Sommerkonzert in der „Alten Kirche“: Das Potenzial, Gemüter zu verwirren

Von: Bruno Elberfeld
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Noah Raszczyk, Iva Zurbo, Heribert Koch, Medin Vrbac und Jonathan Becker (v.l.) gaben ein abwechslungsreiches Konzert. Foto: Elberfeld

Langerwehe. Vertreter des Fördervereins „Alte Kirche“ Langerwehe erklärten das Sommerkonzert in den ehrwürdigen Mauern am Friedhof zur Tradition. Und die Hörer hatten nichts dagegen, denn was Professor Heribert Koch und seine vier jungen Schüler zu Gehör brachten, war aller Bewunderung wert.

Medin Vrbac machte den Anfang. Zielsicher und selbstbewusst ließ er seine Finger über die schwarz-weißen Tasten tanzen, obwohl – wie Meister Koch verriet – der Flügel in St. Martin nicht leicht zu spielen sei. Vrbac spielte die „Sarabande d-Moll“ von Georg Friedrich Händel. Selbstbewusst kamen Akkorde und Melodie daher und fügten sich zu einem großen Klang. Technisch nahezu einwandfrei spielte er den Tanz, eine gelungene Einleitung in das weitere Programm.

Großes Talent

Einen Höhepunkt nannte Koch den zweiten Programmpunkt. Er war in mancher Hinsicht ungewöhnlich: Die gerade erst fünfzehnjährige Iva Zurbo aus Albanien gab eine Kostprobe ihres großen Talents mit dem 1. Satz – Andante sostenuto - aus dem Klavierkonzert Nr.2g-Moll von Camille Saint-Saens. Zu einem Klavierkonzert gehört ein Orchester. Koch fand auch hierfür eine Lösung. Er selbst übernahm den Orchesterpart mit der Orgel, eine Rückkehr zu seinen musikalischen Wurzeln, denn als junger Schüler hatte Koch seinen ersten öffentlichen Auftritt an der Langerweher Kirchenorgel.

Authentisch, ohne jeden technischen Fehler, interpretierte Iva Zurbo das Werk mit viel Gefühl. Kochs begleitende Orgelmusik kam passgenau und ließ das fehlende Orchester verschmerzen.

Der zehnjährige Noah Raszczyk stellte Frederic Chopins „Walzer a-Moll“ vor. Eine immer wieder gern gespielte Komposition des Romantikers. Koch: „Pianisten lieben Chopin. Ohne ihn ist Klaviermusik nur schwer vorstellbar.“

Und dann ging es los: Jonathan Becker ließ ein Feuerwerk auf den schwarz-weißen Tasten abbrennen: „Sonate b-Moll“ von Chopin. Ein technisch unglaublich schwieriges Werk für Pianisten und für Hörer eine schwere Kost. Da war der 2. Satz – Scherzo - nichts Scherzhaftes, sondern in den meisten Passagen sehr ernst. Recht bekannt ist der 3. Satz, überschrieben mit „Marche funèbre“, oft gehört bei Staatsbegräbnissen. Eine Atempause bot Edvard Griegs „Notturno“, in Melodieführung und Rhythmus den Nocturnes von Chopin nicht unähnlich.

Drohende Dramatik

Zum Schluss spielte Jonathan Becker noch einen Chopin, und zwar das „Scherzo Nr.1h-Moll“. Auch dieses Scherzo war weit vom Scherzhafen entfernt: Es war eine schwere Ansage, laut und drohend, mit dem Potenzial, Gemüter zu verwirren.

Chopin versteht es immer wieder, in seinen Kompositionen anfänglich perlende Töne in ein lautes Rauschen zu verwandeln, das in den Schlussphasen in drohende Dramatik übergeht. Pianist Jonathan Becker umschiffte alle Klippen mit erstaunlicher Gelassenheit und großem, virtuosem Können.

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