Düren - So manche Frucht verschwindet vom Feld

So manche Frucht verschwindet vom Feld

Von: alba/sj
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Hans-Peter Wollseifen ärgert sich über die Selbstverständlichkeit, mit der manche Menschen schon einmal zugreifen. Foto: Stephan Johnen

Düren. Mundraub – bei diesem Wort muss Hans-Peter Wollseifen lachen. „Wenn es nur bei einem Äpfelchen bleiben würde“, sagt der Obstbauer aus Boich. In den meisten Fällen bleibe es nicht dabei. „Es wird schnell der Kofferraum aufgemacht“, sagt Wollseifen. „Mundraub ist in diesem Fall einfach das falsche Wort. Es wird schlichtweg geklaut.“ In der sich dem Ende zuneigenden Saison werden viele Bauern Teile ihrer Erträge an Erntediebe verloren haben, befürchtet der Obstbauer.

Werden die eher unerwünschten Erntehelfer auf frischer Tat ertappt, sei das Schuldbewusstsein nicht besonders ausgeprägt, findet Wollseifen. „Die Leute kommen mit wirklich abenteuerlichen Ausreden. ‚Es hängt doch hier‘, sagen sie.“ Auch ein Zaun biete nicht ausreichend Schutz. „In jedem Zaun ist auch eine Tür“, sagt der Obstbauer. „Zäune stehen sowieso eher wegen der Tiere, weniger wegen der Diebe. Wer will, der klaut.“

Der Diebstahl von Baum, Strauch und Feld sei eine Unart, findet Wollseifen. Eine Unart, die zunehmend von vielen Menschen als Sportart betrieben werde. Er will nicht falsch verstanden werden: „Es geht nicht um einen Apfel oder eine Erdbeere, die ein Spaziergänger mal pflückt“, sagt Wollseifen. Ihn störe die Selbstverständlichkeit, mit der manche Menschen ganze Tüten vollpacken: „Wer in einem Laden einen Radiergummi im Wert von 20 Cent mitgehen lässt, wird als Dieb verfolgt. Das ist den Leuten bewusst. Wer zu uns kommt und Obst im Wert von zehn Euro abgreift, ist sich keiner Schuld bewusst.“ Die Verluste kann der Obstbauer nicht bemessen, noch gebe es keinen Anlass, die Verluste auf Preise umzulegen. „Hoffen wir, dass es so bleibt.“

Wochenmarktbeschicker Hans-Georg Pohl kann Geschichten davon erzählen, wie manche Mitmenschen seine Felder offenbar als Selbstbedienungsladen begreifen. Als besonders dreist empfindet es Pohl, wenn über Nacht 50 bis 100 Jungpflanzen verschwinden. „Da haben sich Kleingärtner ihren Nachschub organisiert“, sagt er. Seine Einschätzung: „Es stehlen nicht die Menschen, die darben.“ Oft genug habe er beobachtet, wie Leute in „schweren Wagen“ bis ans Feld fahren und Gemüse „ernten“. Wenn er das mitbekommt, parkt er schon einmal mit seinem Traktor den Weg zu und konfrontiert die Diebe. Je nachdem, wie viel Gemüse verschwunden ist, verlangt er 20 bis 50 Euro Entschädigung. „Ich schalte sonst die Polizei ein“, sagt Pohl. Er setzt darauf, dass die Abschreckung funktioniert. Die Schäden seien „noch überschaubar, aber äußerst ärgerlich“. „Die Geiz-ist-geil-Mentalität greift um sich“, bedauert Pohl, dass es offenbar keinen Respekt vor dem Eigentum und der Arbeit der Landwirte gibt. „Wenn jemand nach der Kartoffelernte freundlich fragt, ob er nachsammeln darf, wird kein Landwirt ‚Nein‘ sagen“, stellt er klar. Auch Futter für Kaninchen gebe es gratis. „Aber die Menschen fragen ja nicht einmal.“

„Besonders Obst- und Gemüsebauern klagen schon einmal über Diebstahl“, sagt Kreislandwirt Erich Gussen. Je näher ein Feld am Weg und je besser dieser Weg ausgebaut sei, desto eher verschwinde etwas. Aktuell würden gerne auch Maiskolben abgebrochen. Als Herbst-Deko.

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