„Skunk“-Sitzung: Die apokalyptischen Reiter haben Burnout

Von: Stephan Johnen
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Herzlich willkommen im „Skunk“-Resort. Während sich die antiken griechischen Götter noch gegen eine drohende Abschiebung auf den Olymp wehrten,... Foto: Johnen
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... lieferte der hoteleigene Poet „Wortmaterial“ für die politische Agitation gegen Windräder. Foto: Johnen
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Grandios war die „Gollum“-Szene zur Frage der politischen Loyalität. Foto: Johnen
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Die apokalyptischen Reiter hatten sichtbar wenig Spaß mit ihren Smoothies. Foto: Johnen

Düren. Es macht keinen Spaß mehr. Das Fernsehprogramm ist miserabel, überall stehen Flüchtlinge Schlange, Mohrenköpfe heißen Schaumküsse, hartgesottene Neonazis fühlen sich von syrischen Großfamilien gemobbt und schlechte Musik beherrscht die Charts.

Die Mitglieder der „Skunk“ KG haben bei der Premiere ihrer kabarettistischen Karnevalsrevue gleich zu Beginn das Jahr 2015 Revue passieren lassen.

Dass die anarchistischen „Stinktiere“ aus dem „Komm“-Zentrum mit ihrer Vorliebe zur bissigen Ironie dabei kein Blatt vor den Mund nahmen und gerne auch über das Ziel hinausschossen, gehört seit mittlerweile 15 Jahren zum guten Ton. Doch was ist angesichts all dieses Elends zu tun? Kaperten die „Skunks“ im vergangenen Jahr noch einen Piratensender, nehmen sie mit ihrem neuen Programm seit Donnerstag nun eine Auszeit im „All-Inclusive-Skunk-Resort“ auf Schloss Burgau, der perfekten Alternative zur Realität. Ist das wirklich so?

Die Insel der Glückseligen

Zumindest in der Theorie. Denn die Realität holte die Anarcho-Karnevalisten auf ihrer Flucht in die heile Welt ziemlich schnell ein. Es tauchten Gäste auf, die so gar nicht zum Stammpersonal auf der Insel der Glückseligen passen wollten. Eher harmlos führten sich da noch die führenden Politiker der Dürener „Ampel“-Koalition im Stadtrat auf, die fleißig daran arbeiteten, die Ziele für das Jahr 2016 umzusetzen: Sie färbten Ostereier in den Farben der „Ampel plus“ und versuchten dabei, sich nicht allzu oft gegenseitig mit den Eiern zu bewerfen.

Dem Zuschauer war schnell klar, welche Anstrengungen offenbar unternommen werden müssen, um solch ein Bild der Harmonie zu präsentieren. Kein Wunder, dass sich die Gruppe im Wellness-Resort eingebucht hat. Ab und zu fassten sich alle an den Händen und skandierten: „Wir schaffen das.“ Ja dann.

Etwas mehr Probleme mit der Akklimatisierung hatten die vier apokalyptischen Reiter, die dem Burnout bedrohlich nahe sind. Hunger, Tod, Krieg und Pest brauchten schlichtweg mal eine Auszeit, erfuhren angesichts rosafarbener Bademäntel aber eher Berührungsängste. Schwer zu knabbern hatten alle an modernen Konzepten wie „Work-Life-Balance“ – und dem neuen Management. Die Finanzbranche hat das Kommando übernommen, vermutlich Heuschrecken, die aus allem Profit schlagen wollen. „Steuererklärungen quälen mehr als Kriege und Seuchen“, mussten die Reiter der Apokalypse zerknirscht zugeben.

Die „Skunks“ verstanden es, gesellschaftskritische Themen mit Klamauk zu mischen und hohe Politik mit tiefsinnigen Kommentierungen zu versehen. Abgerundet wurde das Bild von der Musik der hauseigenen Band „Cantalyra“. Manche Nummer mag bei der Premierenvorstellung noch etwas zu lang geraten sein, insgesamt präsentierten die „Skunks“ aber ein ausgewogenes und trotz seiner Länge kurzweiliges Programm, zu dessen Höhepunkten sicherlich die Persiflage der Kommunalpolitik und das Aufgreifen lokaler Themen gehören.

Besonders die Dürener Lokalpolitik, so schien es, lieferte Vorlagen für Sketche ohne Ende: Eine Neugestaltung des Weihnachtsmarkts, Car-Sharing an der Weier-straße und die Niederlage Liesel Koschorrecks (SPD) bei der Bürgermeisterwahl waren nur einige Themen. „Liesel war stets bemüht – und wir wissen alle, was das heißt“, bilanzierten die „Skunks“. Aber auch Amtsinhaber Paul Larue (CDU) und Landrat Wolfgang Spelthahn (CDU) wurden kräftig durch den Kakao gezogen.

Grandios waren das wortgewaltige Dürener Sommermärchen von Hajo Mölders und Dirk Steiger („Sie kamen an einer Schevenhütte vorbei, die völlig Merode erschien. Darin wohnte ein Indemann.“) und die Vorstellung von Nicole Grasmeier als schizophrener „Gollum“ aus dem Fantasy-Film „Herr der Ringe“. Sie verkörperte die politische Hin- und Hergerissenheit der „Grünen“ im Umgang mit der CDU in Stadt und Kreis. Tricks für die poetische Agitation gegen Windräder und andere Ärgernisse verriet Andreas Bohm. Die Liste ließe sich fortsetzen...

Für einige der elf Sitzungen, die bis zum 6. Februar im Rittersaal von Schloss Burgau stattfinden, gibt es noch Karten zum Preis von 22 Euro. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr. Wer sich für Tickets interessiert, erhält im „Komm“ unter der Telefonnummer 02421/189104 weitere Infos.

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