht es um Rapsfelder. Doch dort sehe ich die Problematik nicht“, sagt Gussen. Um die Samen der Pflanzen und später die Keimlinge vor Schädlingen zu schützen, werden die Pflanzenschutzmittel als Beizmittel eingesetzt und direkt mit dem Saatgut ausgebracht.

„Mit geringen Dosen konnte so punktgenau gearbeitet werden. Und es gab bereits gesetzliche Vorgaben zu den verwendeten Geräten, die sicherstellen, dass der Wirkstoff nur an die Pflanzen gelang“, erklärt Gussen. Da im Herbst ausgesät werde, komme in unseren Breiten keine Biene in Kontakt mit der Beize. „Wenn der Raps blüht und die Bienen fliegen, sind die Pflanzenschutzmittel abgebaut oder so stark verdünnt, dass sie nicht schaden“, sagt Gussen. Einen Zusammenhang mit dem Bienensterben könne er nicht ausschließen, aber auch Umweltfaktoren und die Varroamilben würden den Bienen zusetzen. Gussen wartet auf weitere wissenschaftliche Erkenntnisse.

Da das Verbot erst ab Dezember greift, könne die nächste Aussaat im Herbst noch wie gewohnt erfolgen. „Danach werden wir genau beobachten müssen, was geschieht“, sagt Gussen. Der Kreislandwirt befürchtet rückläufige Erträge – und bei „extremen Befall“ Ernteverluste. Schädlingen wie dem Erdfloh könne man mit „alternativen Strategien“ wie dem großflächigeren Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln begegnen, gegen die Kohlfliege allerdings sei man ohne Einsatz der Neonicotinoide „machtlos“.

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