Sirenen sind ein Teil des Alltags

Von: Andreas Gabbert
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Im Dialog: Jugendliche aus dem israelischen Nesher und aus Düren diskutieren miteinander über Themen, die sie bewegen. Foto: A. Gabbert

Düren. In einem großen Kreis sitzen deutsche und israelische Jugendliche. Sie reden und diskutieren - über Hobbys, Zukunftspläne, aber auch über Politik und Religion. Im Rahmen des Deutsch-Israelischen Jugendaustauschs, der in diesen Tagen 14 junge Menschen aus Israel nach Düren führt, verbingen die Schüler aus Nesher in der Nähe von Haifa einen Tag am Burgau-Gymnasium.

Die DZ durfte das Treffen begleiten.

Gemeinsamkeiten gibt es viele: Sport und Musik stehen bei den meisten Jugendlichen hoch im Kurs. Und so wie sich die Jugendlichen aus Düren gerne nach Köln orientieren, fahren auch die israelischen Schüler in die nächst größere Stadt, nach Haifa, wenn sie etwas erleben wollen.

Doch in der Diskussion werden auch die Unterschiede deutlich. Die deutschen Jugendlichen kennen keinen Krieg, für die israelischen Jugendlichen gehört die ständige Bedrohung zum Alltag.

Während nur wenige der Schüler aus Düren jetzt schon wissen, was sie nach der Schule machen wollen, ist der Weg für die etwa gleichaltrigen Jugendlichen aus Israel klar.

Mit 17 Jahren stehen sie kurz vor ihrem Schulabschluss. Vor dem Studium geht es zum Militär - Frauen zwei Jahre lang, Männer drei. In Israel besteht auch für Frauen Wehpflicht, viele machen in der Armee Karriere.

Ob der Militärdienst eine Ehre sei, oder ob eher die Angst vor Krieg und Bombenanschlägen im Vordergrund stehe, wollen die deutschen Schüler wissen. „Wir haben gar keine Wahl. Ich bin stolz, meinem Land dienen zu können”, sagt Zohar Hadad. „Angst haben wir alle”, ergänzt ihre Mitschülerin Adi Rozner. Die Menschen in Israel fühlten eine ständige Last auf ihren Schultern.

Immer wieder gebe es Anschläge, Kinder würden auf dem Schulweg zur Zielscheibe, und die heulenden Sirenen seien ein Teil des Alltags. „Wir können nie richtig abschalten, aber wir versuchen, ein möglichst normales Leben zu führen”, berichtet die Lehrerin Hana Goldman.

Nachdem Militärdienst zieht es viele Israelis hinaus in die weite Welt, nach Südamerika oder Asien. „Ist das bei Euch auch so?”, interessieren sich die Gäste aus Nesher. Er wolle den Wehrdienst verweigern und als Zivi im Ausland arbeiten, berichtet Darius Savelsberg über seine Pläne.

Als sich die junge Sängerin Tzlil Vaknin überreden lässt, eine Kostprobe zu geben, lachen ein paar „starke” Jungs noch unsicher, doch nur wenig später hat die beeindruckende Stimme alle in ihren Bann gezogen. Mit voller Stimme singt Tzlil Vaknin ein Lied über den Wunsch nach Frieden. Eine der Schülerinnen aus Israel kann ihre Tränen nicht zurückhalten, so sehr geht ihr der Vortrag zu Herzen.

Ein Punkt, der die deutschen Jugendlichen interessiert, ist der Umgang mit dem Thema Religion. Die Bedeutung von Religion sei sehr individuell, erklären die Gäste. „Dem einen ist sie mehr, dem anderen weniger wichtig.”

Sie selbst seien nicht streng religiös, denn sonst hätten sie an dem Austausch nicht teilnehmen können. Die Vorschriften strenggläubiger Juden, etwa bei der Zubereitung des Essens, würden dem im Wege stehen.

„Wie ist das Verhältnis zu den Arabern? Wie steht ihr zur Zwei-Staaten-Lösung?”, lauten die durchaus kritischen Fragen der deutschen Schüler. Auf der anderen Seite halten sich die israelsischen Schüler mit Fragen zum Umgang mit der deutschen Vergangenheit eher zurück. Es sei eine gute Idee, die Beziehungen zwischen Israel und Deutschland zu verbessern.

„Ich will die Kultur und das Leben der Jugendlichen in Deutschland kennen lernen”, antwortet Adi Rozner auf die Frage, warum sich die Gäste für einen Austausch mit Deutschland und nicht mit einem anderen Land entschieden haben. „Es ist wichtig, neue Beziehungen zwischen den jungen Generationen zu knüpfen”, betont Goldman.

Organisiert wird der Jugendaustausch von Jugendamt und Stadtjugendring.
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