„Skunk“ KG starten einen Piraten-Sender

Von: Stephan Johnen
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Die „Skunks“ überließen bei ihrem Fernseh-Debüt nichts dem Zufall. Zu Beginn wurden mit den Zuschauern „spontane Reaktionen“ geprobt.
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Überzeugungsarbeit: Kämmerer Harald Sievers (Mitte, gespielt von Tom Lüttgens) wollte 130 Flüchtlinge bei den Anarchos unterbringen. Foto: sj

Düren. Nichts muss so hart geübt werden wie spontaner Applaus. Aus diesem Grund haben die Mitglieder der „Skunk“ KG bei der Premiere ihrer kabarettistischen Karnevalsrevue im Rittersaal von Schloss Burgau nichts dem Zufall überlassen.

Schon gar nicht die Reaktionen des Publikums. Vom „leisen Applaus“ über „ironisches Bedauern“ bis zum „Tumult“ wurden die Spielarten einstudiert. Danach konnte es mit dem Programm losgehen. Seit 14 Jahren stehen die anarchistischen Stinktiere aus dem Komm-Zentrum auf der Bühne. Am Donnerstagabend haben sie ihren eigenen TV-Sender gegründet und einen Sendemast gekapert. Neun weitere Vorstellungen folgen.

„Den Quatsch kann ja jeder Idiot machen“, dachten sich die „Skunks“, die die Welt verbessern, also im Sinne ihres persönlichen Wohlergehens umgestalten möchten. Und so ein Fernsehprogramm ist schließlich schnell zusammengezimmert: Eine Sendung für die moderne Frau in der Menopause, eine pseudo-intellektuelle Laberrunde, die glatt als Bildungsfernsehen durchgeht, sowie viel Show, Musik und Glamour. Nicht jedem Zuschauer gefällt vermutlich alles, dafür sollte für jeden etwas dabei sein.

Die Stinktiere gingen wie gewohnt nicht gerade zimperlich mit Zeitgenossen aus dem politischen und gesellschaftlichen Leben um. Im Sendeformat „Politiker suchen ein neues Zuhause“ versuchten sie beispielsweise den aufgedrehten Wolfsspitz Verena (Schloemer, Grüne), der gerne auch mal in Waden beißt, oder den Königspudel Stefan (Weschke, CDU) an neue Herrchen und Frauchen zu vermitteln. Sternstunden des mehr als vierstündigen Programms waren Nummern, bei denen den Zuschauern das Lachen im Halse stecken bleiben konnte.

Beispielsweise der Besuch von zwei jungen Reportern, die eigentlich über Kleingärtner berichten sollten, aber bei einer eher völkischen Demonstration landeten. In der festen Überzeugung, über Gemüseanbau zu reden, stellten sie Fragen zu Mischkulturen und zur Schädlingsbekämpfung. Wunderbar wurde der Medienlandschaft auch beim Bericht aus der internationalen Krisenregion (in diesem Fall ging es in den Dürener Norden) der Spiegel vorgehalten. Das Programm der Skunks erwies sich als brandaktuell, die Stadthalle war ebenso Thema wie die Suche nach Unterkünften für Flüchtlinge. Ein Kämmerer, der bei den „Skunks“ Asylbewerber unterbringen wollte, schaute sich gleich nach einem neuen Job um.

Die „Skunks“ präsentierten sich mal augenzwinkernd, mal gallig, mal bissig, mal gehörig geschmacklos – gewürzt mit einer Portion Nonsens und skurriler Banalität. So, wie die Zuschauer sie kennen- und schätzen gelernt haben. Anders als im echten Fernsehprogramm waren die Werbeblöcke übrigens viel zu kurz.

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